2017: Ein Rückblick in Büchern

the-fifth-season-142017 war ein ereignisreiches Jahr für mich. Ich habe ein Semester lang an der Universität von Bergen studiert, zwei Verlagsverträge unterschrieben, eine Wohnung gefunden und mit leichtem Schock festgestellt, dass ich allmählich anfangen muss, über meine Bachelor-Arbeit nachzudenken. Aber ich hatte auch wieder Gelegenheit, einige bemerkenswerte Bücher zu lesen. Hier ist eine Auswahl der Titel, die sich mir besonders eingeprägt haben (der Link führt euch zur Rezension).

High Fantasy

Dieses Jahr haben mich zwei High Fantasy Romane besonders beeindruckt, die originell, aber oft auch herausfordernd und unbequem waren: N.K. Jemisins „The Fifth Season“ ist ein bemerkenswerter Auftakt zu einer Fantasy-Trilogie über eine sterbende Welt, die mit non-linearem Erzählen und ungewöhnlichen Erzählstimmen spielt und sich schonungslos mit der der Dynamik von Macht und Diskriminierung auseinandersetzt. Um dieses Thema geht es auch in „The Traitor Baru Cormorant„, einem Buch, das um Kolonialismus, Anpassung, Widerstand und die Macht von Narrativen kreist und seine Leser um die Seele seiner einschüchternd kompetenten Protagonistin fürchten lässt.

sins-of-empire-2Mit „The Blood Mirror“ hat Brent Weeks sein meiner Meinung nach bisher bestes Buch veröffentlicht: Die komplexen Figuren und das ungewöhnliche Fantasy-Universum seiner „Lightbringer“-Serie zeigen hier überraschende neue Facetten und rasante Action mischt sich mit berührenden Charaktermomenten.

Auch „Sins of Empire“ ist ein Buch, das neue Aspekte eines bekannten Fantasy-Universums präsentiert – und ein vielversprechender, ebenfalls sehr actionreicher Auftakt zu einer weiteren Trilogie um Brian McClellans „Powder Mages“ und die politischen Ränkespiele, in die sie verstrickt werden. Ich kann nicht erwarten, wie es mit dem spannenden Ensemble aus neuen und vertrauten Charakteren weitergeht.

Urban Fantasy

Seanan McGuire und Mishell Baker stellen mit „Every Heart a Doorway“ und „Borderline“ ungewöhnliche Protagonistinnen ins Zentrum ihrer Romane: Eine Jugendliche, die nach ihrer Zeit in einem magischen Reich nicht mehr in unserer Welt heimisch werden kann und eine Frau, die es bei der Aufklärung eines Verbrechens unter Feen nicht nur mit übernatürlichen Gegenspielern zu tun hat, sondern auch mit einer psychischen Krankheit, die sie immer wieder zu selbstzerstörerischen Handlungen treibt.

borderline-49Mit „Deathless“ hat Catherynne M. Valente eine eindrucksvolle, düstere Märchenadaption geschrieben, die russische Folklore mit der Geschichte des 20 Jahrhunderts verschmilzt und von starken, ambivalenten Charakteren und einer ungewöhnlichen poetischen Sprache getragen wird. Ebenfalls eher düster geht es oft in „Frankenstein“ zu, einem Buch, dass zwar etwa 200 Jahre alt ist, aber sich dennoch verblüffend spannend liest und einige heute noch aktuelle Fragen aufwirft.

In „Stadt der tanzenden Schatten“ mag zwar viel auf dem Spiel stehen und es gibt subtile Verweise auf die Auseinandersetzung der Figuren mit Rassismus und Sexismus, aber die große Stärke dieses Buches sind die Momente, wo die Figuren – Jugendliche in einer Version unserer Welt, in der Magie und Straßenkunst eng miteinander verflochten sind – einfach Spaß haben.

Historischer Roman

Meine Highlights unter den historischen Romanen, die ich dieses Jahr gelesen habe, entführen ihre Leser beide ins spätmittelalterliche oder frühneuzeitliche Asien: Oliver Plaschkas versucht sich an einer ganz eigenen Interpretation der Geschichte Marco Polos und liefert einen atmosphärischen, schön geschriebenen Roman, der seine Leser das Staunen des Protagonisten nachempfinden lässt. In Tanja Kinkels „Manduchai“ hingegen kann man zwei faszinierende, starke Frauenfiguren kennen lernen: Die Mongolenprinzessin Manduchai und die chinesische Adlige Wan müssen sich in einer Welt behaupten, die ihnen keine Macht zugestehen will, und gehen entschlossen ihren Weg.

Thriller/ Dystopie

little-brother-6Ich habe 2017 zwei Romane gelesen, in denen sich rasante Geschichten rund um Technologien und Überwachung entspinnen. In „Little Brother“ geht es um Jugendliche, die sich jäh mit der beklemmenden Realität einer Regierung konfrontiert sehen, die die Rechte ihrer Bürger im Namen der Sicherheit radikal beschneidet – und ein hohes Risiko eingehen, um Widerstand zu leisten. „The Red – Morgengrauen“ dagegen spielt in der nahen Zukunft. Der Soldat James Shelley hat es mit Rüstungskonzernen und künstlicher Intelligenz zu tun und weiß bald nicht mehr, ob er sich selbst noch trauen kann.

Non-Fiction

Das große Steampanoptikum“ ist nicht wirklich Non-Fiction, da die Betrachtungen über die Geschichte, Bedeutung und vielen Facetten des Steampunks und die Portraits von Steampunk-Künstlern um Song- und Prosatexte ergänzt werden (ganz zu schweigen von vielen aufwendig inszenierten Fotos), aber eines ist dieses Buch definitiv: Ganz klar zu empfehlen.

Jenseits aller Grenzen“ von Erich Follath ist eine ebenso unterhaltsame wie informative (wenn auch gelegentlich ernüchternde) Reise durch die Vergangenheit und Gegenwart der islamischen Welt. Follaths Beschreibung seiner Reise auf den Spuren von Ibn Battutta liest sich spannend wie ein Roman.

utopien-fur-realistenEin ebenfalls sehr beeindruckendes Buch ist „Utopien für Realisten“ – hier erklärt Rutger Bregman voller Überzeugung, aber oft auch sehr fundiert, wieso er sich eine bessere Welt vorstellen kann und plädiert für ein radikales Umdenken in vielen Bereichen. Damit liefert er ein gutes Gegenmittel gegen die Resignation, zu der so einige Entwicklungen der letzten Jahre einladen.

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