M.D. Grand: Schatten (Das Schicksal der südlichen Lande, Buch 1)

DownloadKlappentext

Ceryan ist einer der neun Generäle des Königs und gleichzeitig dessen bester Kämpfer – kein Wunder also, dass Zenox ausgerechnet ihn aussendet, um den sagenumwobenen Stein des Kairoan zu finden, der dem Herrscher endgültig zum Sieg über das Nachbarland Velmar verhelfen soll. Widerwillig zieht der Schattenfürst aus, um dem Wunsch seines Herren gerecht zu werden und mehr über die Legende herauszufinden. Was er jedoch letztendlich findet, ist weit mehr als nur ein Hinweis auf den Ort, an dem sich der Stein befinden soll…

Handlung

Gleich auf den ersten Seiten zeichnen sich die Umrisse des Geschehens ab und Leser gewinnen eine klare Idee, wo sich die Handlung hinbewegt. „Schatten“ beginnt mit der Einführung von König Zenox als tyrannischer Herrscher. Auch sein General Ceryan, Angehöriger der überirdisch schönen und ziemlich tödlichen Fantasy-Spezies der Vaijera, hat keinen guten Ruf. Die Geschichte beginnt damit, dass Zenox ihn auf die Suche nach dem Stein des Kairoan schickt, einem mächtigen magischen Artefakt, mit dessen Hilfe der König seine Macht festigen und ausdehnen könnte.

Ceryan macht sich auf den Weg. Unterwegs trifft er den Dieb Leam, der dank seiner Liebe zu alten Legenden wertvolles Wissen zu der Mission beisteuern kann und sich Ceryan anschließt – zunächst um seiner Hinrichtung zu entgehen, aber später auch, weil er in dem Vaijera so etwas wie einen Freund und Mentor gefunden hat.

Nach und nach findet man mehr über Ceryans tragische Vergangenheit heraus, aber auch mehr darüber, was Vaijera eigentlich sind: Bei ihnen handelt es sich von zwei Arten von Fantasy-Wesen, die an eine Mischung von Elfen und Vampiren erinnern, da sie in Wäldern leben, schön und langlebig sind, und sich von „Lebensfeuer“ ernähren, das sie jedoch nur in sich aufnehmen können, wenn ihre Opfer blutende Wunden haben.  Während die friedlichen Fendrail sich mit der Energie von Tieren und Pflanzen begnügen, sind die Vaijera weitaus aggressiver und stolz darauf, sich nicht von Gefühlen für andere lenken zu lassen.

Ein magischer Bann zwingt Ceryan, dem verhassten Zenox zu dienen und unter Menschen zu leben, die er verachtet. So reist er auf der Suche nach dem Stein durch verschiedenste Länder. Dadurch, dass M.D. Grands Roman die Geschichte einer klassischen Quest ist, verweilen Ceryan und seine Gefährten immer nur kurz an den geschilderten Orten und diese werden entweder spärlich beschrieben oder aber kommen einem aus anderen Fantasy-Romanen bekannt vor, sodass sich das Worldbuilding oberflächlich anfühlt.

Zwar gibt es ein paar originelle Geschöpfe und mit Ceryan steht ein interessanter Antiheld im Zentrum, aber leider erinnert auch viel anderes an sehr etablierte Fantasy-Handlungsmuster oder Figurentypen. Da ist der junge Dieb, der zum Kämpfer ausgebildet wird, auserwählt ist, eine wichtige Rolle zu spielen und die Liebe einer Prinzessin gewinnt. Da ist der böse Usurpator auf den Thron, der durch schwarze Magie die Welt unterwerfen will. Da ist die schöne, tödliche Elfenkriegerin (ok, sie ist eine Fendrail, aber die Assoziation liegt nahe). Und so weiter. Es gibt sogar eine Prophezeiung.

Die Handlung schreitet jedoch stetig und recht unterhaltsam fort und M.D. Grand kann stellenweise auch mit neuen Ideen oder überraschenden Wendungen überraschen.

Figuren

Ceryan macht von Anfang an keinen Hehl aus seiner Verachtung für Menschen und seiner Bereitschaft, zu töten, aber er wird nie bei einer Handlung gezeigt, die ihn endgültig die Sympathie der Leser kosten könnte. Schon früh wird klar, dass es Leam wahrscheinlich im Laufe des Buches schaffen wird, für erste Risse im eisigen Panzer des Vaijera zu sorgen und tatsächlich entdeckt Ceryan im Lauf der Handlung nach und nach seine menschliche Seite.

Er wird nicht nur als Antiheld, sondern auch als ein gefährlicher Kämpfer eingeführt, der, wenn er Feinden gegenübertritt, nur dann Probleme hat, wenn diese ihrerseits übernatürliche Fähigkeiten haben oder er schwächere Mitreisende schützen muss. In Kombination mit seiner Beinahe-Unsterblichkeit sorgt das dafür, dass man sich als Leser wenig Sorgen um den nur vordergründig arroganten und rücksichtslosen Vaijera macht, dessen Entwicklung zum Besseren eigentlich auch schon sehr früh vorgezeichnet ist.

Die Figuren, mit denen er reist, haben teils ihre eigenen Geschichten und sich entwickelnden Beziehungen, bleiben teils aber auch eher skizzenhaft, bzw. erinnern an Fantasy-Archetypen.

Stil

„Schatten“ wird meist in der ersten Person aus der Perspektive Ceryans erzählt, auch wenn man ihn am Anfang kurz aus der Sicht eines eingeschüchterten Höflings und dann am Ende noch einmal aus der Perspektive Leams, der auf den letzten Seiten überraschend als Ich-Erzähler übernimmt, erlebt. Tatsächlich scheint „Schatten“ zwar einige beinahe klischeehafte Motive zu übernehmen, aber auch bewusst mit anderen zu spielen, scheint es doch, als habe M.D. Grand bewusst eine falsche Fährte gelegt – Ceryan, der als interessanter und konfliktreicher Protagonist von „Schatten“ fungiert, ist selbst womöglich nur der Mentor von Leam, also eine Figur, die trotz ihrer Überzeugung von ihrer eigenen Wichtigkeit und Überlegenheit nur eine Rolle in einem größeren Ganzen zu spielen hat. Dabei ist Ceryans eigene Geschichte jedoch interessant genug, dass man ihrem Ausgang mit Spannung entgegensieht.

Bei „Schatten“ handelt es sich um einen Debütroman, dem man anmerkt, dass es seiner Verfasserin noch an Schreiberfahrung fehlt. Einige Formulierungen wirken holprig, bestimmte Aspekte der Handlung hätten besser ausgebaut sein können. Allerdings glättet sich der Stil mit der Zeit ein wenig.

Fazit

Ein wenig erinnert M.D. Grands „Schatten“ an Christopher Paolinis ersten „Eragon“-Roman – es handelt sich um eine klassische Fantasy-Quest-Geschichte, die zwar einige originelle Elemente einbringt, aber auch viele etablierte Muster und archetypische Figuren des Genres übernimmt (teilweise muss man wohl auch von Klischees sprechen). Auch der Schreibstil wirkt noch nicht ausgereift. „Schatten“ ist unterhaltsam und hat eine spannend konzipierte Hauptfigur, aber schöpft sein Potential leider nicht aus.

 

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (12. September 2015)

ISBN-10: 1517310350

ISBN-13: 978-1517310356

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s