Stephanie Burgis: Congress of Secrets

congress-of-secretsKlappentext

In 1814, the Congress of Vienna has just begun. Diplomats battle over a new map of Europe, actors vie for a chance at glory, and aristocrats and royals from across the continent come together to celebrate the downfall of Napoleon…among them Lady Caroline Wyndham, a wealthy English widow. But Caroline has a secret: she was born Karolina Vogl, daughter of a radical Viennese printer. When her father was arrested by the secret police, Caroline’s childhood was stolen from her by dark alchemy.

Under a new name and nationality, she returns to Vienna determined to save her father even if she has to resort to the same alchemy that nearly broke her before. But she isn’t expecting to meet her father’s old apprentice, Michael Steinhüller, now a charming con man in the middle of his riskiest scheme ever.

The sinister forces that shattered Caroline’s childhood still rule Vienna behind a glittering façade of balls and salons, Michael’s plan is fraught with danger, and both of their disguises are more fragile than they realize. What price will they pay to the darkness if either of them is to survive?

Rezension

Unter dem Einfluss des unheimlichen Graf Pergen hat Kaiser Joseph seine aufklärerischen Ideen aufgegeben. Die Presse in Österreich war nicht länger frei und Pergens Geheimpolizei wurde berüchtigt für die Überwachung und Verhaftung von Bürgern wie Karolinas Vater. Doch Pergen hat noch ein dunkleres Geheimnis: Er praktiziert Alchemie, eine Art von Magie, die es ihm erlaubt, anderen Menschen Kraft zu entziehen und auf sich selbst zu übertragen. Seine Opfer sind Menschen, die niemand vermissen würde – Menschen wie das Mädchen Karolina, deren Vater wegen seiner fortschrittlichen Ideen verhaftet wurde.

Nach Jahren der Gefangenschaft und zwei Ehen ist Karolina gegen alle Wahrscheinlichkeit in die Reihen des englischen Adels aufgestiegen. Unter falschem Namen kehrt die wohlhabende Witwe nach Wien zurück, um zu tun, worauf sie 15 Jahre lang gewartet hat: Sie will ihren Vater befreien. Vor dem schillernden Hintergrund des Wiener Kongresses versucht sie, das Vertrauen des österreichischen Kaisers zu gewinnen, um mit diesem die Freilassung ihres Vaters auszuhandeln.

Doch Josephs Sohn Francis steht noch mehr unter Pergens Einfluss, als sein Vater es je getan hat. Wien erweist sich als ein gefährlicher Ort für Karolina. Und hier wartet noch eine Überraschung auf sie: Michael, der Lehrling ihres Vaters, ist ebenfalls in die Stadt seiner Geburt zurückgekehrt. Als Karolina und ihr Vater verhaftet wurden, ist er geflohen. Auf seinen Reisen quer durch Europa ist er zu einem Trickbetrüger und Identitätsschwindler geworden, der seinesgleichen sucht. Als „Prinz Kalashnikoff“ will er sich auf dem Wiener Kongress einschleichen und sich mit einer Geschichte um sein an Napoleon verlorenes Territorium Sympathien und Geld erschwindeln.

Michael und Karolina werden in internationale Politik verwickelt und interagieren mit einer ganzen Reihe realer historischer Figuren. Täuschung und Erpressung, Liebe und Eifersucht sind wichtige Kräfte, die den Plot vorantreiben.

Der Schauspieler Peter, den Michael belogen hat, um in die Stadt zu gelangen, spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Als Peter ins Visier der Geheimpolizei gerät, sieht es ganz so aus, als würden seine Lügen Michael einholen, um ihn ins Verderben zu stürzen.

Es gibt vereinzelte Kämpfe und Verfolgungsjagden und in Gestalt der Alchemie auch einen Fantasy-Aspekt. Aber gerade letzterer tritt meist eher in den Hintergrund. Bis kurz vor dem Ende, wo Alchemie wieder wichtig wird – leider auf eine Weise, die besser vorbereitet hätte sein können – dachte ich, dass das Buch eigentlich auch gut ohne die Fantasy-Komponente ausgekommen wäre, ohne sich dadurch groß zu verändern. Die Geschichte wird sehr von den Figuren getragen. Fiktion und historische Wahrheit (im Nachwort enthüllt Burgis, wo die Grenze zwischen beiden verläuft) sind geschickt und kenntnisreich miteinander verwoben.

Figuren

Mit Pergen und Francis hat der Roman zwei Antagonisten, an denen wirklich nichts gut oder sympathisch ist. Differenzierter dagegen sind die Hauptfiguren gezeichnet. Karolina ist eine entschlossene, kämpferische Frau, der ihr Widerstandsgeist geholfen hat, nicht an ihren traumatischen Erfahrungen zu zerbrechen. Notwendigkeit hat sie zu einer Meisterin der Manipulation gemacht, die ihre Mitmenschen für ihre Zwecke benutzt. Sie braucht lange, um ihr Misstrauen gegen Michael zu überwinden, denn auch wenn er wenig hätte tun können, als sie und ihr Vater verhaftet wurden, ist sie zum Teil immer noch das Mädchen, das von ihrem Freund in einer schrecklichen Situation verlassen wurde und sich verraten fühlt.

Michael ist ebenfalls ein geschickter Manipulator und Lügner, der gelegentlich wenig über die Konsequenzen seiner Handlungen nachdenkt, auch wenn er seine Opfer meist unter denen auswählt, die sich ihre Verluste leisten können. Er hat sich lange nicht auf enge Beziehungen eingelassen und ist daher von der Intensität seiner Gefühle für Karolina überrascht.

Es war eine gute Entscheidung Burgis‘, dem Schauspieler Peter, der zu einer großen Gefahr für Michael wird, eine eigene Stimme zu geben. So wird dieser auch zu einer sehr plastischen Figur, einem Mann, der ehrgeizige Visionen für die Schauspieltruppe hat, die er mit Mühe zusammenhält, der sehr nachvollziehbar handelt und letztlich in einer Situation, die jeden an seine Grenzen hätte kommen lassen, seine Prinzipien verrät.

Einige der Schauspieler aus Peters Truppe sind sehr auf eine bestimmte Funktion reduziert, andere Nebenfiguren dagegen – gerade die mit historischen Vorbildern, wie der geistreiche Prinze de Ligne – sind gut ausgestaltet.

Stil

Der Stil passt gut zum historischen Setting, ohne gekünstelt zu wirken. Gelegentlich sind deutsche Wörter auf eine Weise in den englischen Text eingeflossen, die Deutsch-Muttersprachler irritieren könnte. Für englische Leser dagegen tragen sie sicher noch einmal zur Atmosphäre bei. Das historische Wien und die Pracht des Kongresses sind gut geschildert und die Handlung schreitet in einem stetigen Tempo voran.

Fazit

„Congress of Secrets“ ist ein gut recherchierter, charakterzentrierter Roman, in welchem sich vor dem Hintergrund des Wiener Kongresses eine spannende Handlung um Täuschung, Intrigen und Liebe entwickelt. Stephanie Burgis lässt ihre gut entwickelten Protagonisten den Weg berühmter historischer Akteure kreuzen. Die Fantasy-Elemente könnten harmonischer eingebunden und der Showdown etwas besser vorbereitet sein, aber alles in allem ist „Congress of Secrets“ ein gelungenes Buch.

Prometheus Books, November 2016

Imprint: Pyr

ISBN: 978163388200

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