Jeannie Lin: Gunpowder Alchemy (The Gunpowder Chronicles, Buch 1)

Klappentext

gunpowder-alchemy-2In 1842, the gunpowder might of China’s Qing Dynasty fell to Britain’s steam engines. Furious, the Emperor ordered the death of his engineers, eliminating China’s best chance of fighting back.

Since her father’s execution eight years ago, Jin Soling has kept her family from falling apart. With her mother addicted to opium and her younger brother in danger of being sent off to the factories, Soling has no choice but to sell off the last of her father’s possessions. Unwittingly, her actions bring her to the attention of the imperial court—the same court that betrayed her father.

The Crown Prince has launched a secret mission to bring together the remnants of the former Ministry of Science. To restore her family’s name, Soling must track down the rebel alchemist who holds the key to powering the imperial fleet. Her only ally is a man she’s just met—the engineer with a mysterious past who was once meant to be her husband…

Handlung

Nach der Hinrichtung ihres Vaters und der Verbannung ihrer Familie aus der Hauptstadt versucht Soling Jin verzweifelt, ihre Familie über Wasser zu halten. Die Verantwortung, die auf den Schultern der Achtzehnjährigen ruht, ist schwer, denn ihr Bruder Tian ist erst acht Jahre alt und ihre Mutter hat eine schwere Opium-Sucht entwickelt. Um sie herum wächst der Unfrieden: Seit mittlerweile zehn Jahren verteidigen westliche Invasoren Gebiete an der Küste und Rebellen lehnen sich gegen einen Kaiser auf, der absolute Loyalität und große Opfer von seinen Untertanen fordert und nichts zurückgibt und sich als unfähig erwiesen hat, sein Land zu verteidigen.

Der Versuch, ein Erbstück ihres Vaters zu verkaufen, bringt Soling ins Visier des Kronprinzen, der anders als sein Vater daran glaubt, dass China sich modernisieren muss, wenn es eine Chance auf Unabhängigkeit haben will. Er möchte Soling als Köder benutzen, um die einstigen Mitarbeiter ihres Vaters aus der Deckung zu locken. Der geniale Ingenieur Chen-Wei, mit dem Soling als Kind verlobt war, arbeitet für ihn. Während das Schicksal ihrer Familie Soling hat verbittern lassen, ist er bedingungslos loyal gegenüber seinem Land, seinem Kaiser und dem Kronprinzen, auf den er große Hoffnungen setzt. Doch das bringt ihn in einen Konflikt, denn er fühlt sich seiner einstigen Verlobten verpflichtet, möchte sie beschützen und ihr helfen.

Solings einziges Ziel ist es, zu ihrer Familie zurückzukommen, die auf sie angewiesen ist. Doch ihr Versuch, Yang Hanzhu, einen anderen Mitarbeiter ihres Vaters, zu rekrutieren, endet damit, dass dieser sie entführt, um sie aus den Klauen des Kaisers zu befreien. Yang Hanzhu hat sich vom Kaiser losgesagt, ohne sich den Rebellen anzuschließen oder gemeinsame Sache mit den Ausländern zu machen. Stattdessen führt er seinen persönlichen Feldzug gegen Opiumlieferungen, von denen er überzeugt ist, dass ihnen Komponenten zugesetzt sind, die die Droge noch gefährlicher machen.

Solings Weg zu ihrer Familie ist verschlungen und gefährlich. Doch Cheng-Wei steht ihr zur Seite. Schon früh zeichnet sich ab, dass zwischen den einstigen Verlobten romantische Gefühle wachsen werden und das tun sie tatsächlich – und die beiden passen wirklich nur zu gut zusammen. Doch Cheng-Wei ist ein hochrangiger Beamter, Soling die Tochter eines „Verräters“. Dazu kommt Cheng-Weis Loyalität gegenüber einem Kaiser und einem Reich, denen Soling nicht vergeben kann, was sie ihrem Vater angetan haben.

Rebellen und ausländische Händler, kaisertreue Menschen und solche, die nur ihrem eigenen Gewissen verpflichtet sind – sie alle spielen eine Rolle in dieser Geschichte und Soling und Chen-Wei müssen oft um ihr Leben fürchten. Beide sind keine großen Kämpfer und so sind sie oft darauf angewiesen, zu verhandeln oder ihre ungewöhnlichen Talente einzusetzen: Chen-Wei ist ein Genie, wenn es um Maschinen geht, Soling hat von einem Arzt viel über Medizin und Akupunktur gelernt. Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten sind ein wertvolles Gut, das ihnen eine bessere Verhandlungsposition verschafft. Es ist ganz angenehm, in einem Roman über Figuren zu lesen, die sich nicht so einfach Wege freikämpfen können und daher andere Lösungen finden müssen und die die Situationen, wo um sie herum Kämpfe toben, als beängstigend und überfordernd erleben, aber alles andere als hilflos sind.

Das führt zu einem interessanten Punkt: Dem Setting. Allein schon die Idee „Steampunk-China“ ist ziemlich genial und es gibt ein paar wirklich spannende Verschmelzungen von steampunkiger Technologie (wobei „Gunpowder-Punk“ wahrscheinlich angemessener wäre – das große Problem der Chinesen ist, dass ihre moderne Technologie auf Schießpulver und nicht auf Dampf basiert und sie daher nicht in der Lage sind, Dampfer und Luftschiffe zu bauen, die mit denen aus den westlichen Ländern mithalten können). Ein Beispiel für eine solche Verschmelzung wären prosthetische Gliedmaßen, die von ihren Besitzern bewegt werden können, weil Akupunkturnadeln Qi-Energie aus deren gesunden Gliedmaßen in sie leiten. Gleichzeitig fühlen sich die Steampunk-Elemente seltsam oberflächlich und nicht wirklich in die Geschichte eingebunden an und ich habe manchmal fast vergessen, dass sie überhaupt da sind, bis sie wieder erwähnt wurden. Die geschilderten Maschinen und die Fähigkeiten vieler Figuren, binnen kürzester Zeit nahezu alles zu bauen, sind wenig realistisch, aber es macht Spaß, über sie zu lesen.

Figuren

Ein Aspekt des Buches, den ich wirklich genossen habe, waren die vielen Wissenschaftler-Figuren: Menschen, denen die Freude am Lernen, Experimentieren und Konstruieren deutlich anzumerken ist und die in ihrer Arbeit aufgehen können. Diese Momente der Versunkenheit geben Figuren und Lesern Atempausen in einer zunehmend gefährlichen und chaotischen Welt, in der sich Soling und ihr Begleiter zwischen den Fronten sich bekämpfender Fraktionen bewegen müssen.

Die entscheidende Frage im Roman ist die, wem gegenüber die Figuren loyal sind, und es gibt keine einfachen Antworten. Eine sehr eindrucksvolle Figur ist Yang Hanzhu, der sich nur noch seinem Gewissen verpflichtet fühlt, ein kluger, scheinbar ruhiger Mann, aber zugleich ein Getriebener, der in seinem Stolz und seiner Entschlossenheit, seinen eigenen Weg zu gehen und das Rätsel des verunreinigten Opiums zu lösen, keine Kompromisse eingeht.

Cheng-Wei dagegen ist unerschütterlich pflichtbewusst. Er zweifelt trotz allem, was er erlebt hat, nicht grundlegend an Kaiser und Reich und ist bereit, alles für sie zu opfern. Doch das bedeutet keineswegs, dass er nicht auch Dinge in Frage stellt. Er ist reif, mutig, und einer der erwähnten Wissenschaftler, die in der Lage sind, völlig in ihrer Arbeit zu versinken.

Auch Soling hat einen wachen, widerspruchsfreudigen und neugierigen Geist. Ihre Loyalität gilt aber vor allem ihrer Familie, auch wenn sie sich zugleich von der Verantwortung niedergedrückt fühlt. Aber auch sie kann sich nicht davon befreien, was sie ihr Leben lang über den Kaiser und über die Ordnung der Welt gelernt hat – sich den Rebellen anzuschließen wäre undenkbar für sie und sie legt sich und Cheng-Wei Steine in den Weg, weil sie gelernt hat, dass eine Beziehung wie die ihre undenkbar ist.

Soling ist bei weitem nicht die interessanteste Figur, am Anfang etwas blass und hilflos, zum Ende des Buches hin wie so einige Figuren fast schon unglaubwürdig kompetent, aber dennoch eine Protagonistin, die man (gerade später im Buch) gerne begleitet und der man schließlich aus ganzem Herzen wünscht, dass sie mit Cheng-Wei zusammenkommt. Die Art, wie ihre Gefühle füreinander wachsen, ist gut geschildert, weil körperliche Anziehung, aber auch Respekt für die Fähigkeiten und Intelligenz des jeweils anderen und schließlich auch großes Vertrauen zusammenkommen. Für Leser ist es so offensichtlich, dass die beiden zusammengehören, dass die Hindernisse dafür sich künstlich und lästig anfühlen.

Stil

Die Geschichte wird (vom Prolog abgesehen) in der ersten Person aus Solings Sicht erzählt. Der Stil ist eher unauffällig (Soling ist keine Protagonistin mit ausgeprägter eigener Stimme), aber liest sich flüssig. Die Geschichte schreitet in angenehmem Tempo voran und die Liebesgeschichte ist gut eingebunden.

Fazit

Der Aspekt, der zunächst mein Interesse geweckt hat – das alternative Steampunk-China, in welchem „Gunpowder Alchemy“ spielt – tritt manchmal mehr in den Hintergrund, als mir lieb gewesen wäre, aber trotzdem hat Jeannie Lin originelle Worldbuilding-Ideen einfließen lassen. Hinzu kommen gut entwickelte Figuren (gerade die Nebenfiguren wissen zu überzeugen) und eine Liebesgeschichte mit einem Paar, dem man wirklich wünscht, dass es zusammenkommt. Alles in allem bekommt „Gunpowder Alchemy“ eine Empfehlung von mir.

 

Übrigens: Das Nachwort, in welchem Jeannie Lin enthüllt, dass es für verblüffend viele ihrer Figuren historische Vorbilder gab, ist auch einen Blick wert.

 

Jeannie Lin, September 2017

ISBN: 9781386174615

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