Mark Lawrence: Red Sister (First Book of the Ancestor)

red-sister-1Klappentext

At the Convent of Sweet Mercy, young girls are raised to be killers. In some few children the old bloods show, gifting rare talents that can be honed to deadly or mystic effect. But even the mistresses of sword and shadow don’t truly understand what they have purchased when Nona Grey is brought to their halls.

A bloodstained child of nine falsely accused of murder, guilty of worse, Nona is stolen from the shadow of the noose. It takes ten years to educate a Red Sister in the ways of blade and fist, but under Abbess Glass’s care there is much more to learn than the arts of death. Among her class Nona finds a new family—and new enemies.

Despite the security and isolation of the convent, Nona’s secret and violent past finds her out, drawing with it the tangled politics of a crumbling empire. Her arrival sparks old feuds to life, igniting vicious struggles within the church and even drawing the eye of the emperor himself.

Beneath a dying sun, Nona Grey must master her inner demons, then loose them on those who stand in her way.

Handlung

Eis überzieht die Welt. Nur dank des Focus Moon, eines riesigen Spiegels, der das Licht der sterbenden Sonne bündelt, können auf einem schmalen Streifen Land Menschen überleben. Die Geschichten, die sie sich erzählen und die mächtigen, rätselhaften Relikte aus der Vergangenheit, mit denen die Figuren es teilweise zu tun haben, deuten darauf hin, dass sie Nachkommen einer oder mehrerer hochtechnisierter Zivilisationen sind, die nun auf primitive Technologien angewiesen darauf warten, dass das Eis auch den Rest der Welt überzieht. In wenigen Generationen könnte es so weit sein und so klammern sich viele Menschen verzweifelt an eine Prophezeiung, die eine Rettergestalt verspricht – auch wenn viele andere aus gutem Grund skeptisch sind.

Doch es gibt auch Städte, einen Kaiser und eine mächtige Kirche, zu der Institutionen wie der Nonnenkonvent „Sweet Mercy“ gehören, dem Äbtissin Glass vorsteht (alle Schwestern, die der „Kirche des Ahnen“ angehören, nehmen die Namen von Alltagsgegenständen an, um ihren Abschied von ihrem alten Leben zu besiegeln). Als Glass erfährt, dass in der Stadt Verity ein außergewöhnliches Mädchen hingerichtet werden soll, rettet sie Nona Grey und macht das Kind mit der rätselhaften, blutigen Vergangenheit zu einer Novizin des Ordens.

Dort findet Nona Freundinnen, doch sie hat sich auch mächtige Feinde gemacht, die sich nicht damit abfinden wollen, dass sie dem Henker entkommen ist. Nona lernt die rätselhafte Magie ihrer Welt kennen, die nie so ganz erklärt wird, und findet heraus, was es mit den vier Stämmen der Menschen zu tun hat: Die Nachkommen der Gerant werden groß und stark, Menschen mit Hunska-Vorfahren sind übernatürlich schnell, und die Quantal und Marjal vererben beide ihre eigene Magie. Die der Marjal ist subtiler, trickreicher, die der Quantal basiert darauf, den „Pfad“ zu berühren, und bricht sich meist auf dramatischere Weise Bahn. Viel bleibt rätselhaft, weil beide Schulen der Zauberei nur in sehr nebulösen Begriffen geschildert werden, aber eines ist klar: Die Nachkommen von Quantal und Marjal können einige ziemlich interessante Dinge bewirken. Sei es die Manipulation der Elemente oder das Knüpfen psychischer Verbindungen oder sogar die Fähigkeit, seinen eigenen Schatten abzuschneiden und unabhängig agieren zu lassen.

Nonas Fähigkeiten jedoch sind vielen ein Rätsel. Während es zuerst aussieht, als habe sie lediglich genug Hunska-Blut, um zu einer außergewöhnlichen Krieger-Nonne – einer „Red Sister“ – zu werden, entdeckt sie nach und nach weitere Gaben an sich, viele von ihnen machtvoll und zerstörerisch. Im Konvent lernt sie, ihre Fähigkeiten besser zu meistern und ein Großteil des Buches kreist genau darum. Die Leser begleiten Nona bei vielen ihrer Unterrichtsstunden, was die Handlung gemächlicher fortschreiten lässt als in anderen Büchern Mark Lawrence, da man z.B. miterlebt, wie Nona Übungskämpfe ausficht, die zwar gut geschildert sind, bei denen aber es jedoch um relativ wenig geht.

Da Nona nicht in das politische Ränkespiel eingeweiht ist, in dem Abtissin Glass eine wichtige Rolle spielt, und man als Leser nicht genau weiß, was es mit dem sogenannten „Shipheart“, einem Artefakt, das offensichtlich mehr tut, als das Ordenshaus zu heizen und das später im Buch sehr wichtig ist, ist oft nicht klar, was eigentlich auf dem Spiel steht. Ebenso bleiben das politische Gefüge der Welt, die Rolle und Ziele der Kirche und der Nonnen von Sweet Mercy und sogar der Glaube selbst eher skizzenhaft.

Die Handlung, die mit der Rettung der achtjährigen Nona vor ihrer Hinrichtung einsetzt und mit einer jugendlichen Nona endet, die es mit einer Bedrohung für den Orden aufnimmt, die sie nicht zur Gänze versteht, sich alten Feinden stellt und allmählich beginnt, ihr ganzes, zerstörerisches Potenzial zu entfalten, um mit Zähnen und Klauen für das Leben ihrer Freunde zu kämpfen, wird von „Flash-Forwards“ in die Zukunft einrahmt: Eine Red Sister stellt sich einer anrückenden Armee. Der Leser bleibt mit quälenden Fragen zurück. Wer sind diese Frauen, die wir im Prolog erleben? Welche Erlebnisse trennen sie von den Kindern, die wir in der eigentlichen Handlung kennenlernen?

Das Spiel mit den Zeitebenen ist sehr gelungen, aber die gerade erwähnten Fragen werden wohl erst in den nächsten Büchern der Serie beantwortet werden.

Figuren

Nona beginnt die Geschichte als ein achtjähriges Mädchen, das immer auf der Hut ist. Doch im Orden öffnet sie sich gegenüber ihren Mitnovizinnen, auch wenn es Geheimnisse gibt, die sie selbst ihnen verschweigt. Nona ist klug, mutig und ein loyales, aufopferungsbereites Mädchen, dem Freundschaft alles bedeutet. Sie stellt jedoch mehrfach fest, dass sie andere falsch eingeschätzt hat: Vermeintliche Feindinnen werden zu Vertrauten, scheinbare Freundinnen erweisen sich als unzuverlässig. Nona ist eine gnadenlose, rachsüchtige Kämpferin, doch sie greift immer nur dann auf ihre zerstörerischen Talente zurück, wenn sie oder ihre Freunde bedroht werden.

Nona hat zwar außergewöhnliche Begabungen, aber sie ist keineswegs unbesiegbar und trifft immer wieder auf Herausforderungen, die zu groß, und Menschen, die ihr in bestimmten Bereichen überlegen sind.

Alle Novizinnen, die etwas ausführlicher beschrieben werden, sind komplexe, sehr verschiedene Figuren, die auf natürliche Weise miteinander und mit ihren Lehrerinnen interagieren. Zwar verhalten sie sich – gerade, als sie sehr jung sind – ziemlich frühreif und sind eloquenter, kompetenter und tiefsinniger, als man realistischerweise erwarten würde (das gleiche gilt auch für viele der erwachsenen Schwestern), aber gerade dadurch kommen Szenen und Dialoge zustande, die zu lesen viel Spaß macht.

Auch viele der Schwestern sind gut ausgearbeitete, facettenreiche Charaktere, allen voran Äbtissin Glass, deren Spiel nicht leicht zu durchschauen ist. Obwohl ihre Position schwächer als die vieler anderer politischer Akteure ist, schafft sie es durch ihr raffiniertes Vorgehen und ihre Weigerung, sich oder andere zu schonen, meist dennoch zu bekommen was sie will. Ihre Absichten scheinen gut zu sein und sie nimmt gleich mehrfach Opfer und Risiken auf sich, um die unschuldige Nona zu schützen, doch hinter jeder ihrer Handlungen scheint ein tieferer Plan zu stehen.

Wenn man von einem Feind, dessen Motive nur zu offensichtlich sind, absieht, bleiben die Gegenspieler Glass‘ (und vielleicht auch Nonas) und ihre Pläne noch eher schemenhaft.

Stil

Anders als in seinen beiden im Broken Empire angesiedelten Trilogien schreibt Mark Lawrence diesen Roman in der dritten Person. Die Nähe ist also nicht ganz so unmittelbar und auch die unverwechselbaren Charakterstimmen und der boshafte Humor, die einem aus der „Broken Empire“- oder „Red Queens War“-Reihe vertraut sind, sind nicht ganz so ausgeprägt. Dennoch lernt man Nona und die Charaktere um sie herum gut kennen. Wieder schreibt Mark Lawrence in seiner typisch poetischen Sprache und legt seinen Charakteren Worte in den Mund, die zwar nicht wirklich realistisch klingen, aber dafür zum notiert und zitiert werden einladen. Sie hören sich nicht nur gut an, sondern halten auch einer genaueren Betrachtung stand. Den gekonnten Einsatz verschiedener Zeitebenen habe ich ja schon erwähnt.

Fazit

Im Serienauftakt „Red Sister“ bleibt noch vieles rätselhaft und teilweise lässt die Spannung ein wenig nach. Aber man lernt eine spannende, sterbende Welt voller geheimnisvoller Magie kennen und macht die Bekanntschaft einer Protagonistin, die man nur zu gerne begleitet. Die markanten, differenzierten Figuren und die Sprache des Buches schreiben sich einem gleichermaßen ins Gedächtnis und wecken Vorfreude auf den nächsten Band.

 

Penguin Publishing

Group, April 2017

Imprint: Ace

ISBN: 9781101988862

21,41€ auf Kobo

(es gibt auch eine andere, etwas billigere Ausgabe)

 

Rezension zu „Prince of Thorns“ (Broken Empire, Buch 1)

Rezension zu „Prince of Fools“ (Red Queen’s War, Buch 1)

Rezension zu „The Liar’s Key“ (Red Queen’s War, Buch 2)

Rezension zu „The Wheel of Osheim“ (Red Queen’s War, Buch 3)

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4 Kommentare zu “Mark Lawrence: Red Sister (First Book of the Ancestor)”

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