Peter Carey: Wrong about Japan – Eine Tokyoreise

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Es gibt das andere, das wahre Japan. Nicht das der Tempel und Teehäuser, sondern das der Pokemons und Animes, der Schwerter und Roboter. Hinter den schrillen Mangafiguren mit überdimensionalen Wimpern entdecken Peter Carey und sein Sohn Charley die Erfinder der gezeichneten Geschichten, und vor allem, dass Japan immer anders ist, als man denkt – ein digitales Spiegelkabinett. Ihre Tokyoreise – ein Zusammenprall der Kulturen.

Handlung

Peter Careys zwölfjähriger Sohn Charley ist begeistert von japanischen Mangas und Animes. Diese Faszination überträgt sich auf das Land selbst. Sein Vater ist zunächst befremdet, aber als er sich die Bücher und Filme genauer ansieht, wächst auch sein Interesse. Er ist fasziniert von der Andersartigkeit dieser Kunstform und forscht in der japanischen Geschichte und Kultur nach ihren Wurzeln und den verborgenen Bedeutungen, die ihm als Europäer womöglich entgehen. Schließlich wird er die treibende Kraft hinter der gemeinsamen Reise nach Tokyo.

Das kurze Buch „Wrong about Japan“ erzählt von dieser Reise, während der Vater und Sohn viele verschiedene Gesichter der Stadt kennenlernen. Peter Carey hat Freunde und Mitarbeiter in Japan, die ihm Gespräche mit Manga- und Anime-Schöpfern, mit Schwertschmieden und hilfsbereiten Einheimischen vermitteln. Peter Careys sorgfältig vorbereitete Fragen und umfassende Theorien darüber, wie z.B. bestimmte Animes von der Erfahrung des zweiten Weltkriegs beeinflusst wurden oder was der Schwertschmied, dem er begegnet, bei seiner Arbeit wohl denkt, werden meist behutsam von seinen Interviewpartnern zurückgewiesen. Häufig gibt es für Entscheidungen, auf denen Peter Carey ganze Theoriegebäude errichtet hat, sehr profane Gründe.

Viel Handlung hat „Wrong about Japan“ nicht zu bieten. Dafür aber zahlreiche interessante Informationen über und Begegnungen mit einer Kultur, die sich Peter Carey und damit auch dem Leser bis zuletzt entzieht. Leser, die sich gut mit Manga, Anime und Japan im Allgemeinen auskennen, werden womöglich genervt von einigen der Erklärungen des Autors sein, der anscheinend für ein Publikum schreibt, dem all das eher fremd ist.

Das Buch ist interessant, weil es zum Nachdenken über Kultur anregt. Gerade die Tatsache, dass er sehr kurz ist und man als Leser zusammen mit dem zunehmend weniger und weniger von seinen Theorien überzeugten Peter Carey an der Oberfläche verweilt und sich dessen auch bewusst ist, sorgt dafür, dass man zu spekulieren beginnt. Wahrscheinlich wird Peter Careys Wahrnehmung von Halbwissen und einem romantisierenden westlichen Blick verzerrt, aber vielleicht nimmt er auch Aspekte einer Kultur wahr, die denjenigen entgehen, die Tag für Tag davon umgeben sind und es ist doch ein bisschen an seinen Theorien dran. Ich habe mich gefragt, welche Überraschungen ein von amerikanischer Popkultur faszinierter Japaner im umgekehrten Fall in den USA erleben und welche Dinge bemerken würde, die den Einheimischen längst nicht mehr seltsam und bemerkenswert erscheinen.

Figuren

Peter Carey ist ein aufmerksamer, selbstkritischer Ich-Erzähler. Wir lernen einen nachdenklichen, begeisterungsfähigen Mann kennen, der sich gerne von seinen Spekulationen mitreißen lässt, aber auch offen dafür ist, seine Wahrnehmung und Theorien in Frage zu stellen, und wach alles in sich aufnimmt. Gelegentlich fühlt man sich aber auch ein wenig stellvertretend verlegen, wenn er Japanern seine Überlegungen zu ihrer Kultur darlegt und wenig mehr als höfliches Befremden erntet.

Sein Sohn Charley weckt wahrscheinlich bei vielen Lesern Erinnerungen an Familienreisen in deren Kindheit. Zwar ist er begeistert von der Möglichkeit, die Schöpfer seiner Lieblingsfiguren zu treffen, aber oft langweilt er sich auch, wenn die Erwachsenen miteinander sprechen oder sein Vater ihn ins Kabuki-Theater mitschleift.

Über das Internet hat er den japanischen Jungen Takashi kennengelernt, der sich dem Vater-Sohn-Duo bei einigen ihrer Unternehmungen anschließt und den beiden oft Rätsel aufgibt.

Keiner der Charaktere durchlebt große emotionale Konflikte oder Entwicklungen und so ist man als Leser eher milde interessiert als wirklich von der spärlichen Handlung gebannt.

Stil

„Wrong about Japan“ ist in einem angenehm zu lesenden, flüssigen und einfach gehaltenen Stil geschrieben und vermittelt einen guten Eindruck einer komplexen, widersprüchlichen Kultur. Gelegentlich gibt es Info-Dumps, die man Carey aber gerne nachsieht, weil die Informationen wirklich interessant sind.

Fazit

„Wrong about Japan“ ist ein sehr kurzer Reise-Bericht Peter Careys Tokyo-Reise mit seinem Sohn Charley, bei der Carey immer wieder sein Bild des Landes korrigieren muss. Carey präsentiert verschiedene spannende Aspekte japanischer Kultur, ohne den Anspruch zu erheben, sie erklären können. Es ist kein Buch, dass man unbedingt gelesen haben muss, aber Carey ist ein sympathischer autobiographischer Erzähler, dessen Schilderung eines rätselhaften Tokyo voller Widersprüche und Überraschungen sich gleichzeitig entspannt und interessant liest.

 

Das Buch erschien auf Englisch als „Wrong about Japan“ und wurde von Eva Kemper übersetzt.

 

Fischer Taschenbuch 2007

ISBN: 978-3596168408

8,95 €

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