Steven Erikson: Gardens of the Moon (Malazan Book of the Fallen, Buch 1)

gardens-of-the-moon-1Klappentext

Bled dry by interminable warfare, infighting and bloody confrontations with Lord Anomander Rake and his Tiste Andii, the vast, sprawling Malazan empire simmers with discontent.

Even its imperial legions yearn for some respite. For Sergeant Whiskeyjack and his Bridgeburners and for Tattersail, sole surviving sorceress of the Second Legion, the aftermath of the siege of Pale should have been a time to mourn the dead. But Darujhistan, last of the Free Cities of Genabackis, still holds out – and Empress Lasseen’s ambition knows no bounds.

However, it seems the empire is not alone in this great game. Sinister forces gather as the gods themselves prepare to play their hand…

Handlung

In den letzten Jahren ist das Malazan Empire stetig gewachsen – vielleicht über den Punkt hinaus, wo es noch stabil sein kann. Das der Kaiser jäh gestorben (oder zumindest verschwunden) ist und seine Nachfolgerin, Kaiserin Laseen, diejenigen, die seinem Andenken allzu treu sind, lieber tot sähe, bedroht den Frieden im Reich noch weiter. Doch auch die „Crimson Guard“ und die „Free Cities“ leisten dem Empire erbitterten Wiederstand, unterstützt von so mächtigen Magiern wie Anomander Rake, dem Anführer der unsterblichen Tiste Andii (wie Elben, nur anders), der auf dem schwebenden Felsen „Moon’s Spawn“ lebt.

Doch die Menschen, die um die Zukunft des Empire kämpfen, sind nur Figuren in einem weitaus größeren Spiel. Hinter den Kulissen ziehen Götter die Fäden und benutzen Menschen wie den jungen Offizier Ganoes Paran, das Fischermädchen Sorry oder den Dieb Crokus für ihre Zwecke.

Das Malazan Empire ist ziemlich unsympathisch und einst loyale Soldaten wie Sergeant Whiskeyjack und seine stark dezimierte Eliteeinheit „Bridgeburners“ fühlen sich zunehmend davon entfremdet. Trotzdem übernehmen sie eine gefährliche Mission, die sie in die letzte freie Stadt Daruhjistan führt, wo sie in die Intrigen von Göttern und Menschen verwickelt werden.

Bei der Lektüre von „Gardens of the Moon“ werden dem Leser rasch zwei Dinge klar: 1. Das Buch spielt in einer hochkomplexen Welt und verweist auf eine Geschichte, die Jahrtausende umfasst und 2. Steven Erikson ist kein Fan von Erklärungen. Fantasyromane werden gerne für ihre Infodumps kritisiert, aber Eriksons weitgehender Verzicht auf Erklärungen oder Beschreibungen (z.B. führt er auch neue Fantasy-Spezies wie die Jaghut ein, aber gibt so gut wie keine Anhaltspunkte, wie diese aussehen, ganz zu schweigen von größeren Fragen, die aufgeworfen werden und unbeantwortet bleiben) fordert dem Leser wirklich sehr viel Geduld und Mitdenken ab, was je nach persönlichem Geschmack eine Stärke oder Schwäche sein kann.

Vielleicht, weil neben all den neuen Fakten, Figuren und Handlungssträngen, die eingeführt werden, kein Platz mehr für mehr für Vorausdeutungen bleibt, kommen einige Ereignisse ein wenig aus dem Nichts. Auch werden einige Zusammenhänge oder Gründe nicht wirklich deutlich. Aber die faszinierende Komplexität der Welt, deren spannende Bewohner und die bildgewaltig geschilderten Konfrontationen gleichen das mehr als aus und man hat ganz klar das Gefühl, dass die Ereignisse und Figuren alle sinnvoll mit einander verbunden sind und dass einem nur noch die Informationen fehlen, um alles einzuordnen.

Figuren

„Gardens of the Moon“ stellt einem binnen kürzester Zeit ein großes, abwechslungsreiches Ensemble von Figuren vor. Naive Jugendliche (Crokus) sind ebenso vertreten wie desillusionierte Soldaten (Whiskeyjack) oder Gestalten wie Kruppe, hinter dessen manierierter Fassade sich ein scharfer Verstand und nicht zu unterschätzende Fähigkeiten verbergen. Einige der Figuren sind jahrtausendealt wie der melancholische, untote Krieger Onos T’Oolan oder Anomander Rake. Rake ist so eine Figur, der man staunend, aber mit einer gewissen Distanz zusieht, während andere Figuren deutlich mehr zur Identifikation einladen, gerade, weil man sie zerrissen und zweifelnd erlebt. Leider bekommt man hier und da etwas zu wenig einigen Figuren mit, um ihre Beweggründe wirklich zu verstehen.

Viele der Figuren stehen auf der Seite des Empire, in dessen Namen sie sabotieren und töten, oder gehen so fragwürdigen Aktivitäten nach wie der Attentäter Rallick Nom. Es gibt wenige Figuren, bei denen man ohne Zweifel sagen kann, dass sie auf der richtigen Seite stehen und einen gerechten Kampf führen. Aber das ist sogar eine Stärke des Buches, weil es oft darum geht, wie die Charaktere versuchen, mit ihrer Situation umzugehen, ihr Verhalten vor sich selbst rechtfertigen und immer wieder zweifeln.

Die überwältigende Sinnlosigkeit der Feldzüge und internen Streitigkeiten des Malazan Empire, das rücksichtslose Spiel der Götter und die von Gewalt geprägte Geschichte der gesamten Welt (immer wieder fallen Andeutungen übervernichtende Kriege in der Vergangenheit) sind ein düsterer Hintergrund, aber die Beziehungen zwischen den Figuren bieten immer wieder Lichtblicke. So stehen z.B. die Bridgeburners unverbrüchlich zusammen. Freundschaft, Liebe, Loyalität und das Bemühen, das Richtige zu tun, existieren Seite an Seite mit dem Zynismus der Götter und Menschen, die andere für ihre Zwecke manipulieren und opfern.

Stil

Steven Erikson schreibt in einem von flüssigen, jedoch von zahlreichen Fremdwörtern gespickten Englisch, das für weniger mit der Sprache vertraute Leser zur Herausforderung werden könnte. Wie schon erwähnt ist er eher sparsam mit seinen Beschreibungen und überlässt es der Fantasie seiner Leser, die Lücken zu füllen. Der Erzähler springt häufig zwischen den Schauplätzen und den Köpfen der Figuren hin und her. Das so viele Figuren Point-of-View-Charaktere sind, erlaubt es, nicht nur zahlreichen, auf einander zulaufenden Handlungssträngen zu folgen, sondern auch, das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und Mitleid mit Figuren aufzubringen, deren Ziele und Handlungen zutiefst fragwürdig sind.

Fazit

„Gardens of the Moon“ ist der Auftakt zu einer zehnbändigen Fantasy-Reihe und führt eine originelle Welt ein. Ein großes Ensemble zutiefst verschiedener, interessanter Figuren und epische Szenen machen das Buch zu einem faszinierenden Leseerlebnis, auch wenn man als Leser gerne mehr über die Regeln, nach denen das Magiesystem funktioniert, oder die Welt im Allgemeinen erfahren hätte und mit dem Gefühl zurückbleibt, dass es über viele Figuren noch viel mehr zu sagen gäbe.

 

„Gardens of the Moon“ ist auf Deutsch als „Das Spiel der Götter – Die Gärten des Mondes“ in einer Übersetzung von Tim Straetmann bei Blanvalet erschienen.

 

Transworld, Juli 2009

Imprint: Transworld Digital

ISBN: 9781409083108

5,99 € bei Kobo

 

Rezension zu „Memories of Ice“ (Bd. 3)

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6 Kommentare zu “Steven Erikson: Gardens of the Moon (Malazan Book of the Fallen, Buch 1)”

    1. Doch, der heißt tatsächlich so^^. Es gibt so einige Namen, die ein bisschen irritieren. „Sorry“, „Tattersail“, „Hairlock“… gerade Magier haben teilweise ziemlich komische Namen. In der deutschen Übersetzung haben sie aber sehr viele geändert. Wenn du bei Amazon in die Leseprobe schaust, findest du da auch ein Personenverzeichnis und kannst schauen, ob die Namen dir da mehr zusagen. Wenn ich mich nicht irre, heißt Whiskeyjack da „Elster“ – aus welchem Grund auch immer. Alles in allem scheint die Übersetzung aber ganz gut zu sein.

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      1. Diese Reihe von Steven Erikson gehört zu meinen absoluten Favoriten im Bereich Fantasy. Zum Namen: „Whiskeyjack“ ist der englische Name des Vogels „Meisenhäher“, der zur Familie der Rabenvögel gehört, ebenso wie auch die „Elster“. Daher kommt wohl dieser Name.

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      2. Danke, das war mir bisher nicht bewusst. Aber ich bin bisher auch sehr überzeugt von der Reihe. Ich bin leider gerade erst bei Buch 3 (Ich habe 1 als Hörbuch gehört, 2 & 3 gelesen und hatte dann eine lange Pause. Jetzt lese ich gerade die ersten drei Teile nach und nach noch mal, damit ich dann mit aufgefrischter Erinnerung „House of Chains“ lesen kann). Eriksons Mischung aus welterschütternden Ereignissen und bewegenden persönlichen Schicksalen ist genial und ich möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

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      3. Ich habe bis jetzt die Bücher nur auf deutsch gelesen und bin jetzt bei dem im Frühjahr veröffentlichten Band. Ich bin auch sehr beeindruckt von der Welt und den ganzen Völkern und den damit zusammenhängenden Geschichten. Leider ist sind so durchdachte Fantasy-Bücher ja eher selten.

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