„Autorin und…“ #2.1: Interview mit Sabina S. Schneider

Sabina S SchneiderIn meiner neuen „Autor(in) und …“- Beitragsserie könnt ihr in Interviews und Gastbeiträgen Autoren kennenlernen, die neben ihrem Schreiben noch in einer anderen Kunstform unterwegs sind. Es geht mit Sabina S. Schneider weiter, die nicht nur eine ebenso produktive wie vielseitige Autorin ist, sondern auch ihre eigenen Cover entwirft.

Cygnus: Hallo Sabina, kannst du dich und deine Bücher kurz vorstellen?

Sabina S. Schneider: Hallo Swantje! Danke, dass ich mich hier vorstellen darf. Kurz wird bei 26 Büchern etwas schwer, aber ich gebe mir Mühe 😉 Was gibt es zu mir zu sagen? Im Sommer 2013 habe ich Mut gefasst und mein erstes Buch nicht nur geschrieben, sondern auch selbst publiziert. In den vier Jahren sind 26 Bücher entstanden und in der Pipeline warten zwei weitere. Ich schreibe, weil ich anders nicht kann. Für mich ist es wichtig, einen Traum zu haben, der mich leitet. Am meisten freue ich mich bei einem Projekt immer darauf, das Cover zu designen und mit jedem Mal, werde ich ein bisschen besser. Ich schreibe in den verschiedenen Fantasy-Genres und fühle mich dort auch als Leser am wohlsten.

UmbraKurz zusammenfassen kann man meine Bücher in drei kleinen Worten, die mir Leser in Rezensionen geschenkt haben. Sie sind sehr passend und ich verwende sie immer wieder gerne, um Leser zu locken und zu warnen: skurril, grausam & verrückt. So sind meine Geschichten.

Cygnus: 26 Bücher sind ziemlich beeindruckend! Wie beginnt dein Schreibprozess? Geht es mit einer Idee los, die dich nicht mehr loslässt? Figuren, deren Geschichte du unbedingt erzählen willst? Oder kommt der Plot zuerst? Planst du deine Geschichten weit im Voraus oder entdeckst du sie beim Schreiben?

Sabina S. Schneider: So viele Fragen auf einmal. Ein Schritt nach dem anderen. So schreibe ich auch. Doch bevor ich den ersten Schritt wage, muss ich natürlich die Richtung kennen, vom Ziel spreche ich erst einmal nicht. Hinter jeder Geschichte, verbirgt sich ein Gedanke, eine Frage, die mich nicht loslässt. Ich versuche, es in wenige Worte zu packen, um euch nicht zu langweilen.

‚Von den Göttern verlassen‘ ist aus den Fragen: „Wie ist es, nicht fühlen zu müssen? Wie ist es nicht fühlen zu können?“, entstanden.

AfterworldBei ‚Die Vergessenen‘ gehe ich auf die Suche nach den verschwundenen Göttern, die wir heute Mythen und Legenden nennen, und ihren Ursprung.

‚DNA‘ liegt mir besonders am Herzen, daher verzeiht mir, wenn ich hier etwas mehr schreiben. (Ups, schon geschehen). Im ersten Band wollte ich eine Figur schaffen, die nicht an der Realität zerbricht, die an ihrer Fantasie-Welt festhält. Im zweiten Band wollte ich so richtig die Sau rauslassen und einen geborenen Anti-Hero erschaffen. Und, was soll ich sagen? Ich liebe P.K.! Und im dritten Band habe ich versucht Luzifer zum Guten zu verführen. Nun, vielleicht könnt ihr ja jetzt bereits das Wort „verrückt“ nachvollziehen. 😉

‚Aeternitas‘ ist aus der Frage entstanden, wie eine Welt aussehen würde, in der nicht der Mensch die dominierende Spezies ist. Hier muss man natürlich in der Vergangenheit ansetzen.

Die Idee von „Gelöscht“ ist mir auf dem Nachhauseweg gekommen. Ich habe darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn man alles vergessen würde.

Und ‚Utopia‘ ist aus der surrealen Idee von Zufriedenheit als Dauerzustand geboren.

Im Idealfall fließt die Geschichte aus mir heraus und ich werde im Verlauf zum Knecht meiner Figuren. Wenn es stockt, dann setze ich mich vor ein weißes Blattpapier und schreibe auf, welche Charaktere es gibt, wie sie zu einander stehen und wo sie hingehen könnten. Der Rest kristallisiert sich schnell heraus. Ich liebe und fürchte den Anfang einer Geschichte, wenn alle möglichen Wendungen sich mir eröffnen und ich Stück für Stück mich entscheiden muss, wohin es geht und natürlich warum. Meist bin ich selbst von den Wendungen überrascht und komme manchmal an einem Ende an, das ich nicht erwartet habe.

UtopiaCygnus: Ja, was war tatsächlich viel auf einmal. Aber diesen Fragenansturm gut bewältigt – und einen Einblick in einen Arbeitsprozess gegeben, der bei dir allerdings nicht nicht mit dem Schreiben und Überarbeiten des Manuskripts aufhört. Du meintest in einem Interview, dass du die Kontrolle genießt, die du als Selfpublisherin über alle Aspekte des Veröffentlichungsprozesses hast – unter anderem darüber, wie die Bücher am Ende aussehen. Und ich bin wirklich beeindruckt von den Covern und der Innengestaltung einiger deiner Bücher. Hast du dich von Anfang an bewusst gegen einen Verlag entschieden, um diese Kontrolle nicht aus der Hand zu geben? Und wo hast du gelernt, solche Cover zu entwerfen?

Sabina S. Schneider: Ganz am Anfang habe ich brav mein Exposé geschrieben und an Verlage geschickt. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch nichts vom Selfpublishing gewusst. Dann kam das Warten und ich habe bemerkt, dass ich nun … damals keine Geduld hatte. Ich wollte schreiben und veröffentlich und schreiben und veröffentlichen. Nach und nach habe ich mich eingelesen, ausprobiert und fand es klasse. In einer Zeit der Besessenheit ist das Selfpublishing ein Geschenk. Also habe ich nach wenigen Monaten ohne Rückmeldung mit klopfendem Herzen selbst veröffentlicht (ein halbes Jahr später kam eine Anfrage nach dem Manuskript, da hatte ich jedoch schon selbst die Fäden in der Hand).

Das Schöne am Selfpublishing ist, ich bin vollkommen frei in der Gestaltung des Textes, des Covers, des Erscheinungstermins und der Form. Ich kann Aktionen machen wann und wie ich will. Es ist viel Arbeit. Aber ich habe dabei sehr viel gelernt (ja, vor allem durch Fehler). Doch ich stehe noch ganz am Anfang und habe noch einen weiten Weg vor mir. In letzter Zeit bin ich etwas entspannter geworden. Die Besessenheit hat mich nicht mehr ganz so sehr im Griff. Mit meinem momentanen Projekt überlege ich, es bei einem Verlag zu versuchen (ich habe auch schon den ein oder anderen im Blick und kaue Fingernägel allein bei dem Gedanken an die Warterei XD). Ich hoffe, dass ich den Mut und die Geduld aufbringen kann. Es wäre ein weiterer Schritt auf einem Wege, für den ich mich immer wieder aufs Neue entscheide.

Zerelf

Ich muss gestehen, dass ich weder das Schreiben, das Zeichnen noch das Designen gelernt habe. Alles was ihr seht, ob in Schrift oder Bild, ist durch ausprobieren, ausprobieren und nochmal ausprobieren entstanden. Ich bin in vielen Bereichen Autodidakt. Ich habe mir das Fahrradfahren sowie das Schwimmen selbst beigebracht. Beim Zeichnen und Schreiben ist das nicht anders. Im Sport ist es ähnlich. Wenn ich etwas mache, ohne darüber nachzudenken, sind die Ergebnisse okay. Wenn aber jemand mir versucht, Techniken beizubringen, zum Beispiel beim Bowlen oder Weitspringen, klappt überhaupt nichts mehr, weil sich meine Gedanken ineinander verheddern. Ich zeichne und schreibe gerne einfach drauf los, weil ich mich in dem Prozess verlieren kann und aufhöre zu denken.

Cygnus: Auf deinen Covern sind oft Menschen abgebildet. Handelt es sich um exakte Abbildungen des Bildes, das du von deinen Figuren hast, oder ist es dir wichtiger, eine bestimmte Stimmung zu vermitteln?

Sabina S. Schneider: Hmm … schwierige Frage. Mir persönlich sind Augen- und Haarfarben nicht so wichtig. Weder im Leben noch in Büchern. Weder als Leser noch als Autor. Ich beschreibe die Charaktere lieber von innen. ABER ich würde nie ein unpassendes Bild nehmen, das meiner inneren Vorstellung widerspricht. Ich glaube für mich ist der Gesichtsausdruck wichtig. Augenfarbe und Haarfarbe kann man ja ohne Probleme mit einem Graphikprogramm anpassen. ‚Umbra‘ hat einfach gestimmt. So habe ich mir die Königin vorgestellt. Dunkel, verspielt und traurig. ‚Utopia 03 – Kämpfer‘ spiegelt ebenfalls Karina wider. Ihre Arroganz und ihren Mut. Der Blick ist einmalig. Bei ‚Zerelf‘ ist Serena im Schatten, das macht es leichter. Aber die Stimmung, die Verletzlichkeit in der Körperhaltung, hat es einfach getroffen. Haare habe ich dann graphisch verändert. Und bei ‚Seraflyn‘ haben die Stimmung und das Aussehen perfekt zu Hellina gepasst. Unschuldig und verführerisch. So habe ich sie mir vorgestellt.

Seraflyn

Cygnus: Auf deiner Website findet sich auch ein Reisebericht über eine Japan-Reise. Werden die Orte und mythologischen Kreaturen, die du darin vorstellst, demnächst einen Weg in eines deiner Bücher finden? Oder haben sie das schon?

Yokai-BuchSabina S. Schneider: Ich habe ja Japanologie studiert und zwei Jahre in Japan gelebt. Yokai – kleine Dämonen und Geister – sind dort überall zu finden und es gibt unzählige. Ich habe angefangen, Kurzgeschichten mit den verschiedenen yokai zu schreiben und eine Enzyklopädie geplant. Doch der Umfang ist gigantisch, das ist eine Lebensaufgabe. Die ersten sind erschienen, da ich aber nicht dazu komme, sie weiter zu schreiben, habe ich sie fürs erste rausgekommen. ABER in ‚Die Vergessenen‘ spielen yokai auch eine große Rolle. Mukki, der tanuki, und Shiro, der kitsune sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Cygnus: Ich kann mir vorstellen, dass das eine spannende und inspirierende Erfahrung war. Um noch einmal auf deine allererste Antwort zurückzukommmen: Du meintest, dass du auch als Leserin am liebsten in den verschiedenen Fantasy-Genres unterwegs bist. Gibt es ein Buch, das dich in letzter Zeit besonders beeindruckt, zum Nachdenken angeregt oder einfach nur richtig gut unterhalten hat und das du unbedingt weiterempfehlen möchtest?

Yokai 1
Yokai

Sabina S. Schneider: ‚Die Geschichte der Bienen‘, wenn es auch nur wenig Fantasy-Elemente hat, ist es doch Futter für Herz und Verstand. Ansonsten finde ich ‚A Nameless Witch‘ und ‚In the Company of Ogres‘ von A. Lee Martinez großartig. Ich bin über die Bücher bei der Recherche zu meiner neuen Geschichte  gestolpert und bin hängen geblieben. Wer gerne lacht, sollte unbedingt mal reinlesen. Oder ‚Das Regenbogenschwert‘ von Simon R. Green … selten so viel Spaß beim Lesen gehabt. Da gibt es noch so viele andere… der dritte Band der ‚Bartimaeus‘ Reihe war auch sehr gut. Und wer ‚Das letzte Einhorn‘ noch nicht gelesen hat, sollte das unbedingt tun. … Okay, okay … Ich höre ja schon  auf 😁

Cygnus: So etwas Ähnliches passiert auch, wenn man mich um Buchempfehlungen bittet. 😁 „In the Company of Ogres“ und „Bartimaeus“ haben mir auch gut gefallen. Eine letzte Frage: Wo und in welchen Formaten können Leser, deren Interesse durch dieses Interview geweckt wurde, deine Bücher finden?

Sabina S. Schneider: Auf meiner Homepage findet ihr unter dem Menüpunkt ‚Werke‘ alle bisher erschienen Bücher mit Link. EBooks gibt es auf allen gängigen Plattformen. Schaut mal auf einer eurer Wahl vorbei und gebt meinen Namen ein! Ein paar Bücher gibt es noch kostenlos. Zum Beispiel ‚Aeternitas 01‘, ‚DNA 01‘ oder ‚Gelöscht 01‘. Taschenbücher könnt ihr bei Amazon bestellen oder signiert bei mir, gegen einen kleinen Aufschlag von 1,65€ fürs Porto. Schreibt mich einfach über Facebook. Ihr könnt mir auch über Instagram folgen 😉

Cygnus: Danke für das Interview!

 

„Autorin und…“ #1: Interview mit Erin Lenaris

„Autorin und…“ #2.2: Sabina Schneiders großes Cover-Making-Of

„Autorin und…“ #3: Interview mit Ann-Kathrin Karschnick

„Autorin und…“ #4: Interview mit Jennifer Jäger

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4 Kommentare zu “„Autorin und…“ #2.1: Interview mit Sabina S. Schneider”

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