Cliffhanger am Buchende

die-feenjagerinWomit animiert man seine Leser am besten dazu, den nächsten Band zu kaufen? Natürlich ist es eine gute Idee, so gut zu schreiben, dass die Leser gar nicht genug von Figuren, Stil und Welt bekommen können. Aber ein ebenso simpler wie effektiver Trick ist es auch, mitten im Finale abzubrechen, so dass nur Leser des Folgebandes erfahren, wie es eigentlich ausgeht. Aber gibt es nicht elegantere Lösungen? Das hier sind meine Überlegungen zu diesem Thema:

Ich würde „Die Feenjägerin“ von Elizabeth May nicht zu meinen Lieblingsbüchern zählen, aber ich habe mich gut davon unterhalten gefühlt. Allerdings hat das Ende des Romans bei mir einen komischen Nachgeschmack hinterlassen, bricht die Geschichte doch mehr oder weniger während des Finales ab. Das Gleiche gilt auch für das Ende von „The Daylight War“ von Peter V. Brett. Diese Enden waren zwar weit davon entfernt, die Bücher für mich zu ruinieren, aber hätten meiner Meinung nach – auch in Anbetracht dessen, wie es in den jeweiligen Folgebänden weitergeht – von mehr Geschlossenheit profitiert. Insbesondere, weil die beiden Autoren nicht auf diese Cliffhanger angewiesen wären, um ihre Leser zum Kauf des nächsten Buches zu animieren.

the-daylight-war-book-three-of-the-demon-cycleVielleicht geht es nur mir so, aber ich empfinde es als etwas unbeholfen, wenn Autoren ihre Bücher mit einem Cliffhanger enden lassen. Cliffhanger an Kapitelenden sind in Ordnung, sofern die Auflösung im nächsten Kapitel nicht enttäuscht. Selbst Cliffhanger an Kapitelenden erscheinen mir wie ein legitimer, aber sehr durchschaubarer Trick, auf den wirklich gute Autoren jedoch nicht angewiesen sein sollten. Es ist einfach noch ein bisschen besser, wenn das Kapitel nicht mitten im Geschehen abbricht, sondern die wichtigen Ereignisse einen Abschluss finden und mich nicht die Neugier darauf, was passiert, weiterlesen lässt, sondern vielmehr das Interesse an den Konsequenzen, die sich daraus ergeben.

Wenn die Bindung an die Charaktere stark genug, die zugrundeliegenden Ideen und Konflikte interessant und die Sprache schön ist, will ich auch dann mehr von einem Buch lesen, wenn ich weiß, was hinter der Tür gelauert hat oder ob die Hauptfigur überlebt (gerade am Buchende ist das außerdem keine echte Frage, weil die Existenz einer Fortsetzung in den meisten Fällen impliziert, dass das der Fall ist). Das gilt umso mehr für das Ende von Romanen. Wann immer Autoren mitten in einer Szene abbrechen, damit ich möglichst gespannt darauf bin, wie sie endet, vermittelt mir das das Gefühl, dass sie sich nicht zutrauen, mein Interesse auf andere Weise wachzuhalten, selbst wenn das Buch vorher das Gegenteil beweist.

Ich bin bei Cliffhangern am Buchende bei Formaten, die aus sehr kurzen, in geringen Abständen erscheinenden Bänden (häufig handelt es sich hierbei um selbstveröffentlichte e-Book-Serien) weniger kritisch, da sich diese meinem subjektiven Empfinden nach irgendwo zwischen Buch und Kapitel ansiedeln. Allerdings sollte auch hier nicht jeder einzelne Band mit einem Cliffhanger enden.

empire-of-storms-1Das Einführen eines neuen großen Konflikts am Ende eines Bandes ist dagegen etwas anderes. Das jüngste Beispiel, was mir dafür einfällt, wäre „Empire of Storms“. Der Konflikt, auf den die ganze Handlung zuläuft, erreicht seinen Höhepunkt und wird ausgefochten, aber eine neue Wendung gibt der Handlung eine neue Richtung und lässt den Leser in qualvoller Ungewissheit zurück. Ich empfinde dies nicht als einen unbefriedigenden Cliffhanger, weil es eben nicht eine Verweigerung der Auflösung des Hauptkonfliktes des Buches ist, sondern den Beginn von etwas Neuem darstellt.

Natürlich sage ich nicht, dass am Ende jedes Buches alle losen Enden fein säuberlich verknüpft und alle Konflikte befriedigend gelöst werden sollten. Bei Serien – insbesondere bei komplexen Fantasyserien, deren mehrsträngige Handlung sich nicht mehr in einfache Strukturen pressen lässt – ist dies weder möglich noch wünschenswert.

Wie schon gesagt: Meine Mäkeleien in diesem Post sind Kritik auf hohem Niveau und ein Cliffhanger am Buchende absolut kein K.O.-Kriterium für mich. Trotzdem möchte ich lieber nach der Fortsetzung greifen, weil ich mehr Zeit mit den Charakteren und dem angenehmen Schreibstil verbringen will und weil mich die Konsequenzen interessieren, die das Finale aufgeworfen hat. Nicht, weil sich das Buch unangenehm unvollständig anfühlt, bis ich den nächsten Band gelesen habe (der dann womöglich auch in einem Cliffhanger endet – ja, ich schaue dich an, Elizabeth May).

Wie sehr ihr das? Sind Cliffhanger am Ende clever? Nervig? Vielleicht sogar gut, weil sie die Fantasie des Lesers besonders anregen? Ich würde mich über Kommentare freuen.

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