Brandon Sanderson: The Bands of Mourning (Mistborn, Buch 6)

the-bands-of-mourning-1Klappentext

The Bands of Mourning are the mythical metal minds owned by the Lord Ruler, said to grant anyone who wears them the powers that the Lord Ruler had at his command. Hardly anyone thinks they really exist. A kandra researcher has returned to Elendel with images that seem to depict the Bands, as well as writings in a language that no one can read. Waxillium Ladrian is recruited to travel south to the city of New Seran to investigate. Along the way he discovers hints that point to the true goals of his uncle Edwarn and the shadowy organization known as The Set.

Handlung

Waxillium hatte eigentlich mit dem Gott Harmony und seinen gestaltwandelnden Boten, den Kandra, abgeschlossen. Doch dann taucht ein Kandra auf und bittet ihn, einem der Ihren zu helfen, seinen Verstand und seine Erinnerungen zurückzubekommen. Denn in diesen könnte sich der Ort verbergen, wo die legendenumwobenen „Bands of Mourning“ – magische Armreifen, die unvergleichliche allomantische und ferromantische Kräfte verleihen – zu finden sind. Wax erfährt, dass sein verhasster Onkel ebenfalls auf der Jagd danach ist und dass auch seine Schwester Telsin gesehen wurde. Um zu verhindern, dass seinem Feind eine mächtige Waffe in die Hände fällt und um seine letzte lebende Verwandte zu retten, reist er nach Neu Seran. Er wird von seinem Sidekick Wayne, der Kandra MeLaan und der Ermittlerin Marasi begleitet. Unerwartet mit von der Partie: Marasis Halbschwester Steris, mit der Wax sich auf eine arrangierte Ehe eingelassen hat.

Für Wax sind die Städte außerhalb Elendels beinahe genauso neu wie für den Leser und er muss feststellen, dass die Spannungen zwischen der Hauptstadt und Neu Seran seine Ermittlungen noch gefährlicher machen. Nicht, dass er einen solchen Hinweis bräuchte. Denn er und seine Gefährten überleben die Zugreise an ihr Ziel nur knapp.

Doch „The Bands of Mourning“ eröffnet auch den Blick auf eine noch weitere Welt: Wax und seine Freunde erfahren unerwartet Neues über die Menschen im tiefen Süden und lernen Objekte kennen, in denen Allomantie und Technologie eine faszinierende Verbindung eingehen.

Wax fürchtet sich davor, auf der Suche nach Verrätern durch die feine Gesellschaft Neu Serans navigieren zu müssen und wünscht sich beinahe, einfach wieder auf Dinge schießen zu können – und sein Wunsch wird erfüllt. „The Bands of Mourning“ legt einen noch stärkeren Fokus auf Action als seine Vorgänger (was ein wenig auf Kosten der Charakterentwicklung geht, auch wenn die Figuren nach wie vor ihre Momente der Reflektion haben und zumindest eine Beziehung sich auf überraschende, aber sehr befriedigende Weise entwickelt).

Schließlich kommt es zu einem dramatischen Wettlauf zu dem Ort, wo Wax‘ Team, aber auch die Verschwörer die „Bands of Mourning“ zu finden glauben. Und es stellt sich heraus, dass „die Protagonisten das wahre Ausmaß der Verschwörung weit unterschätzt haben.

Figuren

Bereits in „Shadows of Self“ hatte Sanderson begonnen, Steris von einer klischeehaften, überzeichneten Figur in einen runderen, realistischeren Charakter zu verwandeln. In „The Bands of Mourning“ behält sie ihr neurotisches Verhalten bei, aber erweist sich auch als selbstironisch, unterhaltsam und überraschend abenteuerlustig und wertvoll für die Gruppe. Allmählich lernt Wax, die Frau, die er wider Willen geheiratet hat, als einen Menschen zu sehen, den er respektieren und mögen kann.

Marasi hat eine deutlich kleinere Rolle als noch in den Bänden davor, aber erscheint reifer, weiß besser, wer sie ist und was sie will. Wayne dagegen wird leider sehr auf die Rolle des Comic Relief reduziert und erscheint häufig flach und nervtötend. Wax – intelligent, tatkräftig und besessen davon, diesen zutiefst persönlichen Fall aufzuklären – ist nach wie vor ein Protagonist, dem man gerne zusieht, aber er hat etwas an Identifikationspotenzial verloren und ist nun vor allem ein wagemutiger, deutlich weniger reflektierter Actionheld.

MeLaan dagegen fällt in eine ähnliche Rolle wie Wayne: Die Kandra wirkt einerseits mit ihrer schnoddrigen Art und permanenten guten Laune überraschend menschlich, aber weniger tief und konfliktreich als andere Figuren. Gleichzeitig gibt es aber immer wieder Szenen und Dialoge die enthüllen, wie verschieden Menschen und Kandra sind (z.B. wenn MeLaan sich darüber beschwert, wie die Leichen schmecken, die sie verdauen muss, um menschliche Gestalt anzunehmen oder nichts dabei findet, ihr Gesicht und ihren Körper ihren Bedürfnissen entsprechend umzumodeln). Ihre Kandra-Fähigkeiten sind wichtig für den Plot, werden häufig aber auch eingesetzt, um absurde Dialogsituationen heraufzubeschwören.

Stil

In „The Bands of Mourning“ gibt es einerseits den bereits erwähnten Fokus auf Action, aber ebenso Humor in den Vordergrund. Es herrscht ein ständiges Hin und Her aus dramatischen Verfolgungsjagden und humorvollem Hickhack zwischen den Charakteren. Während einige Dialoge wirklich gelungen sind und mich beim Lesen tatsächlich zum Lachen gebracht haben, wirken andere ein wenig gezwungen und unnötig und gelegentlich bleiben die Figuren im Angesicht der Gefahr so cool, dass man als Leser zwar oberflächlich Spaß daran hat, ihnen zuzusehen, aber nicht wirklich intensiv mit ihnen fühlt oder um sie fürchtet. Ein weiteres Problem ist, dass alle Figuren mit (dazu auch noch sehr ähnlichen) Witzen auf gefährliche Situationen reagieren, wodurch sie ein wenig an Profil und individuellen Stimmen verlieren. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass das Kritik auf einem ziemlich hohen Niveau ist. Dank des rasanten Tempos und flüssigen Stils fliegt man nur so durch das Buch.

Fazit

In „The Bands of Mourning“ tritt die Konfrontation mit dem wichtigsten Antagonisten aus Bd. 1 wieder in den Vordergrund. Die Protagonisten werden in eine Serie dramatischer Kämpfe und Verfolgungsjagden verwickelt. Sie erleben auch, wie die ihnen bekannte Welt sich jäh ausweitet. Steris und ihre Beziehung zu Wax durchlaufen eine sehr befriedigende Entwicklung, aber ansonsten setzt das Buch mehr auf Action und Humor als darauf, seine Charaktere zu erkunden, und ist deshalb etwas schwächer als die beiden Vorgängerbände. Nichtsdestotrotz handelt es sich um eine spannende Geschichte in einer originellen, facettenreichen Fantasywelt.

 

„The Bands of Mourning“ erscheint voraussichtlich im Oktober 2017 als „Bänder der Trauer“ übersetzt von Karen Gerwig bei Piper.

 

Orion, Januar 2016

Imprint: Gollancz

ISBN: 9781473208285

6,99 € bei Kobo

Rezension zu „The Alloy of Law“ (Mistborn, Buch 4)

Rezension zu „Shadows of Self“ (Mistborn, Buch 5)

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2 Kommentare zu “Brandon Sanderson: The Bands of Mourning (Mistborn, Buch 6)”

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