Virginia Woolf: Mrs Dalloway

Mrs.+DallowayKlappentext

Written in author Virginia Woolf’s trademark stream-of-consciousness style, Mrs. Dalloway intricately and vividly explores a day in the life of Clarissa Dalloway-a woman of high-society London in the midst of preparations for a party. Moving through time, and from one character’s innermost thoughts to those of another, Woolf’s fourth novel is a moving portrait of privileged life inter-war England.

Handlung

Es ist schwer zu sagen, wovon „Mrs. Dalloway“ eigentlich handelt, da streng genommen wenig passiert. Der Roman deckt einen Tag im Leben verschiedener Figuren ab und beginnt und endet mit Mrs. Dalloway, der Frau eines englischen Politikers, die eine Party vorbereitet und abhält.

Ihre Erlebnisse und Begegnungen im Laufe des Tages werden für sie zum Anlass, über ihre Vergangenheit, ihr gegenwärtiges Leben, aber auch das menschliche Leben im Allgemeinen zu reflektieren. Einige der Menschen, an die sie sich lebhaft erinnert, tauchen unerwartet auf: Sowohl Peter Walsh, der Mann, den sie beinahe geheiratet hätte, als auch ihre abenteuerlustige Freundin Sally, zu der sie sich auch sexuell hingezogen gefühlt hat, statten ihr unangemeldet Besuche ab. Nun sind alle drei Mitte fünfzig und denken über die Veränderungen nach, die sie mit der Zeit durchlaufen haben.

Doch die Wege der Figuren kreuzen sich mit vielen anderen. Wir lernen unter anderem Clarissas Tochter und deren Lehrerin, aber auch den ehemaligen Soldaten Septimus Smith und dessen Frau Lucrezia kennen. Septimus ist von seinen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg traumatisiert und Lucrezia, die ihm aus Italien gefolgt ist, fühlt sich unfähig ihn zu erreichen. Ein Arzt, der Septimus versichert, dass er kein Problem oder zumindest kein Recht auf ein Problem habe, macht die Situation nur schlimmer.

Der Leser lernt all diese verschiedenen Figuren kennen und folgt ihren sich hier und da kreuzenden (und in einem Fall jäh abgeschnittenen) Handlungsfäden bis zu dem recht offenen Ende des Romans.

Es gibt sehr wenig äußere Handlung und das Interesse des Lesers gilt weniger der Frage, was als nächstes geschehen wird, da die meisten Ereignisse und Handlungen der Figuren ziemlich alltäglich sind, sondern vielmehr dem Eintauchen in den Bewusstseinsstrom der Figuren und der Frage, wie ein Charakter oder eine Situation sich aus der Perspektive einer anderen Figur präsentiert.

„Mrs. Dalloway“ bietet auch einen interessanten Einblick in das Leben in England zwischen den Weltkriegen.

Figuren

Die meisten Figuren präsentieren sich auf den ersten Blick eher gewöhnlich. Gerade die Titelheldin, Mrs. Dalloway, wäre in den meisten anderen Büchern mit ihrem sehr konventionellen Verhalten wahrscheinlich nur eine Kontrastfolie für die rebellische oder exzentrische Hauptfigur. Hier ist sie jedoch eine der zentralen Figuren und gewinnt durch die große Nähe, die der Erzählstil zwischen Leser und Figur erzeugt, an Interesse und Identifikationspotenzial. Man lernt viel über ihre Vorlieben und Abneigungen, ihre Wahrnehmung, Vergangenheit und Beziehungen zu anderen Figuren. Zugleich bleibt sie aber schwer fassbar, weil man sie aus den Perspektiven so vieler Figuren erlebt und so sehr verschiedene Clarissa Dalloways kennenlernt. Das macht es schwer zu beurteilen, ob sie sympathisch ist oder nicht.

Das Gleiche gilt für die anderen Figuren. Sie sind sehr gewöhnliche Menschen, die jedoch durch die Vielfalt an Perspektiven und die detaillierten Schilderungen ihrer Gedanken und Gefühle interessanter sind, als man erwarten würde. Spannend ist auch die Idee, drei Figuren nach Jahrzehnten wieder aufeinandertreffen zu lassen.

Stil

Die mit ihren ungewöhnlichen Vergleichen und gelegentlichen Wiederholungen ein wenig lyrisch anmutende Sprache des Erzählers ist oft so nah an den Gedanken und Gefühlen der Figuren, dass es schwer ist zu sagen, wer gerade spricht. Auch sind die Wechsel zwischen den Perspektiven nicht wirklich gekennzeichnet, so dass man ein wenig Aufmerksamkeit aufbringen muss, um den Überblick zu behalten, wer gerade spricht und ob die Figur über die Vergangenheit oder die Gegenwart reflektiert. Allerdings ist dieses Erzählen auch der Grund, wieso man sich den Figuren so nahe fühlt und wieso sie alle ihre individuellen Stimmen entwickeln. Häufig wechselt die Perspektive, in dem der Erzähler eine bestimmte Wahrnehmung als Angelpunkt nimmt: Wir sehen eine Situation oder ein Objekt aus der Perspektive einer Figur, um es dann aus der einer anderen wahrzunehmen. Oder wir sind im Kopf einer Figur, um dann mitzubekommen, was jemand anderes über diese Person denkt. Die Wahrnehmungen und Gedanken der Figuren sind sehr verschieden: Clarissa Dalloway sieht die Welt mit anderen Augen als z.B. Peter Walsh oder Septimus Smith. Die Perspektiven aus der Passage von Letzterem sind besonders bemerkenswert, weil sie eindringlich seine Verwirrung und verzerrten Wahrnehmungen schildern.

Fazit

„Mrs. Dalloway“ ist ein ungewöhnliches Buch. Die Handlung ist langweilig bis nicht vorhanden, aber der außergewöhnliche Umgang Virginia Woolfs mit Sprache und Perspektive führt dazu, dass man sie wie durch ein Prisma betrachtet und plötzlich doch gefesselt ist. Die Lektüre erfordert ein bisschen Konzentration, aber es lohnt sich, diese aufzubringen und sich auf die Reise durch die Köpfe der verschiedenen Protagonisten zu begeben.

 

„Mrs. Dalloway“ ist von verschiedenen Übersetzern ins Deutsche übersetzt worden.

 

Parnell Classics, Oktober 2013

ISBN: 1230000190421

0,99 € auf Kobo

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