Brandon Sanderson: Shadows of Self (Mistborn, Buch 5)

shadowsofselfKlappentext

The criminal elite of Elendel were invited to an auction – which became a massacre, when an unknown assailant slaughtered everyone in attendance. Now Wax and Wayne, both able to use magic, both lawmen from the rough and ungoverned frontier territories, are on the case. All the clues suggest the killer is a rogue kandra – a secretive, almost mythical, figure who acts from the shadows – called Bleeder and that the governor is her next target. Bleeder, and the conspiracy behind the killings, has to be stopped before the city is plunged into chaos.

Handlung

„Shadows of Self“ beginnt mit einem Prolog, der Waxilliums Vergangenheit in den „Roughs“ beleuchtet und erzählt, wie er Lessie kennen gelernt hat. Auf den ersten Blick ist es eine rasante, humorvolle Szene, doch die Leser des ersten Bandes wissen, dass Lessies Tod noch immer nicht aufgehört hat, Waxillium heimzusuchen – und in „Shadows of Self“ wird er nicht nur immer wieder schmerzhaft mit den Erinnerungen an sie konfrontiert. Er muss sich auch fragen, ob ihr Tod nicht Teil eines größeren Plans war, den er nicht nur Gänze durchschaut.

Es geht nach dem Prolog mit einer Menge Action und dem typischen Hickhack zwischen Waxillium und Wayne weiter. Die beiden arbeiten nun offiziell mit der Polizei in Elendel zusammen. Doch gerade, als das etwas langweilig zu werden droht, wecken beunruhigende Beobachtungen der Figuren das Interesse wieder.

Auch stellen sich die Aufklärung der Morde und der Schutz des Gouverneurs zugleich als schwieriger und bedeutsamer heraus, als es zunächst den Anschein hatte, denn Waxillium, Wayne und Marasi (die mittlerweile ebenfalls für die Polizei arbeitet) ermitteln in einer Atmosphäre wachsender Spannung. Soziale und religiöse Konflikte drohen, sich in einer zerstörerischen Explosion von Gewalt zu entladen.

Die ersten Szenen lassen einen klassischen Krimi erwarten, doch diese Erwartung erweist sich als falsch, als die Lösung des Falles den Figuren quasi auf dem Silbertablett  serviert wird. Die Gottheit Harmony enthüllt Waxillium bereits früh im Buch die Identität des Mörders: Die Kandra (Gestaltwandlerin) Bleeder hat sich ihrer Fähigkeit zum Gestaltwandeln und gestohlener allomantischer Fähigkeiten bedient, um die Morde zu begehen und damit Chaos zu verbreiten. Die Frage ist also nicht länger, wer verantwortlich ist, sondern was Bleeder motiviert – und wie Waxillium, Wayne, und Marasi sie aufhalten können. Letzteres ist keine leichte Aufgabe.

Doch nicht nur die Frage, hinter wessen Gesicht sich Bleeder verbirgt, treibt die Protagonisten um. Die Kandra sucht bewusst den Kontakt zu Waxillium und konfrontiert ihn mit einigen sehr unangenehmen Fragen über seine eigene Vergangenheit und die Absichten Harmonys.

Wie so viele Sanderson Bücher zeichnet sich „Shadows of Self“ durch das liebevolle Worldbuilding aus: Große Ideen und kleine, aber wirkungsvolle Details kommen zusammen und formen das Bild einer faszinierenden, durchdachten Welt, in der man sich gerne umsieht. Ein nettes Detail sind die „Zeitungsseiten“, die zwischen einigen Kapiteln eingefügt sind und die dazu beitragen, einem ein Bild der Zeit und Kultur zu vermitteln, die den Hintergrund der Geschichte bilden.

„Shadows of Self“ zeigt wieder, dass es eine gute Idee Sandersons war, mit einer weiteren Trilogie in die Welt von „Mistborn“ zurückzukehren. In „Shadows of Self“ kann er so fortfahren, spannende Entwicklungen und die Konsequenzen seiner Worldbuilding-Entscheidungen zu erkunden, während er zugleich auf die reiche Geschichte seiner Welt verweisen und sie so noch plastischer und realer wirken lassen kann.

Figuren

Waxillium ist der gleiche Mann, den man in „The Alloy of Law“ kennengelernt hat: Willensstark, pflichtbewusst und zutiefst gezeichnet vom Verlust Lessies. Man erfährt auch ein bisschen mehr über seiner Familie, was seiner Figur noch einmal mehr Tiefe verleiht. Waxillium durchlebt in „Shadows of Self“ einige interessante Konflikte und erfährt am Ende eine Wahrheit, die ihn zu zerstören droht.

Nach wie vor steht ihm Wayne unerschütterlich zur Seite. Es wird häufiger aus seiner Sicht geschrieben als noch aus den Kapiteln zuvor, und auch er sehr oft als Waxillliums Sidekick und Quelle von Comic Relief fungiert, gibt es auch eine Szene, in der man eine andere Seite von ihm erleben kann. Seine Kapitel heben sich stilistisch sehr von denen der anderen Figuren ab und spiegeln entweder wieder, wie er sich in die Figuren hineinversetzt, als die er sich so gekonnt verkleidet, oder aber seine eigenen Gedanken. Wayne ist ein ausgezeichneter, sehr kluger Beobachter, aber scheint sich in seiner Ausdrucksweise bewusst dumm zu stellen, um andere Figuren (und ziemlich oft auch den Leser) zu nerven.

Marasi ist nach wie vor eine echte Sympathieträgerin und man kann ihr dabei zusehen, wie sie im Laufe des Buches an ihren Aufgaben wächst. Man lernt auch ihre Schwester Steris etwas besser kennen, die im ersten Teil noch einen beinahe karikaturenhaften Eindruck gemacht hat, aber nun etwas menschlicher und komplexer erscheint.

Figuren, bei denen man erwartet hätte, dass sie in diesem Buch eine größere Rolle spielen, stehen teilweise verblüffend stark im Hintergrund, aber dafür werden neue Charaktere eingeführt. Eine der markantesten Gestalten ist die junge Kandra MeLaan, die die Protagonisten auf ihrer Jagd nach Bleeder unterstützt, und deren lockere Art nicht gerade ist, was diese von einem Wesen erwartet hätten, das beinahe religiöse Verehrung genießt.

Stil

„Shadows of Self“ liest sich schnell und flüssig. Die Handlung schreitet sehr schnell voran und immer wieder sind bildgewaltige Actionszenen und humorvolle kleine Dialoge eingestreut. Wichtige Informationen über die Welt und ihre Geschichte, die entweder für das Verständnis des Geschehens nötig sind, oder aber sie einfach komplexer, größer und realer werden zu lassen, sind elegant eingeflochten, sei es während der erzählenden Passagen, sei es in Dialogen wo z.B. stimmige idiomatische Ausdrücke auf den kulturellen Hintergrund der Figuren verweisen.

Fazit

„Shadows of Self“ ist ein rasant fortschreitender Fantasyroman, in welchem Protagonisten und Welt gleichermaßen zum Leben erwachen. Er ist über weite Strecken vor allem leicht und unterhaltsam zu lesen, wirft aber auch einige interessante Fragen auf. Das Ende ist nicht schließlich nur überraschend, sondern trifft den Leser auch mit großer emotionaler Wucht.

Auf Deutsch ist der Roman als „Schatten über Elantel“ bei Piper erschienen. Übersetzerin: Karen Gerwig.

Orion, Oktober 2015

Imprint: Gollancz

ISBN: 9781473208247

6,99 € bei Kobo

Rezension zu „The Alloy of Law“ (Bd. 4)

Rezension zu „The Bands of Mourning“ (Bd. 6)

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2 Kommentare zu “Brandon Sanderson: Shadows of Self (Mistborn, Buch 5)”

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