Grit Richter (Hrsg.): Steampunk Akte Deutschland

AkteDtlKlappentext

Deutschland – Geografisches Herz Europas, Land der Dichter und Denker, Hochburg des Erfindergeistes.

In einer retro-futuristischen Welt wurden die Weichen der Geschichte neu gestellt und zwischen Dampfmaschinen und Zeppelinen entsteht ein neues Deutschland, voller biotechnischer Errungenschaften, wundersamer Automaten und High-Tech-Waffen. Doch auch die dunklen Wesen aus Sagen und Legenden sind lange keine Fantasiegestalten mehr, sondern der Realität näher, als es sich die kühnsten Literaten je hätten vorstellen können. Angetrieben von Kupfer, Dampf und Blut greifen die Zahnräder des Lebens ineinander und bewegen die Maschinerie der Geschichte.

 

Handlung

15 Autoren haben in Deutschland angesiedelte Steampunk-Geschichten beigetragen. Das Ergebnis ist eine facettenreiche Anthologie: Während einige Geschichten den Fokus auf ausgefallene Technologien legen, dank derer die Geschichte einen anderen Verlauf nimmt, stellen andere Urban-Fantasy-Elemente in den Mittelpunkt und schicken ihre Protagonisten auf die Jagd nach Vampiren, Werwölfen und Geistern.

Natürlich sind all die klassischen Themen des Steampunk vertreten und so begegnen wir besessenen Wissenschaftlern, künstlichen Menschen und ebenso ausgefallenen wie zerstörerischen Waffen ebenso wie den schon erwähnten alten Bekannten aus der Urban Fantasy, aber in vielen Geschichten gehen diese vertrauten Elemente eine Verbindung mit originellen Ideen ein. So wird eine Konservenfabrik zum Schauplatz beklemmenden Horrors, erhält ein Hobbydetektiv Unterstützung von einer „Qualmfee“ und bietet ein Troll Hilfe bei technischen Problemen an.

Spannend sind auch die Auftritte und teilweise gewagten Uminterpretationen historischer Figuren: Bismarck ist nicht der Mensch, der er zu sein vorgibt, Karl May assistiert ereignisreichen Ermittlungen, und Theodor Fontane erweist sich als Retter in letzter Sekunde, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Viele der Geschichten setzen auf Action, Humor oder beides, andere dagegen sind Horrorvisionen.

Tendenziell sind die Erzählungen sich bei aller Verschiedenheit darin ähnlich, dass sie meist tempo- und ereignisreich sind.

Das Vorwort eines fiktiven „Archivars“ dient als eine Art Rahmenhandlung: Er erklärt, die Geschichten seien alle Aufzeichnungen übernatürlicher Ereignisse, die ihren Weg in das Archiv der Organisation „Schmetterling“ gefunden hätten. Tatsächlich widersprechen die Geschichten sich nicht explizit, aber jeder scheint doch ein eigener Weltentwurf zugrunde zu liegen, so dass es ein bisschen schwierig ist, sie sich nebeneinander vorzustellen.

 

Figuren

Die Figuren sind so verschieden wie die Geschichten, in denen sie auftreten, aber wir begegnen mehrfach unerschrockenen Ermittlern, exzentrischen Tüftlern und Wissenschaftlern und Handwerkern, deren obsessive Beschäftigung mit ihren Werken zur Bedrohung für sie und ihre Umwelt wird.

Das Format der Kurzgeschichte gibt weniger Raum zur Figurenentwicklung als ein Roman, und so setzen viele Autoren eher auf nicht so komplexe, aber dafür einprägsame Figuren oder aber auf Jedermann-Helden, mit denen sich der Leser schnell identifizieren kann. Beides funktioniert in vielen Fällen gut, aber hier und da sind einige Figuren auch etwas überzeichnet geraten.

 

Stil

Die meisten Geschichten sind in der dritten Person geschrieben, aber es gibt auch einige Erzählungen in der ersten Person. Eine Geschichte, die in Form und Setting ein wenig aus dem Rahmen fällt, ist in Form eines Stasi-Abhörprotokolls geschrieben (das ist eine interessante Idee und stilistisch ist sie sehr ansprechend, aber leider taucht eine Zeitmaschine auf, was so ziemlich das einzige Fantasy/SciFi-Element ist, mit dem ich überhaupt nicht zurechtkomme). Das Niveau der Geschichten ist überwiegend sehr hoch, auch wenn einige Geschichten stilistisch nicht ganz so überzeugen wie andere. Zum Beispiel finden sich in der Geschichte von Isabella Wallat zwar ein liebenswerter kleiner Gargoyle, aber auch ein paar sprachliche Klischees. Aber auch das ist kein großer Ausreißer nach unten. Insgesamt liest sich die ganze Anthologie sehr kurzweilig und man merkt, dass man es mit Autoren zu tun hat, die Talent und Erfahrung darin haben, sich auszudrücken. Große stilistische Experimente gibt es nicht. Die Sprache dient meist lediglich als Fenster auf die rasanten Geschehnisse in den verschiedensten alternativen Vergangenheitsszenarien, aber erfüllt diese Funktion ausgezeichnet und beschwört farbenprächtige Szenen herauf. Man könnte höchstens Kleinigkeiten kritisieren, z.B. dass die komischen Elemente in Katharina Fiona Bodes Geschichte um Erasmus Emmerich ein wenig die Spannung unterlaufen.

 

Fazit

„Steampunk Akte Deutschland“ versammelt kurzweilige Steampunk-Erzählungen, die alternative Geschichte, Science Fiction und Urban Fantasy auf teilweise sehr originelle Weise mischen und in ihrer Stimmung und Thematik ein breites Spektrum von Humor über Action bis Horror abdecken.

 

Verlag: Art Skript Phantastik (Juli 2014)

Taschenbuch

ISBN: 978-3945045008

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