Guy Gavriel Kay: Tigana

tiganaKlappentext

Set in a beleaguered land caught in a web of tyranny, Tigana is the deeply moving story of a people struggling to be free. A people so cursed by the dark sorceries of the tyrant King Brandin that even the very name of their once beautiful land cannot be spoken or remembered. But not everyone has forgotten. A handful of men and women, driven by love, hope and pride set in motion the dangerous quest for freedom and bring back to the world the lost brightness of an obliterated name: Tigana

 

Handlung

Die Halbinsel „the Palm“ ist fest in den Händen zweier Eroberer, die Jahre zuvor mit ihrer magischen und militärischen Macht je etwa die Hälfte der zerstrittenen Länder dort unter ihre Kontrolle gebracht haben. Doch keiner der kleinen Staaten hat so sehr gelitten wie Tigana, wo der Sohn König Brandins gestorben ist. Statt das Land zu erobern, hat Brandin es daraufhin es so gut wie ausgelöscht: Seine Truppen haben Chaos und Zerstörung gebracht und er hat einen Fluch ausgesprochen, der alle Nicht-Tiganer unfähig macht, den Namen des Landes zu hören oder sich daran zu erinnern. Nur noch die Einwohner Tiganas, die vor der Eroberung geboren wurden, sind dazu in der Lage und sie wissen, dass das Wissen um ihr Land und seine Geschichte mit ihnen sterben wird.

Der junge Musiker Devin ist überrascht, als er nicht nur erfährt, dass er selbst aus Tigana stammt, sondern auch, dass es eine Gruppe von Widerstandskämpfern gibt, die die gesamte Halbinsel befreien wollen. Für ihren Anführer Alessan steht fest, dass ihre einzige Chance darin besteht, die beiden Eroberer Brandin und Alberico gegeneinander auszuspielen. Devin schließt sich der Gruppe gerade zu dem Zeitpunkt an, wo sie nach jahrelanger Vorbereitung beginnen, einen riskanten Plan umzusetzen.

Auf den ersten Seiten von „Tigana“ glaubt man, eine Fantasy-Geschichte zu lesen, wie sie klassischer nicht sein könnte: Ein junger Mann nimmt den Kampf gegen einen Tyrannen auf. Aber nicht nur legt Kay gleich auf den ersten hundert Seiten eine falsche Fährte – ein Treffen von Verschwörern endet völlig anders als erwartet –, er nimmt sich dem Thema des Kampfes um die eigene Freiheit und Identität auf auch nachdenkliche, konsequente Weise an und lässt seine eigentlich sympathischen Figuren im Namen ihres großen Ziels auch moralisch fragwürdig handeln.

Im Laufe des Buches lernt man auch die Magie und Kultur der Halbinsel gut kennen, vor allem aber die Figuren, denen viel Zeit zur Entwicklung und Reflektion gegeben wird. Unter ihnen sind auch tragische Gestalten wie z.B. die Tiganerin Dianora, die ausgestattet mit einer falschen Identität versucht, das Vertrauen Brandins zu gewinnen, um ihn zu ermorden, aber schließlich doch weitaus kompliziertere Gefühle für ihn entwickelt. Und auch Alessan, der Anführer des Widerstandes, zahlt einen hohen Preis dafür, seine Ziele  zu erreichen.

 

Figuren

Kay stellt seinem Leser viele verschiedene Figuren vor und erzählt aus diversen Perspektiven. Seine Figuren sind entwicklungsfähig, widersprüchlich und setzen sich intensiv mit sich und der Welt um sie herum auseinander. Eine Ausnahme ist Alberico, der undifferenziert unangenehm erscheint. Brandin dagegen erlebt man aus der Perspektive Dianoras und wird durch ihre widerwillige Zuneigung für ihn eingenommen, auch wenn er trotzdem sehr schwer fassbar bleibt.

Der wandernde Musiker Alessan ist, wie Devin erfährt, viel mehr als er scheint und trägt schwer an der Verantwortung seines Erbes und seiner Aufgabe – und der Tatsache, dass selbst seine Mutter an ihm zweifelt. Er ist eine interessante Figur mit vielen Gesichtern: In einer Szene steht er weise und mitfühlend den jüngeren Mitgliedern seiner Truppe bei, in einer anderen manipuliert er eiskalt andere Menschen und zwingt ihnen große Opfer auf, um die Freiheit Tiganas zu erreichen.

„Tigana“ profitiert sehr von den vielen Perspektiven und davon, dass Kay sich traut, seinen Figuren auch den einen oder anderen unsympathischen Zug zu geben und sie nicht immer moralisch einwandfrei handeln zu lassen. Trotzdem ist es leicht, Mitgefühl mit vielen der Figuren zu empfinden.

Devin selbst ist zwar nicht der interessanteste Charakter des Buches, aber durch seine schnelle Auffassungsgabe und gut nachvollziehbaren Gedanken, Gefühle und Reaktionen eine Figur, die man gerne begleitet und durch deren Augen man viel über die Welt lernt. Angenehm ist, dass Kay sich von der Idee des „Auserwählten“ fernhält und die Rebellion zum Scheitern verurteilt wäre, wenn nicht die verschiedensten Figuren unter hohen Risiken ihren ganz eigenen Beitrag leisteten.

 

Stil

Kay schreibt in einem flüssigen, etwas gehobenen Stil und schafft, obwohl es  durchaus Action gibt und die Handlung stetig fortschreitet, eine nachdenkliche, melancholische Atmosphäre. Einige Szenen sind tragisch, aber werden so geschildert, dass sie zugleich erhaben wirken. Ich musste ein wenig an Steven Erikson denken.

 

Fazit

„Tigana“ beschreibt den Widerstand gegen tyrannische Herrscher und den Kampf eines unterdrückten Volkes um seine Freiheit und Identität – ein klassisches Thema der Fantasy, dem sich Guy Gavriel Kay jedoch auf sehr reflektierte Weise und ohne Angst vor moralischer Ambiguität nähert. Lebendige, differenzierte Charaktere, die Entwicklungen durchlaufen, und eine schöne Sprache tragen zusätzlich dazu bei, „Tigana“ zu einem sehr empfehlenswerten Buch zu machen.

 

HarperCollins Publishers, Februar 2011

Imprint: Harper Voyager

ISBN: 9780007352234

 

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