Brent Weeks: The Blood Mirror (Lightbringer-Series, Book 4)

thebloodmirrorKlappentext

The Seven Satrapies have collapsed into four – and those are falling before the White King’s armies.

Gavin Guille, ex-emperor, ex-Prism, ex-galley slave, formerly the one man who might have averted war, is now lost, broken and trapped in a prison crafted by his own magical genius. But Gavin has no magic at all. Worse, in this prison, he may not be alone.

Who will fight to prevent a tainted empire from becoming something even worse?

 

Rezension

Während es in „The Broken Eye“ vor allem um das Geschehen in der Chromeria ging, verschiebt sich der Fokus nun wieder etwas in Richtung der Frontlinien im Kampf gegen die Armeen des Farbprinzen. Den Kip und sein kleiner Trupp von Beinahe-Schwarzgardisten versuchen, sich im Blutwald an die Spitze eines Guerilla-Kriegs gegen ihn zu setzen. Kip muss sich nun als Heerführer bewähren. Mit von der Partie: Tisis Malargos, die junge Frau, die Kip heiraten musste, um durch die Allianz zwischen der Familie der Guiles und der Malargos etwas Stabilität in das bröckelnde Reich zu bringen. Doch statt nach der Eheschließung zu ihrer Familie zurückzukehren, bleibt Tisis an seiner Seite und es stellt sich heraus, dass der Leser und Kip sie zuvor völlig falsch eingeschätzt haben. Sie ist nicht nur eine wertvolle Verbündete, sondern erkennt Kips Wert auch dann, wenn er selbst unfähig ist, ihn zu sehen. Trotzdem ist die Beziehung der beiden voller Konflikte, denn physiologische Probleme Tisis‘ sorgen dafür, dass all ihre Versuche, ihre Ehe zu vollziehen, in Tränen und Frustration enden, und Kip kann seine Gefühle für Teia, die in der Chromeria zurückgeblieben ist, nicht vergessen.

Teia hat jedoch andere Sorgen, als Kip nachzutrauern: Im Auftrag der Weißen und ihrer Nachfolgerin, Karris, ringt sie darum, das Vertrauen des Ordens des Gebrochenen Auges nicht zu verlieren. Es ist eine Mission, an der sie zu zerbrechen droht. Denn sie muss Dinge tun, die allem widersprechen, woran sie glaubt.

Karris nimmt sich ihrer neuen Rolle mit großem Verantwortungsbewusstsein an und demonstriert unnachgiebige Stärke, während sie innerlich zweifelt. Der Kampf gegen den Farbprinzen zwingt sie dazu, mit Andross Guile zusammenzuarbeiten, der ein gefährlicher, unberechenbarer Verbündeter ist.

Was sie nicht weiß: Andross hält ihren Mann Gavin unter der Chromeria in einer der Zellen gefangen, die Gavin selbst für seinen Bruder gebaut hat. Eine Weile sieht es so aus, als hätte das entmachtete Prisma nun alle Bedeutung für das Geschehen verloren und als würde die Lektüre seiner Kapitel nur noch daraus bestehen, seiner endlosen Selbstzerfleischung zuzuhören, aber dann folgt eine Reihe von Enthüllungen über ihn, die alles verändern und es sieht so aus, als hätte er im nächsten Buch eine ebenso unerwartete wie entscheidende Rolle zu erfüllen.

Obwohl es in „The Blood Mirror“ wieder eine Menge Action, unerwartete Wendungen und zahlreiche Konflikte gibt, dient das Buch vor allem dazu, die Figuren zu entwickeln und für den folgenden (letzten?) Band in Position zu bringen. Das ist jedoch in Ordnung, einfach, weil ihre Entwicklung so spannend zu lesen ist.

Man erfährt auch noch einmal mehr über die Magie und Mythologie der Welt und die Auseinandersetzungen zwischen Göttern, für die die Kämpfe in den sieben Satrapien nur ein Nebenschauplatz sind. Viele dieser Informationen kommen gewissermaßen aus dem Nichts, wie ich schon in einer früheren Rezension angemerkt habe, aber ich weiß nach wie vor nicht, wo Weeks neben all den nötigen Erläuterungen über seine Welt in den ersten Bänden noch Vorausdeutungen über die weltumspannenden Konflikte hätte einbauen sollen, in die das Geschehen eingebunden ist. Was ein wenig irritiert, sind seine Rückgriffe auf Wörter und mythologische Gestalten aus unserer Welt, aber da eine Figur an einer Stelle die Theorie äußert, dass es mehrere Welten gibt, ließe sich das vielleicht durch ein Multiversum erklären, zu dem auch unsere Welt gehört.

 

Figuren

In „The Blood Mirror“ durchlaufen die Figuren wieder große Entwicklungen. Kip hat seine Selbstzweifel noch nicht ganz abgelegt, aber erlebt auch große Erfolge und Momente der Zugehörigkeit. Die Freundschaft, der Respekt und in Tisis‘ Fall auch Liebe, die seine neue Frau und sein Trupp ihm entgegenbringen, beginnen, ihre Wirkung zu zeigen, und allmählich wächst er trotz aller Zweifel in seine Rolle hinein. Momente, in denen er sich kindisch oder irrational verhält wechseln sich mit solchen ab, in denen er heroisch oder sehr klug handelt. In seiner Rolle als Anführer einer Rebellion muss er Entscheidungen treffen, an denen er schwer trägt.

Die Diskrepanz zwischen Kips geringer Selbstachtung und dem Respekt der anderen Figuren für ihn ist nur ein Beispiel für ein Thema, dass in den „Lightbringer“-Büchern, besonders aber in „The Blood Mirror“ eine große Rolle spielt: Der Unterschied dazwischen, wer die Figuren sind, wer sie zu sein glauben, und wer sie zu sein scheinen. Da ist Karris, die als „Iron White“ hart und majestätisch auftritt, aber sich ihrer Aufgabe insgeheim nicht gewachsen fühlt. Da ist Andross, der noch in „The Blinding Knife“/ „Die blendende Klinge“ als beinahe übermenschliche Macht des Bösen erschien, aber jetzt überraschend das eine oder andere Gefühl zeigt. Da ist Eisenfaust, der von Anfang an seine Geheimnisse hatte, Tisis, die eine weitaus klügere und stärkere Frau ist, als man bei ihren ersten Auftritten ahnen konnte, und vor allem Gavin.

Wie bereits gesagt ist „The Blood Mirror“ das Buch, wo Gavin mit Wahrheiten über sich selbst konfrontiert wird, die er bisher verdrängt hat und es stellt sich heraus, dass er tragischer und ambivalenter ist, als es bisher den Anschein hatte.

Das Interessante an den Figuren in der „Lightbringer“-Serie ist ihre Differenziertheit und die Tatsache, dass viele von ihnen scheinbar widersprüchliche Extreme in sich vereinen und es keine klaren Linien zwischen Gut und Böse gibt – immerhin bewegen sich die Figuren in einer Welt, in der gute Menschen oft ein nur minimal kleineres Übel in Kauf nehmen müssen, um Schlimmeres zu verhindern.

In „The Blood Mirror“ wird den Protagonisten wieder einiges zugemutet und das Buch ist stellenweise sehr düster – trotzdem (oder gerade deswegen) schreiben sich einem aber auch die Szenen ins Gedächtnis, wo Figuren eine Chance erhalten und ergreifen, das Richtige zu tun, oder aber Freundschaft oder Liebe erfahren. Die Beziehungen, die geschildert werden, sind durch unzählige Faktoren verkompliziert und keineswegs konfliktfrei, aber gerade die Tatsache, dass sie nicht perfekt sind, lässt sie realer und wertvoller erscheinen.

 

Stil

Weeks schreibt gewohnt schlicht und flüssig und erhält die Spannung stets aufrecht. Fans der rasant geschilderten Kampfszenen und der Magie in seinen vorherigen Büchern werden sicher auf ihre Kosten kommen. Auch der teilweise beinahe umgangssprachliche Ton in den Erzählpassagen und die teilweise etwas albernen (darin aber realitätsnahen) Dialoge sind unverändert, genau wie die schonungslose Detailliertheit, mit der die Verwüstungen des Krieges geschildert werden. Allerdings hat „The Blood Mirror“ mehr nachdenkliche Passagen als die Vorgängerbände und der Auseinandersetzung der Figuren mit ihren Mitmenschen, sich selbst und ihrer Umwelt, ihren – teilweise sehr klugen – Gedanken zu ihrer unmittelbaren Situation, aber auch Menschen im Allgemeinen, wird viel Raum eingeräumt. Diese Passagen sind gut und natürlich eingeflochten und eine echte Bereicherung.

 

Fazit

Dass die „Lightbringer“-Serie mit jedem Buch komplexer wird und neue Informationen über die Welt einführt, erwartet man eigentlich mittlerweile, und „The Blood Mirror“ enttäuscht hier nicht – und überrascht sogar insbesondere mit Enthüllungen über Gavin, die versprechen, seiner Geschichte noch einmal eine ganz neue Wendung zu geben. Was die Stärke dieses Buches ausmacht, ist der Raum, den es seinen plastisch gezeichneten Figuren gibt, die Art, wie sie und ihre Beziehungen sich entwickeln – und dadurch ist es meiner Meinung nach das bisher beste Buch der Serie, auch wenn die Handlung vor allem der Vorbereitung des finalen Bandes zu dienen scheint.

„The Broken Eye“ erscheint 2017 auf deutsch als „Düsterer Ruhm“ und „Lichtbringer“, übersetzt von Michaela Link

Little, Brown Book Group, Oktober 2016

Imprint: Orbit

ISBN: 9780356504629

11,99 EUR auf Kobo

Rezension zu „Schwarzes Prisma“ (Lightbringer, Buch 1)

Rezension zu „Die Blendende Klinge“ (Lightbringer, Buch 2)

Rezension zu „The Broken Eye“ (Lightbringer, Buch 3)

Rezension zu „Der Weg in die Schatten“ (Schatten-Trilogie, Buch 1)

Rezension zu „Am Rande der Schatten“ (Schatten-Trilogie, Buch 2)

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5 Kommentare zu “Brent Weeks: The Blood Mirror (Lightbringer-Series, Book 4)”

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