Leigh Bardugo: Six of Crows (Six of Crows, Book 1)

sixofcrowsKlappentext

Criminal prodigy Kaz Bekker has been offered wealth beyond his wildest dreams. But to claim it, he’ll have to pull of a seemingly impossible heist: Break into the notorious Ice Court (a military stronghold that has never been breached), retrieve a hostage (who could unleash magical havoc on the world), survive long enough to collect his reward (and spend it). Kaz needs a crew desperate enough to take on this suicide mission and dangerous enough to get the job done – and he knows exactly who: sic oft he deadliest outcasts the city has to offer. Together, they just might be unstoppable – if they don’t kill each other first.

 

Handlung

Kaz ist erst siebzehn, doch auf den Straßen Ketterdams, einem Zentrum der Industrie, des Handels und des Verbrechens, ist er bereits berüchtigt: Ein junger Mann mit sonderbaren Ticks (man sieht ihn nie ohne seine Handschuhe und einen Gehstock), der andere mühelos durchschauen kann und dank genialer Pläne, verblüffender Rücksichtslosigkeit und ziemlich tödlichen Menschen in seinen Diensten einige scheinbar unmögliche Diebstähle und Betrügereien abgewickelt und eine bedeutungslose Gang in eine Macht verwandelt hat, mit der zu rechnen ist.

Die Kercher Metropole Ketterdam erinnert ein wenig an eine Stadt aus der Zeit der Industrialisierung und nicht nur der Name der Stadt, auch viele Wörter, Personennamen und ihre Bedeutung als Handelsstadt lassen an die Niederlande und vor allem Amsterdam denken. Eine wichtige Rolle spielen die „Grisha“ – Menschen, deren magische Begabung es ihnen entweder erlaubt, auf unbelebte Materie, den menschlichen Körper oder aber Wind, Feuer und Wasser einzuwirken. Ihre Fähigkeiten sind bekannt und werden gerne in Anspruch genommen. Doch da tauchen Proben einer neuen Droge auf: Jurda Param verstärkt die Fähigkeiten der Grisha um ein Vielfaches und verwandelt sie in tödliche Waffen, während es sie zugleich abhängig macht und ihre Körper zerstört.

Der Einzige, der die Formel kennt, ist der Wissenschaftler Bo Yul-Bayur. Doch er ist ausgerechnet denn für ihren fanatischen Hass auf alle Grisha bekannten Fjerdanern in die Hände gefallen. Zur Überraschung aller lebt er aber noch und wird im berüchtigten Ice Court gefangen gehalten. Also bietet der Kaufmann Van Eck, der fürchtet, dass die Formel für Jurda Param in die falschen Hände (andere als die der Kercher Kaufleute) fällt, Kaz eine astronomische Summe für die Befreiung Yul-Bayurs an. Das Unterfangen scheint aussichtslos, aber es gelingt Kaz, sechs Menschen mit den verschiedensten Talenten um sich zu versammeln:

Die einstige Akrobatin Inej ist als Spionin und Attentäterin so erfolgreich, dass es ihr den Namen „Wraith“ eingetragen hat. Jesper macht einen ebenso ruhe- wie verantwortungslosen Eindruck, aber ist ein talentierter Schütze. Den unerfahrenen, aber hochintelligenten Wyllen hat es aus einem reichen Haus auf die Straßen Ketterdams verschlagen hat, wo er sein Wissen um Sprengstoffe zum Einsatz bringt. Die Grisha Nina bringt ihre magische Begabung, der Fjerdaner Matthias, der einst zu einer Elite von Grisha-Jägern gehörte, sein Insiderwissen um den Ice Court ein. Doch die beiden könnten einander und der Mission gefährlich werden, denn trotz ihrer Gefühle füreinander stehen sie auf verschiedenen Seiten und haben eine konfliktreiche Geschichte.

Gemeinsam wagen sie die Reise zum Ice Court, aber natürlich läuft bei Yul-Bayurs Rettung nicht alles nach Plan. Trotzdem könnten die sechs es mit ihren besonderen Fähigkeiten, verzweifelter Improvisation und Kaz‘ Plänen hinter Plänen schaffen. Dass sie im Verlauf der waghalsigen Unternehmung feststellen, dass sie einander nicht so sehr hassen, wie sie vorgeben, ist  ziemlich vorhersehbar, die Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen, nicht.

Die actionreiche Handlung schreitet mit hohem Tempo voran, wird aber immer wieder durch (relativ willkürlich platzierte, aber interessante) Rückblenden unterbrochen, in denen die Vorgeschichten der Figuren ausgeleuchtet werden.

 

Figuren

Bardugo schickt ein Ensemble sehr verschiedener Figuren ins Rennen, die lediglich gemeinsam haben, dass sie jung und auf ihrem jeweiligen Gebiet sehr beschlagen sind. Das nahezu alle von ihnen bereit sind, ihre Interessen mit Manipulation, Gewalt und sogar Mord zu verteidigen, balanciert sie aus, indem sie einen Einblick in die Vergangenheit gewährt, die sie geformt hat. In Kaz‘ Crew ist keine Figur, die nicht schwer an irgendeiner Erinnerung trägt.

Kaz erscheint vielleicht ein klein wenig überzeichnet, aber ist vor dem Hintergrund dessen, was man schließlich über ihn erfährt, konsequent gestaltet. Er weigert sich lange, sich mit den Gefühlen auseinanderzusetzen, die Inej in ihm weckt. Da sie genau dasselbe Widerstreben empfindet, läuft diese Geschichte eher im Hintergrund.

Nina und Matthias dagegen verbringen viel Zeit damit, ihre Beziehung zu verhandeln – oder es scheint so, da lange Rückblenden die dramatischen Umstände ihrer ersten Begegnung zeigen, die sie eigentlich zu Todfeinden machen sollten und stellenweise noch immer kurz davor sind, es zu tun. Die lebensfrohe Nina unterscheidet sich sehr von der aufrichtigen, ernsthaften Inej, aber noch mehr zu Matthias, der sich komplett neu orientieren muss, als seine scheinbar so ehrenwerte Mission plötzlich fragwürdig erscheint.

Wylen braucht lange, um von der Crew akzeptiert zu werden, aber zwischen ihm und Jesper entwickelt sich eine Freundschaft, ebenso wie zwischen Inej und Nina. Es ist eine der Stärken des Buches, dass für jede Figur mehrere sich entwickelnde Beziehungen beschrieben werden.

Die Figuren – der Witzbold, der geniale, verschlossene Anführer mit der tragischen Vergangenheit, der Kreuzritter, der Junge, der sein volles Potenzial erst erkennen muss,… – sind gut genug ausgearbeitet, um nicht stereotyp zu erscheinen, aber irgendwie kommt die einem Konstellation doch bekannt vor. Die Autorin setzt sehr auf ihre Vorgeschichten und darauf, sie klar voneinander abzugrenzen und bestimmte, markante Charakterzüge hervorzuheben.

Angenehm ist aber die ungezwungene, natürlich wirkende Interaktion zwischen den Figuren und das sie sich entwickeln und Gedanken über ihre Vergangenheit und Zukunft machen.

 

Stil:

„Six of Crows“ liest sich flüssig und rasant, setzt auf Action, Spannung und Pläne, die um Haaresbreite gescheitert wären. Nahezu alle Crew-Mitglieder kommen als Point-of-View-Charaktere zu Wort, was in doppelter Hinsicht gut funktioniert: Zum einen sind jedem von ihnen wichtige, riskante Aufgaben zugedacht, bei denen man sie so begleiten kann, zum anderen hat man auf jede Figur mehrere Perspektiven, eine Innen- und eine Außensicht. Damit hätte vielleicht noch ein bisschen mehr gearbeitet werden können, aber andererseits hätte es vielleicht nicht gepasst, da „Six of Crows“ mit seinem Fokus auf der äußeren Handlung (auch die Vorgeschichten sind meist sehr handlungsintensiv) sehr filmhaft.

 

Fazit

Leigh Bardugo greift in „Six of Crows“ erkennbar auf Bewährtes zurück, was aber nicht unbedingt eine Schwäche sein muss. Immerhin liefert sie so knapp 500 Seiten sehr unterhaltsames Kopfkino.

 

„Six of Crows“ erscheint im Oktober 2017 in einer Übersetzung von Michelle Gyo als „Das Lied der Krähen“ bei Droemer Knaur.

 

Henry Holt and Co. (BYR), September 2015

Imprint: Henry Holt and Co. (BYR)

ISBN: 9781627795227

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s