Meine Gedanken nach einem halben NaNoWriMo

img-20151101-wa0008Der „National Novel Writing Month“ neigt sich seinem Ende zu und ich gebe offen zu, dass ich nur etwa die Hälfte der 50.000 Wörter geschrieben habe, die ich eigentlich hätte anstreben sollen (was mir Gelegenheit gibt, ein schönes Faultierbild zu posten). Nicht, dass ich je geglaubt oder geplant hätte, mehr zu schaffen – mein Studium, die spannende Arbeit in der Literaturagentur und die Betreuung von Veranstaltungen beim 7. Krimimarathon Berlin-Brandenburg haben mir einfach nicht die Zeit dafür gelassen. Na schön, ein Motivationsloch hat auch eine gewisse Rolle gespielt: Ich habe großen Spaß an den Fantasy-Aspekten meines Schreibens und hatte daher Schwierigkeiten, mit Begeisterung dabeizubleiben, als das Tagesgeschehen meinen dystopischen Roman zunehmend realitätsnah gemacht hat.

Trotzdem habe ich einiges über das Format gelernt. Zunächst einmal für alle, die nicht damit vertraut sind: Beim NaNoWriMo ist jeder Teilnehmer angehalten, einen 50.000 Wörter umfassenden Roman zu schreiben. Auf der Website kann man sich mühelos einen Account erstellen, die Anzahl der geschriebenen Wörter aktualisieren und wird mit „Badges“ für erreichte Wegmarken oder sonstige Leistungen belohnt. Verschiedene Grafiken helfen, den Fortschritt – oder dessen Abwesenheit – zu visualisieren und diverse Foren laden zur Kommunikation mit anderen Teilnehmern ein. In Videos oder e-Mails ermutigen etablierte Autoren dazu, sich am NaNoWriMo zu versuchen und ihn dann auch durchzuhalten.

Während einige das Projekt bejubeln, heißt es in diesem Artikel, 50.000 Wörter seien eine schlechte Länge (zu viel für eine Novelle, zu wenig für einen Roman) und ein Wettbewerb, der ganz darauf ausgerichtet sei, einen möglichst viele Wörter in möglichst kurzer Zeit schreiben zu lassen, habe mit Garantie einige Texte zu verantworten, deren Qualität – milde ausgedrückt – fragwürdig sei.

Beides ist meiner Meinung nach korrekt.

Aber trotzdem kann ich mich den Leuten anschließen, die den NaNoWriMo großartig finden.  Denn wenn man auf eine Deadline zuschreibt und nur die Anzahl seiner Wörter wirkungsvoll visualisiert sieht, während deren Qualität komplett außenvorgelassen wird, dann ist das ein wirkungsvolles Mittel gegen die Sorte Perfektionismus, die einen zehn erste Seiten schreiben und wieder löschen lässt.

Natürlich verleitet es auch dazu, grundlegende Veränderungen, die dem Buch gutgetan hätten, aber mit einer Menge Löschen und Neuschreiben einhergingen, zu unterlassen. Aber damit ein Roman überarbeitet und verbessert werden kann, muss er erst einmal da sein. Und der NaNoWriMo ist ziemlich hilfreich dabei, dies zu bewerkstelligen.

Abgesehen davon: Es geht vermutlich den wenigsten Teilnehmern darum, veröffentlichungsreife Texte zu schaffen. Vielmehr schien die Vernetzung mit anderen Schreibenden im Vordergrund zu stehen – und der Beweis für sich selbst, dass man diesen Roman, der einem seit Ewigkeiten im Kopf herumspukt, tatsächlich schreiben kann.

Daher glaube ich, dass der NaNoWriMo ein gutes Projekt ist, das jedoch mit „The World Needs Your Novel“ ein etwas unglückliches Motto gewählt hat.

Braucht die Welt deinen Roman? Nicht notwendigerweise. Wahrscheinlich eher nicht.

Brauchst du deinen Roman? Das ist eine andere Frage. Schreiben kann – unabhängig vom Ergebnis – ein unglaublich bereichernder Prozess sein.

Und deshalb bin ich ein Fan des NaNoWriMo, weil er Leute durch seine ehrgeizige Zielsetzung und knapp bemessene Deadline dazu anregt, diese Erfahrung zu machen, ohne Zeit für Selbstzweifel und hemmenden Perfektionismus zu haben.

Außerdem wäre ich ohne die psychologisch ziemlich raffiniert angelegte Seite wahrscheinlich noch schlechter mit meinem aktuellen Projekt vorangekommen. Ich denke, in den nächsten Tagen werde ich entscheiden, ob sich das Weiterschreiben lohnt oder ob ich mich lieber einer anderen Idee zuwende.  25.000 Wörter (die letzten paar hundert, die mir noch bis zu 25.000 fehlen, möchte ich noch schaffen) sollten eine ausreichende Entscheidungsgrundlage sein.

An dieser Stelle: Herzlichen Glückwunsch an alle, die sich ehrgeizigere Ziele gesteckt und diese erreicht haben.

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