R. Scott Bakker: The Darkness that Comes Before (The Prince of Nothing, Book One)

thedarknessthatcomesbeforeKlappentext:

A score of centuries has passed since the First Apocalypse and the thoughts of men have turned, inevitably, to more worldly concerns…

A veteran sorcerer and spy seeks news of an ancient enemy. A military genius plots to conquer the known world for his emperor but dreams of the throne for himself. The spiritual leader of the Thousand Temples seeks a Holy War to cleanse the land of the infidel. An exiled barbarian chieftain seeks vengeance against the man who disgraced him. And into this world steps a man like no other, seeking to bind all – man and woman, emperor and slave – to his own mysterious ends.

But the fate of men – even great men – means little when the world itself may soon be torm asunder. Behind the politics, behind the religious fervor, a dark and ancient evil is reawakening. After two thousand years, the No-God is returning. The Second Apocalypse is nigh. And one cannot raise walls against what has been forgotten…

Inhalt:

Bakker macht einem den Einstieg in sein Buch nicht leicht: In einem von zwei Prologen erfahren wir vom letzten Abkömmling eines Herrscherhauses, der sich in eine vergessene Festung zurückzieht, im Zweiten findet ein Fallensteller einen Fremden von beängstigendem manipulativem Geschick. Düstere Andeutungen über den No-God und die Erste Apokalypse fallen. Man wird in den Prologen und ersten Kapiteln von fremdartigen Namen und Begriffen überschüttet und lernt zahlreiche Figuren kennen. Erst später kann man sie zu einem zusammenhängenden Bild zusammenfügen und auch dieses weist am Ende des Buches noch beträchtliche Lücken auf.

Das erste Kapitel führt einen an einen völlig anderen Ort: In die Stadt Carythusal, wo verschiedene „Schulen“ von Magiern sich einen Machtkampf liefern. Der Spion Drusas Achamian arbeitet für das „Mandate“, einen Orden von Magiern, deren Zauberei mächtiger ist als die jeder anderen Schule. Zugleich aber träumen sie jede Nacht von der Ersten Apokalypse und haben es zu ihrer Mission gemacht, eine Zweite zu verhindern. Im Zentrum dieser Aufgabe steht die Jagd auf den „Consult“, die rechte Hand des „No-God“ (über beide erfährt man ausgesprochen wenig). Von einem Informanten erführt Achamian von Maithenet, dem neuen Oberhaupt der Inrithi-Religion, und dem heiligen Krieg, den er plant.

Dieser Krieg führt Maithenets Truppen durch das Territorium des Kaisers von Nansur, der den Feldzug für seine eigenen Zwecke einspannen will. Unterdessen erringt sein ehrgeiziger Neffe Conphas einen Sieg über die Stämme der Scylvendi, der unter anderem dadurch ermöglicht wird, dass der kriegerische Häuptling Cnaiür von seinen eigenen Leuten verraten wird. Doch kurz nach der Schlacht trifft Cnaiür auf Anasurimbor Kellhus, der ihn auf fatale Weise an einen anderen Mann erinnert: Den Fremden, der Cnaiür manipuliert und seinen Vater getötet hat. Er ist niemand anderes als Kellhus‘ Vater – und wie er Mitglied einer Sekte von Mönchen, die sich der absoluten Kontrolle all ihrer Gefühle und Gedanken verschrieben haben. Kellhus ist ausgeschickt worden, um ihn zu töten. Gemeinsam reisen sie weiter. Auch sie sehen eine Chance, den Heiligen Krieg für ihre Zwecke zu nutzen.

Doch zugleich häufen sich die Anzeichen für das Wirken des „Consult“ und das Kommen der zweiten Apokalypse.

Figuren:

Ein zentrales Thema von „The Darkness that Comes Before“ ist Manipulation. Immer wieder geht es darum, wie Figuren einander beobachten und zu ergründen versuchen, wie sie einander benutzen können.

Da ist Conphas, der sich wie ein Gott dabei fühlt, Armeen und Länder hin und herzuschieben und gelegentlich auch zu opfern. Eine weitere Figur ist Kellhus, der dank seiner Ausbildung jeden Menschen vollkommen verstehen kann – und dieses Wissen ohne jedes Mitgefühl nutzt. Auch Achamians Arbeit erfordert es oft, dass er andere manipuliert, aber als eine der wenigen sympathischen Figuren in der Geschichte erlaubt er es sich, die Menschen, die er benutzt, zu lieben, weswegen er viel Leid und Schuld mit sich trägt.

Cnaiür schließlich ist ein Mann, der einer Religion anhängt, deren einziger Inhalt es ist, so viele Feinde wie möglich zu töten, und der stolz den Titel „most violent of men“ trägt. Obwohl er das subtile politische Ränkespiel der Stadtbewohner verabscheut, verfügt er über einen scharfen, misstrauischen Verstand und durchschaut Kellhus besser als jeder andere.

Kellhus, Knaiür, Conphas, Kaiser Xerius… „The Darkness that Comes Before“ ist voller Figuren, die einige ziemlich abstoßende Dinge tun. Allerdings halten sie das Interesse des Lesers noch lange wach, nachdem sie seine Sympathien verloren haben, einfach, weil sie markante, vielschichtige Charaktere sind.

Stil:

Es gibt spektakuläre magische Schlachten und seltsame Geschöpfe, aber sie spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. Vielmehr liegt der Fokus darauf, wie die Figuren sich selbst und andere beobachten. Bei aller Düsternis und Brutalität ist „The Darkness that Comes Before“ über weite Strecken eine Geschichte voller Philosophie und Introspektion, die sich viel Zeit nimmt, um die Beziehungen der Figuren und deren Entwicklungen zu schildern.

Der von Bakker gewählte Stil passt gut dazu. „The Darkness that Comes Before“ liest sich angenehm und flüssig und ist voller präziser Beobachtungen menschlicher Interaktion. Allerdings hätte Bakker es sich ruhig erlauben können, sich hier und da die Zeit für einige Erklärungen zu seiner Welt zu nehmen.

Fazit:

„The Darkness that Comes Before“ ist der Beginn eines Epos über einen gewaltigen Kreuzzug, die Rückkehr eines uralten Übels und Protagonisten, die zu Übermenschlichem in der Lage sind. Aber all dies ist letztlich nur der Rahmen dafür, das Innere der Figuren und ihre Beziehungen zu sich selbst und zueinander zu erkunden. Trotz eines etwas schwierigen Einstiegs, vielen Figuren, die eher zu entsetzter Faszination als zur Identifikation einladen und einer Menge offener Fragen bietet „The Darkness that Comes Before“ jede Menge Spannung und Unterhaltung und regt auch zum Nachdenken an. Ein beeindruckendes Buch.

 

Auf Deutsch erschienen als „Der Krieg der Propheten – Schattenfall“, übersetzt von Andreas Heckmann.

 

Little, Brown Book Group, Mai 2010

Imprint: Orbit

ISBN:9780748120130

 

 

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