Scott Lynch: Sturm über Roten Wassern (Gentlemen Bastards, Buch 2)

Sturm ueber roten Wassern von Scott Lynch

Klappentext:

Dies ist die Geschichte von Locke Lamora – Meisterdieb, Lügner und wahrer Gentleman. Aus seiner Heimat Camorr geflohen, macht er sich nun auf nach Tal Verrar, wo er zusammen mit seinem Freund Jean das dortige Spielkasino um seine Schätze erleichtern will. Das erregt die Aufmerksamkeit des Oberbefehlshabers der Stadt, der die beiden Ganoven zwingt, für ihn auf hoher See einen Krieg anzuzetteln. Doch er hat nicht mit den Piraten des Messing-Meeres gerechnet…

 

Inhalt:

Nach ihrer spektakulären Flucht aus Camorr ertrinkt Locke erst einmal in Selbstmitleid, bis sein unerschütterlicher Freund Jean ihn endlich dazu bringen kann, sein Augenmerk auf den nächsten Coup zu richten. Und die beiden finden rasch eine Herausforderung, die zwei genialen Trickbetrügern würdig ist: Die Schätze Requins, des Besitzers des exklusivsten Spielcasinos der bekannten Welt. Also reisen sie nach Tal Verrar und setzen einen komplizierten Plan in Gang – der gegen ihren Willen noch komplizierter wird, als Archont Stragos, der um seine Macht fürchtet, sie erpresst: Nur, wenn sie für ihn die Piraten des Messing-Meeres zu einem Aufstand anstacheln, den er niederschlagen kann, wird er ihnen das Gegenmittel zu dem langsam wirkenden Gift geben, dass er ihnen verabreicht hat.

Locke und Jean bleibt nichts anderes übrig, als den selbstmörderischen Auftrag anzunehmen. Doch auf dem Messing-Meer sind die Dinge nicht, wie sie sie erwarten und sie finden unter den Piraten Feinde, aber auch Verbündete, mit denen sie nie gerechnet hätten. Und natürlich denken sie nicht daran, ihre ursprünglichen Pläne aufzugeben. Doch auf allen Seiten sind viele Akteure mit ihren ganz eigenen Absichten im Spiel und Verrat lauert hinter jeder Ecke.

Wieder erzählt Scott Lynch eine Geschichte voller verschachtelter Pläne und falscher Identitäten, die immer wieder von Verrat und Zufall weggefegt werden. Trotzdem wahrt man als Leser mühelos den Überblick. „Sturm über Roten Wassern“ stellt einem eine ganze Menge neuer Schauplätze vor: Der Staat Tal Verrar, das Messing-Meer und seine Küsten sind eine neue Welt, die Lynch durch geschickt eingestreute Details über Kultur, Fauna und Geschichte zum Leben erweckt.

Wie in „Die Lügen des Locke Lamora“ arbeitet er mit verschiedenen Zeitebenen und Rückblenden, allerdings ist die Erzählung diesmal weit weniger verschachtelt und nimmt dadurch auch weitaus schneller Fahrt auf.

 

Figuren:

Weiterhin stehen Locke Lamora und Jean Tannen im Vordergrund. Die beiden Männer sind hochintelligent und auf ihren jeweiligen Fachgebieten geradezu unheimlich talentiert. Das gleicht Lynch jedoch aus, indem er die beiden – vor allem Locke – auch in Momenten der Schwäche zeigt und immer wieder beschreibt, wie die beiden auch Fehler machen oder ungünstigen Zufällen zum Opfer fallen. Stärker noch als im ersten Buch erscheinen die beiden Meisterdiebe als Männer, die zwar nicht nach den Regeln der meisten anderen Leute spielen, aber doch ihren ganz eigenen Ehrenkodex haben und vor allem einander unerschütterlich zur Seite stehen.

Man lernt aber auch viele neue Figuren kennen wie zum Beispiel die charismatische Piratenkapitänin Drakasha oder ihren Leutnant Ezri. Zum ersten Mal erzählt Lynch auch eine Liebesgeschichte, was ihm ausgesprochen gut gelingt. Er stellt Locke und Jean auch würdige Gegenspieler gegenüber, die die beiden nicht so einfach austricksen können.

 

Stil:

Wie in „Die Lügen des Locke Lamora“ erweist sich Lynch als eloquenter, wortgewandter Erzähler. Gleich am Anfang gibt es einen unverhüllten Info-Dump, aber ansonsten liest sich „Sturm über roten Wassern“ noch etwas gradliniger und flüssiger als „Die Lügen des Locke Lamora“, auch wenn vielleicht ein paar nautische Fachbegriffe zu viel durch die Gegend fliegen.

Es kommen auch ein paar neue Blickwinkel dazu, da es andernfalls wohl unmöglich gewesen wäre, die Pläne und Absichten aller Figuren darzustellen.

Es ist Ingrid Herrman-Nytko ausgezeichnet gelungen, in der deutschen Übersetzung den Stil des Originals einzufangen, auch wenn ich die Übersetzung einzelner Namen und Begriffe wie „Corrupt Warden“ als „Korrupter Wärter“ und „Wicked Sisters“ als „Böse Schwestern“ nicht zu hundert Prozent befriedigend finde – allerdings fällt mir auch keine Bessere ein.

 

Fazit:

„Sturm über roten Wassern“ ist eine würdige Fortsetzung für „Die Lügen des Locke Lamora“, in deren Verlauf man neue Figuren und Schauplätze kennen lernt. Mit Jean und Locke stehen zwei Antihelden in ihrem Mittelpunkt, die man einfach bewundern und ins Herz schließen muss.

 

Englischer Originaltitel: „Red Seas under Red Skies“, Übersetzerin: Ingrid Herrmann-Nytko

 

Heyne (2008)

Taschenbuch

ISBN: 978-3-453-53113-0

 

Rezension zu „The Lies of Locke Lamora“

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