Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

51s9kwjvbwlKlappentext:

Als Autor, Übersetzer und Kritiker ist Tim Parks geradezu prädestiniert dafür, alle Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Buch stellen – sei es als Leser, Autor, Kritiker, Juror –, zu untersuchen: Muss man jedes Buch, das man angefangen hat, auch auslesen? Was prägte mein Lesen? Was ist literarischer Stil? Brauchen wir Geschichten? Ist Copyright wichtig? Warum sind Leser unterschiedlicher Meinung? Was bedeuten Preise?

Inhalt:

In zahlreichen kurzen Essays, die um jeweils ein Thema oder eine Frage kreisen, kommentiert Tim Parks Literatur und Literaturbetrieb. „Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen“ ist kein Sachbuch, sondern vielmehr ein Buch, in dem Parks seine Meinung oder zumindest seine Fragen und Überlegungen äußert. Dabei hat er keine Scheu, auch scheinbar so anerkannte Werte und Gegebenheiten wie die Rolle von Literaturpreisen, die Internationalisierung der Literatur, die Notwendigkeit von Geschichten und Copyright keineswegs als heilig zu betrachten, sondern zu hinterfragen und von verschiedenen Seiten zu beleuchten.

Seine Erfahrungen als Autor, Kritiker, Übersetzer und Dozent für Literaturübersetzung fließen dabei ebenso mit ein wie seine Biographie, in deren Verlauf er in den USA, in England und Italien gelebt und zahlreiche andere Länder bereist hat. Übersetzungen, sprachliche Eigenheiten und Vereinheitlichungstendenzen durch die Internationalisierung der Literatur sind große Themen.

Stil:

Die Essays sind in einem flüssigen, angenehmen Stil geschrieben und voller Anspielungen auf literarische Werke. Obwohl Parks häufig klar Stellung bezieht, tut er das angenehmerweise nicht im Gestus von jemandem, der eine allgemeine Wahrheit verkündet. Er steht selbstbewusst zu seiner Meinung, aber gesteht es dem Leser zu – oder fordert ihn sogar ein Stück weit dazu heraus – sich seine eigene zu bilden. Man fühlt sich beinahe in eine Gesprächssituation versetzt. Ich habe das Buch zwar in ein paar Stunden komplett durchgelesen, aber eigentlich bietet es sich durch seine Unterteilung in zahlreiche kurze, in sich geschlossene Essays fast mehr dafür an, es immer wieder aufzunehmen, ein oder zwei Kapitel zu lesen, und es dann wieder zur Seite zu legen.

Fazit:

Tim Parks plaudert angenehm, sachkundig und ohne Selbststilisierung über die verschiedensten Aspekte von Literatur in verschiedenen Sprachen und Kulturen und greift dabei auf die Beobachtungen zurück, die er als Autor, Kritiker, Übersetzer und Gast auf zahlreichen Literatur-Events gemacht hat. Ein unterhaltsames Buch, das zum Nachdenken anregt, und es einem dank seiner Struktur erleichtert, die Lektüre nach Belieben zu unterbrechen und wieder aufzunehmen, da die einzelnen Essays gut für sich stehen können.

 

Englischer Originaltitel: Where I’m Reading From

Übersetzung: Ulrike Becker, Ruth Keen

 

Antje Kunstmann Verlag, 2014

ISBN: 978-3-95614-130-01

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s