Steven Erikson: Memories of Ice (The Malazan Book of the Fallen Series, Book 3)

Memories+Of+Ice-die Rezension enthält kleine Spoiler für die Vorgängerbände-

Klappentext:

The ravaged continent of Genabackis has given birth to a terrifying new empire: the Pannion Domin. Like a fanatical tide of corrupted blood, it seethes across the land, devouring all who fail to heed the Word of its elusive prophet, the Pannion Seer. In its path stands an uneasy alliance: Dujek Onearm’s Host and the Bridgeburners, now outlawed by the Empress, alongside their enemies of old including the grim forces of Warlord Caladan Brood, Anomander Rake, Son of Darkness, and his Tiste Andii, and the Rhivi people of the Plains.

But more ancient clans too are gathering. As if in answer to some primal summons, the massed ranks of the undead T’lan Imass have risen. For it would seem something altogether darker and more malign threatens the very substance of this world. The Warrens are poisoned and rumours abound of the Crippled God, now unchained and intent on a terrible revenge…

 

Inhalt:

In “Memories of Ice”, das nicht chronologisch nach “The Deadhouse Gates”, sondern vielmehr weitgehend parallel dazu spielt, nimmt Erikson die in “Gardens of the Moon” (hier ein Kommentar zur exzellenten Hörbuchfassung) begonnenen Handlungsfäden von Ganoes Paran, Whiskeyjack, Dujek Onearm und Quick Ben wieder auf. Es kommen allerdings auch zahlreiche neue Figuren hinzu.

Wie der Klappentext schon sagt: Dujeks scheinbar ausgestoßene Legion und ihre einstigen Feinde wie der uralte Tiste Andii-Herrscher Anomander Rake und der Kriegsherr Caladan Brood (Figuren, die sehr viel Geschichte mit sich herumtragen) haben sich gegen die fanatischen Kämpfer der Pannion Domin zusammengeschlossen. Doch ihre Allianz wird von Lügen, Geheimnissen und Interessenkonflikten zwischen den Verbündeten bedroht.

Die Pannion Domin mit dem Pannion Seer an der Spitze ist ein beängstigender Gegner, aber letztlich auch nur das Werkzeug eines hasserfüllten Gottes, der nun, nach Jahrtausenden, die Zeit für seine Rache gekommen sieht. Erst allmählich offenbaren sich die Interessen der Götter, die die Sterblichen für ihre Zwecke einspannen. Aber auch die Vergangenheit so einiger Figuren wirft lange Schatten auf die Gegenwart.

Unter den ersten Opfern der Invasion der Pannion Domin sind die Einwohner der Stadt Capustan. Die Söldner des Kriegerkultes um den Gott Fener leisten Übermenschliches, um die Stadt zu verteidigen, aber ihre Chancen stehen schlecht.

Die „Malazan“-Reihe entwirft das komplexe Panorama einer in jeder Hinsicht reichen Welt: Geografisch ausgedehnt, reich an Geschichte, Kulturen, Magie und originellen Geschöpfen. Es ist eine Welt, die zu erklären hunderte Seiten nötig wären – was wahrscheinlich der Grund ist, wieso Erikson es gar nicht erst versucht. Viele Ereignisse aus den ersten beiden Bänden (die zusammen fast 1000 Seiten umfassen, aber rückblickend fast wie ein Prolog wirken) ergeben erst nach der Lektüre von „Memories auf Ice“ einen Sinn. Z.B. wird jetzt erst klar, was sich hinter der Zeitrechnung „Year … of Burn’s Sleep“ verbirgt. Andere Fragen hingegen bleiben offen und „Memories of Ice“ wirft auch so einige neue Rätsel auf.

 

Figuren:

„Memories of Ice“ erzählt aus vielen verschiedenen Blickwinkeln von noch mehr Figuren. Die Protagonisten sind vielfältig, vielschichtig und voller Konflikte. Einige Charaktere, die schon in den vorigen Bänden aufgetaucht sind, kommen nun als Erzähler zu Wort.

Erikson gelingt die Balance zwischen dem großen Panorama eines ewigen Krieges der Götter und den berührenden Einzelschicksalen der Menschen, die ihn ausfechten. In der düsteren, von Gewalt und Elend geprägten Welt, die er schildert, kommen der Mut, die Loyalität und das Mitgefühl vieler Figuren besonders zur Geltung. Immer wieder erlebt man die Figuren, wie sie – häufig mit grimmigem Humor – darum ringen, ihre Situation zu bewältigen, und sich weigern, nach den Regeln der Götter zu spielen. Figuren wie Anomander Rake, Caladan Brood und Quick Ben sind mächtig und geheimnisvoll, aber Eriksons eindrucksvollste Charaktere sind eigentlich die „gewöhnlichen“ Menschen – die jedoch so gut wie alle die eine oder andere gemeine Überraschung auf Lager haben, wenn es gilt, um die Dinge zu kämpfen, die ihnen etwas bedeuten.

 

Stil:

Die Sprechstile der Figuren sind vielfältig. Da sind die Sprachspiele des undurchschaubaren Kruppe, der sich in endlosen Monologen selbst beweihräuchert, die auf den ersten Blick schlichte Sprache der einfachen Soldaten, der formelle, nachdenkliche Ton der Heerführer und noch viele mehr.

Der Erzählstil ist für einen Fantasyroman ungewöhnlich: Erikson benutzt zahlreiche altmodische oder eher formelle Wörter. Seine Schilderungen sind bewegend und detailliert und transportieren sowohl dramatische Bilder als auch zutiefst persönliche Momente.

Ich habe „Memories of Ice“ auf Englisch gelesen und sehr genossen, musste aber (was selten für mich ist) hin und wieder Wörter nachschlagen. Ich würde Lesern, die sich in der Sprache nicht allzu sicher fühlen, eher dazu raten, zur deutschen Übersetzung zu greifen.

 

Fazit:

„Gardens of the Moon“ war ein gutes, unterhaltsames Buch, in dem man bereits das Potenzial der Serie erahnen konnte, „The Deadhouse Gates“ dagegen war etwas mühselige Lektüre. „Memories of Ice“ stellt für mich den bisherigen Höhepunkt der „Malazan“-Reihe dar. Der Roman hat mich beeindruckt und erschüttert. Steven Eriksons ehrgeizige Dekalogie fordert dem Leser jede Menge Vertrauen, Mitdenken und Geduld ab, immerhin gilt es, den Überblick über eine Vielzahl von Figuren und Ereignissen zu behalten und zu akzeptieren, dass Vieles zunächst einmal verwirrend und sinnlos erscheint, bis das nächste oder übernächste Buch die Erklärung liefert. Aber es lohnt sich absolut.

 

Übersetzung:

Die „Malazan Book of the Fallen“-Serie ist auf Deutsch als „Das Spiel der Götter“ erschienen, übersetzt von Tim Straetmann. Die englischen Bücher sind noch einmal gesplittet worden, allerdings nicht notwendigerweise exakt in 2 Teile, wie es aussieht. „Memories of Ice“ scheinen „Die eisige Zeit“ und „Der Tag des Sehers“ zu entsprechen.

 

Buchdaten:

Transworld, Juli 2009

Imprint: Transworld Digital

ISBN: 9781409083160

9,49 € auf Kobo

 

Rezension zu „Gardens of the Moon“ (Bd. 1)

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Ein Kommentar zu “Steven Erikson: Memories of Ice (The Malazan Book of the Fallen Series, Book 3)”

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