Jacqueline Carey: Kushiel – Das Zeichen (Kushiel-Trilogie, Buch 1)

Kushiel+-+Das+ZeichenKlappentext:

In Terre d’Ange, einem Land von alles überstrahlender Schönheit, gilt nur ein einziges Gesetz: Lebe und liebe, wie es dir gefällt! Für die junge Phèdre birgt dieses Versprechen jedoch einen Fluch – ist sie doch seit Geburt mit einem Mal gezeichnet, einem roten Pfeil in ihrem linken Auge. Anafiel Delaunay, ein Edelmann, entdeckt sie und kauft sie aus der Knechtschaft frei. Denn er erkennt in Phédres rotem Mal ein Zeichen: Getroffen von Kushiels Pfeil, ist Phèdre dazu bestimmt, im Schmerz Lust und Vergnügen zu empfinden. Am Königshof wird sie zur Kurtisane ausgebildet und entwickelt sich bald zu einer willigen Liebhaberin, aufmerksamen Beobachterin und fähigen Spionin. Als sie eines Tages zufällig von einer Verschwörung erfährt, die das ganze Königreich zu erschüttern droht, muss sie sich schnell entscheiden. Denn Phèdre hat nur eine einzige Möglichkeit, all jene zu retten, die sie liebt…

Handlung:

„Kushiel“ ist in einer Art alternativem, historischen Europa angesiedelt – der Welt, die entstanden wäre, wenn Geschichte und Mythologie sich so vermischt hätten, wie sie es in Careys Buch getan haben: Die Bewohner Terre d’Anges sind entfernte Nachkommen von Engeln und auch an anderen Orten gibt es alte Magie. Die Bewohner Terre d’Ange leben in einer Art idealisierten Renaissance, während ihre Nachbarvölker eher an die Pikten oder germanischen Stämme zur Zeit des römischen Reiches erinnern.

Die D’Angelines hängen einer Religion an, deren zentraler Inhalt Liebe in all ihren Formen ist: Alles, was mit dem Einverständnis beider Partner passiert, ist nicht nur erlaubt, sondern heilig. Deshalb genießt Phèdre, für die von frühester Kindheit an feststeht, dass sie zur Kurtisane ausgebildet werden wird, einen höheren Status, als dies in jeder anderen Kultur der Fall wäre.

In den Diensten des verschlossenen Anafiel Delaunay, erwirbt sie Fähigkeiten und Kenntnisse, die sie zur perfekten Spionin machen. Am Anfang des Buches (die Geschichte setzt ein, als Phèdre gerade einmal vier Jahre alt ist und begleitet sie beim Erwachsenwerden) versteht sie jedoch noch wenig von dem komplexen Netz aus Intrigen und Beziehungen am Hof der D’Angelines, auch wenn das Geheimnis Delaunays ihr Interesse weckt. Erst allmählich beginnt sie, zu verstehen, was um sie herum vor sich geht, und schließlich bringen Delaunays Intrigen sie in Gefahr, so dass dieser den jungen Kriegermönch Joscelin als Leibwächter für Phèdre anheuert. Sie lernt auch Melisande Sharizai kennen, von der sie sich angezogen fühlt, obwohl sie sich der Gefahr, die von der Adligen ausgeht, nur zu bewusst ist.

„Kushiel“ beginnt eher gemächlich, lässt Phèdre aufwachsen, Beziehungen knüpfen, in ihre Rolle als Kurtisane hineinwachsen und nur langsam ein Interesse für die Welt des Hofes entwickeln. Aber plötzlich kommen die Ereignisse Schlag auf Schlag: Jäh sind Phèdre und Joscelin die einzigen Zeugen einer Verschwörung, die ganz Terre d’Ange bedroht, und in einem feindseligen Land auf sich selbst gestellt. Es ist der Beginn einer langen Reise, auf der sie um ihr Überleben kämpfen, die unwahrscheinlichsten Verbündeten von ihrer Sache überzeugen und immer wieder über sich hinauswachsen müssen.

Wie der Klappentext bereits vermuten lässt, spielt gerade im ersten Drittel des Buches Erotik eine große Rolle und es gibt einige sehr explizite Szenen, aber anders, als man befürchten könnte, ist die Handlung keineswegs ein Alibi für Sex-Szenen. Vielmehr werden diese dazu genutzt, dem Leser Einblicke in die Innenwelt der Figuren zu geben und die Handlung voranzutreiben.

Figuren:

Phèdre ist die Ich-Erzählerin, die rückblickend und teilweise durchaus selbstkritisch ihre Erlebnisse beschreibt, und die im Laufe des Buches eine überzeugende Entwicklung von einem vielversprechenden, aber anfangs noch sehr selbstbezogenen jungen Mädchen zu einer klug handelnden, mutigen Frau durchläuft, die sich unglaublichen Herausforderungen stellt.

Auch Joscelin, der stolze, junge Mann, der sich seiner Verachtung für Phèdre so sicher ist und voll und ganz in seiner Rolle als Kriegermönch aufgeht, muss viel über die Welt außerhalb des Ordens, sich selbst und auch über Phèdre lernen.

Carey gibt beiden Figuren und ihrer Beziehung zueinander viel Zeit, um sich zu entwickeln. Es gelingt ihr auch, obwohl sie nur einen einzigen Blickwinkel zur Verfügung hat, über den Verlauf des Buches so viele Informationen über andere Figuren einzustreuen, dass man schließlich das Bild eines Netzwerks von über Jahrzehnte gewachsenen Beziehungen zwischen nahezu allen handelnden Charakteren vor Augen hat, ohne je über anstrengendes Info-Dumping zu stolpern.

Alle Nebenfiguren sind präzise gezeichnet, differenziert und überzeugend.

Sprache:

Phèdre erzählt in einer leicht altmodischen, an einigen Stellen minimal gestelzten Sprache (so hat sie zum Beispiel eine Vorliebe für „Fürwahr“), aber diese passt gut zu der Handlung und dem höfischen Setting. Menschen und ihre Interaktion sind sensibel beschrieben. Phèdre schwelgt auch gerne in der Beschreibung von schönen Dingen und man ist häufig bis ins kleinste Detail über ihre Garderobe informiert, aber auch das passt ausgezeichnet.

Fazit:

Carey schreibt sinnlich und spannend. Sie liefert ein durch und durch stimmiges Buch mit einer geschickt aufgebauten Handlung, einer komplexen, atmosphärischen Welt, über die man gerne mehr erfährt, und vor allem sehr gelungenen Darstellungen von Charakteren und ihren Beziehungen. Phèdre ist eine Protagonistin, die einem im Gedächtnis bleibt.

Originaltitel: „Kushiels Dart“, übersetzt von Ann Lecker

Heyne Verlag, Februar 2013

Imprint: Heyne Verlag

ISBN: 9783641135409

8,99 Euro bei Kobo

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