T. Aaron Payton: Morbus Konstantin

Morbus+KonstantinKlappentext

London ist eine Stadt im Umbruch. Eine seltsame Krankheit, die einige ihrer Opfer tötet und bei anderen eine Geschlechtsumwandlung auslöst, hat zu gesellschaftlichen Skandalen und Unruhen geführt. Technische Wunderwerke und Katastrophen wie mechanische Kurtisanen, die alchimistischen Feuer Whitechapels, elektrische Kutschen und in der Themse lauernde Säuremonster haben die Stadt unumkehrbar verändert. Der Adlige Pembroke „Pimm“ Halliday hat einem Hang zur Kriminologie, und nutzt seine scharfe Beobachtungsgabe, um sowohl der Polizei als auch Privatpersonen beizustehen … zumindest, wenn er nüchtern ist. Ellie Skyler ist eine furchtlose Journalistin, getrieben von dem Drang, die Wahrheit aufzudecken, egal wo sie sich verbirgt. Als Pimm und Skye über eine finstere Intrige stolpern, die den berüchtigtsten Verbrecherboss der Stadt mit dem neuen Geliebten der Königin, dem berühmten Wissenschaftler Sir Bertram Oswald, in Verbindung bringt, bekommen sie es mit der gehobenen Gesellschaft und der Unterwelt gleichermaßen zu tun. Können sie die Stadt vor den geheimnisvollen Ränken eines der größten Monster der Geschichte retten – und dabei den schockierenden Ursprung des Morbus Konstantin aufdecken?

Inhalt

Morbus Konstantin versammelt all die vertrauten Steampunk-Elemente (das viktorianische London mit seinen rigiden Moralvorstellungen, ausgeklügelte Apparate – einige davon in sehr überzeugender Menschengestalt -, Verbrechen, verrückte Wissenschaftler,…) und vermischt sie mit einigen originellen Ideen und recht offensichtlichen, aber trotzdem bereichernden Anspielungen auf andere Bücher wie z.B. Mary Shelleys Frankenstein, Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes und (vielleicht) auch Lovecraft.

Der mit Abstand originellste Aspekt sind aber Morbus Konstantin und die Folgen, die die Krankheit nach sich zieht. So ist z.B. Pimms bester Freund Freddy, nachdem ihn die Krankheit in eine attraktive Frau verwandelt hat, mit einer neuen Identität eine Scheinehe mit ihm eingegangen. Natürlich hat Morbus Konstantin noch deutlich weitreichendere soziale und rechtliche Konsequenzen. Die Reaktionen der Londoner Gesellschaft wirken plausibel. Einige der technisch-alchemistischen Errungenschaften sind wenig realistisch, aber in einem Buch, in dem es absolut nicht um Realismus geht, spielt das keine Rolle.

Ich finde es ein bisschen schade, dass es keinen von Morbus Konstantin betroffenen Point-of-View-Charakter gibt, da es sicher spannend gewesen wäre, zu sehen, wie er oder sie mit der Umwandlung umgeht. Andererseits hätte dies den Roman langsamer und nachdenklicher gemacht, was nicht zum Ton der Geschichte gepasst hätte. Denn „Morbus Konstantin“ ist weniger ein Buch, das sich mit philosophischen und gesellschaftlichen Fragen und den Details des Innenlebens seiner Protagonisten auseinandersetzt, sondern ein rasch fortschreitender, überdrehter und immer absurder werdender Steampunk-Krimi. „Morbus Konstantin“ funktioniert gerade deshalb, weil es sich selbst allzu ernst nimmt. Man macht sich zwar nie wirklich Sorgen um die Hauptfiguren, aber immer neue Wendungen und Enthüllungen halten das Interesse des Lesers wach.

Figuren

Pimm und Ellie sind beide sehr sympathische Figuren, die sich gegen die Konventionen der Gesellschaft stellen und sich allen Herausforderungen gewachsen zeigen. Auch Pimms Freund Freddy geht überraschend gut mit seinem neuen Geschlecht um. Dann ist da noch Adam, ein immer maskierter Wissenschaftler, dessen wahre Identität schnell deutlich wird und der verzweifelt versucht, seiner Einsamkeit zu entkommen. Und schließlich noch das verrückte Genie, dessen umfassenden Plan die Protagonisten vereiteln müssen – eine bewusst überzeichnete Figur. Die Figuren handeln alle konsequent und im Einklang mit ihrem Charakter, haben aber eher wenig Tiefe.

Stil

Sprachlich ist „Morbus Konstantin“ eher einfach gehalten und auch das Innenleben der Figuren wird wenig nuancenreich geschildert. Dafür ist der Stil gut für die temporeiche Handlung geeignet. Durch zahlreiche absurde Wendungen entsteht viel Situationskomik.

Fazit

Morbus Konstantin ist ein bis zum Ende hin spannendes Buch, das einen vielleicht nicht emotional in seinen Bann zieht oder zum Nachdenken anregt, aber dafür Spaß macht. Viele Ereignisse und Figuren wirken überzeichnet – fast ein wenig, als habe der Autor mehrere Steampunk-Romane gelesen und dann versucht, mehr oder weniger jedes identifizierte Steampunk-Element (teilweise in übertriebener Form) zusätzlich zu seinen eigenen Ideen in seinem Buch unterzubringen und das Ganze dann ein wenig augenzwinkernd zu erzählen.

 

Englischer Originaltitel: The Constantine Affliction (ich konnte leider nicht herausfinden, wer das Buch übersetzt hat)

 

Feder & Schwert, September 2013

ISBN: 9783867621892

Sprache: Deutsch

8,99 Euro bei Kobo

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