Eindrücke von der Leipziger Buchmesse (19.03.16)

IMG_0668Mein diesjähriger Buchmessebesuch war von Staus eingerahmt: Es ließ sich weder auf den Parkplatz der Messe noch von diesem heruntergelangen, ohne dafür stundenlange Wartezeiten in Kauf zu nehmen – allerdings angenehm verkürzt durch gute Gesellschaft und den Anblick unzähliger bunter Cosplayer auf dem Weg zur ComicCon, die in Halle 1 stattfindet.

Die war auch mein erstes Ziel. Bunt und wuselig bot sie alles, was das Herz des Manga- oder Comicfans begehrte und auch einige Dinge, bei denen ich mir nicht so recht vorstellen kann, dass irgendjemand sie haben will (andererseits bin ich kein Maßstab: Dass sich Actionfiguren gut zu verkaufen scheinen, zeigt, dass andere Leute im Gegensatz zu mir einen Sinn in ihnen sehen).

IIMG_0664n der großen, hellen Mittelhalle hatten die großen Fernseh- und Radiosender ihre Stände und wer die hohen Preise in Kauf nahm, konnte sich an vielen verschiedenen Ess-Ständen stärken. An den Seiten der Halle hatten sich wie jedes Jahr erschöpfte Cosplayer niedergelassen und erlaubten es sich, aus der Rolle zu fallen, so dass zum Beispiel ein Harry Potter mit Selfie-Stick zu sehen war (ein ziemliches Downgrade von einem Zauberstab, aber hey…). Ich wollte ursprünglich mehr Fotos machen, aber hatte einfach keine Lust. Ich habe es viel zu sehr genossen, das bunte Gewusel auf mich wirken zu lassen.

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Zeit und Raum zum gemächlich in Büchern zu schmökern gab es eher keinen. Der Andrang war einfach zu kurz und gerade an den Ein- und Ausgängen zu den Hallen war es oft unbehaglich eng zwischen all den Menschen. Dennoch gab es auch die Möglichkeit, sich ein wenig Ruhe zu gönnen. In der Fantasy-Leseinsel ließ sich das mit dem Genuss hochkarätiger Veranstaltungen verbinden.
IMG_0667Bei den Autoren, die dort lasen, ließ sich gut erkennen, wer bereits Erfahrung mit solchen Veranstaltungen hatte. Während die neueren Autoren sich eher nervös an ihre mitgebrachten Kapitel klammerten, plauderten Profis wie Peter V. Brett oder Bernhard Hennen entspannt mit ihrem Publikum und übersprangen den Lesung-Teil teilweise sogar gänzlich zugunsten des Gesprächs.

Bernhard Hennen präsentierte den Abschluss seiner Drachenelfen-Saga und las einen geschickt gewählten 3-Minuten-Ausschnitt vor. Obwohl auf den ersten Blicke eine grotesk-komische Szene über einen Kobold und einen Troll, die verzweifelt versuchen, ihr abstürzendes magisches Vehikel unter Kontrolle zu bringen, weckte sie doch jede Menge Neugier: Warum liegen da unten tote Drachen und abgetrennte Tentakel herum?

Der Autor hatte auch einiges interessantes über die Welt(en) seiner Elfenromane, seine Zeit als Autor für das Rollenspiel DSA und den Kontakt mit seinen Lesern zu erzählen und berichtete auch selbstironisch von Pannen wie dem versehentlichen „Recyceln“ eines Namens aus einem seiner DSA-Bücher für Drachenenelfen.

Auch Peter V. Bretts Auftritt war sehr überzeugend. Der Autor der Demon-Cycle-Reihe (Deutsche Titel: Das Lied der Dunkelheit, Das Flüstern der Nacht, Die Flammen der Dämmerung, Der Thron der Finsternis) hatte kluge, freundliche Antworten auf alle Fragen des Publikums und auch ich konnte meine Frage loswerden, wie man einen Fantasy-Roman zusammenfasst, ohne dass es einfach nur merkwürdig klingt (auf die Charaktere und ihre Motivation konzentrieren).

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Zwischen solchen etablierten Autoren, die oft stundenlang nicht von den Signiertischen wegkamen, hatten auch Newcomer ihre Auftritte, darunter die Gewinnerin des Preises für das beste Indie-Buch, den die Phantastische Akademie und Neobooks ausgeschrieben hatten und die ein vielversprechend klingendes Kapitel aus ihrem Debüt vorlas (dem man jedoch anmerkte, dass sie, wie sie vor der Lesung zugab, vor Einsendeschluss keine Zeit für eine Überarbeitung hatte).
Andere Lesungen konnten mein Interesse weniger fesseln, und das nicht nur, weil sie mit 5 Hallen voller Ablenkungen konkurrieren mussten. Dennoch war und ist die Fantasy-Leseinsel mein Lieblingsplatz auf der Messe. Ich war auch viel an den Ständen der kleineren Verlage in ihrem Umkreis unterwegs und bin so auf Bücher aufmerksam geworden, die mir sonst vollkommen entgangen wären, da sie es selten in die großen Buchhandlungen schaffen.

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Alles in allem hat die Messe den Besuch auf jeden Fall gelohnt. Hier noch ein paar praktische Tipps für Messebesucher: Bequeme Schuhe und Wasserflasche und eventuell etwas zu essen einstecken (in den Messehallen selbst ist das Essen überteuert, häufig nicht so gut und oft auch mit langem Schlange-stehen verbunden) und auf jeden Fall die Seite der Messe nutzen, um vorher herauszufinden, welche Veranstaltungen es gibt, sich aber trotzdem Zeit zum Stöbern lassen.

(Übrigens: Falls ihr euch über das Foto mit den Normalos wundert, die neben den Cosplayern oder der Banner-und-Gewusel-Totale etwas deplatziert wirken: Das in der Mitte bin ich).

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