Daniel Illger: Skargat – Der Pfad des schwarzen Lichts (Buch 1)

SkargatKlappentext:

Schatten über Ahekrien. Die Gespensterhorde des Schwarzen Jägers reitet durch die Nacht. Das Böse erwacht und zieht immer mehr skrupellose Helfer in seinen Bann. Es bedroht nicht nur das Dorf, in  dem die Freunde Mykar und Cay aufwachsen, sondern das ganze Land.

 

Inhalt

„Skargat“ spielt in einer High-Fantasy-Welt, die vage an das mittelalterliche Mitteleuropa erinnert, auch in der Wahl der Mythen und Geisterlegenden, auf denen einige der Gestalten aus dem Buch basieren.

Das Buch beginnt in einem kleinen Dorf im Wald. Als „Kind der bösen Ernte“ ist Mykar seit frühester Kindheit ein Ausgestoßener. Schließlich wird er für einen Ritualmord erschlagen, den er nicht begangen hat. Doch als sein einziger Freund Cay eines Verbrechens angeklagt wird, kehrt er von den Toten zurück und bewegt sich von da an zwischen den Welten. Nun ist er stärker als gewöhnliche Menschen und kann Geister sehen.

Entschlossen, Cays Unschuld zu beweisen, macht er sich auf den Weg in die Stadt, in welcher dieser gefangen gehalten wird. Unterwegs liest er den heruntergekommenen Adligen Justinius und dessen verrückte Magd Scara auf. Ohnehin dabei hat er den Schädel Danjes, einer als Kind ermordeten Hexe, zu deren Geist er eine sonderbare Verbindung hat. In der Stadt lernt er Vanice kennen, die schöne Nachkommin einer alten Händlerfamilie, die immer wieder von übermächtigem Hunger auf verwesendes Fleisch überwältigt wird.

Die ungewöhnlichen Gefährten stellen Nachforschungen an und finden heraus, dass der Tod des Adligen, den Cay ermordet haben soll, Teil eines größeren Plans ist und mächtige Geisterwesen ihre Finger im Spiel haben.

„Skargat“ ist zwar nicht so ausgewiesen, aber scheint der erste Band einer Reihe zu sein, da das Ende des Buches unbefriedigend offen ist und der entscheidende Konflikt ungelöst bleibt.

Die Regeln, denen das übernatürliche Geschehen in der Welt von „Skargat“ folgt, bleiben diffus, aber im Falle dieses Buches funktioniert das sehr gut, weil die Geisterwelt, die keine der Figuren so richtig kennt, eben mysteriös und unheimlich wirken und Erinnerungen an Mythen und Sagen wachrufen soll.

 

Figuren

Zu Beginn des Buches ist Mykar ein naiver, unglücklicher Dorfjunge, der sich nichts weiter als ein wenig Akzeptanz wünscht. Sieben Jahre unter der Erde, in denen zwar sein Körper an Stärke gewinnt, er aber wenig Gelegenheit zum Lernen hat, tragen nicht gerade zu seiner Entwicklung bei. Nach seiner Rückkehr braucht er eine Weile um sich in den Welten der Menschen und Geister orientieren zu lernen. Trotz der Ablehnung, die er erfahren hat, ist Mykar letztlich ein gutherziger Mann, dem die Rettung Cays alles bedeutet. Selbst als er, frisch aus dem Grab zurückgekehrt, mit verblüffender Effektivität und ohne zu zögern tötet, macht er nicht den Eindruck, dafür voll zurechnungsfähig zu sein. Erst später im Buch, als er mehr über seine Feinde erfährt und diese seine Freunde verletzen, erhält seine Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit eine deutlich rachsüchtigere Komponente. Am Ende des Buches fragt man sich, ob seine weitere Entwicklung ihn nicht den bösartigen Geistern ähnlich machen wird, die er jagt.

Bei seiner Familie in Ungnade gefallen lebt Justinius im Wald, trinkt und tut sich selbst Leid. Zusammen mit ihm lebt seine Magd Scara, deren Wahrnehmung der Realität extrem verzerrt scheint und mit der sich Justinius endlose Streitgespräche liefert. Justinius ist in der ersten Hälfte des Buches eine ziemlich erbärmliche Gestalt, sich selbst gegenüber aber wenigstens schonungslos ehrlich, was das betrifft. Im Laufe der Geschichte entwickelt er sich aber und man erfährt, dass er, obwohl nach außen hin vulgär und abweisend, letztlich doch eine integre Figur ist, die sich im Laufe des Buches von einem selbstmitleidigen Trinker zu einem tatkräftigen Mann entwickelt. Es stellt sich auch heraus, dass seine Desillusionierung und Selbstaufgabe ihre Gründe hatten.

Auch Vanice ist eine interessante Figur, die erst im letzten Drittel des Buches als Point-of-View-Charakter eingeführt wird, obwohl sie schon lange vorher auftaucht, so dass die Geheimnisse um sie erst später gelüftet werden. Rückblenden in ihre Vergangenheit zeigen die Entwicklung, die sie bereits durchlaufen hat.

 

Stil

Das Buch wird aus der Perspektive dreier Ich-Erzähler (Mykar, Justinius und Vanice) erzählt, die alle ihre ganz eigene Stimme haben. Dadurch und da es nur drei Erzähler gibt, verliert man nie den Überblick darüber, wer spricht und die Sprache bringt einem die einzelnen Charaktere noch einmal näher.

Einschübe erzählen von ihren Feinden wie zum Beispiel der Schwarzen Horde, dem bösartigen Geistergefolge des Schwarzen Jägers und rufen, wie nahezu alle Schilderungen des Geschehens in der Geisterwelt, geschickt Assoziationen an Mythen, Märchen und Aberglauben wach.

Der Stil ist leicht zu lesen und der Handlung und Denkweise der Protagonisten angemessen.

 

Fazit

Ich habe ein wenig gebraucht, um in „Skargat“ hineinzufinden, weil mich Mykar als Protagonist zunächst nicht fesseln konnte. Aber das gilt nur für die ersten paar Kapitel. Anders als viele High-Fantasy-Romane setzt „Skargat“ nicht auf eine Vielzahl von Figuren und Orten, sondern erzählt von einem relativ kleinen Figurenkreis. Das Worldbuilding ist einerseits relativ reduziert, andererseits werden die Informationen auf gelungene Weise eingestreut und das Setting ist gerade deshalb interessant, weil vieles vertraut erscheint, einem aber nicht üblicherweise in einem High-Fantasy-Kontext begegnet. Das Buch wird stetig spannender, auch gerade dadurch, dass neue Informationen, die die Figuren erhalten, der Handlung immer wieder überraschende Wendungen geben. Allerdings ist das Ende sehr offen und dadurch ziemlich unbefriedigend, auch wenn es zweifellos Neugier auf die Folgebände weckt.

Klett-Cotta, Februar 2015

ISBN: 9783608107685

Sprache: Deutsch

13,99 Euro bei Kobo

 

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