Horus W. Odenthal: Ninragon – die standhafte Feste (Ninragon-Trilogie, Buch 1)

Ninragon-+Die+standhafte+FesteKlappentext

Darachel, ein Ninra, Angehöriger einer uralten, weltabgewandten Rasse, die sich in ihre abgelegenen, gewaltigen Festungen zurückgezogen hat, findet einen schwerverletzten Menschen, der ihm die Geschichte seines Lebens erzählt.

Es ist die Geschichte von Auric dem Schwarzen, der dachte, nur um sein eigenes Leben und Schicksal zu kämpfen, sich aber unversehens in etwas viel Größeres, Dunkleres und Weitreichenderes verstrickt sieht.

Egal, wie die Zeit aussieht, in der wir leben, egal mit welchen Waffen wir kämpfen und wie die Städte aussehen, in denen wir leben, immer vergessen wir allzu leicht, dass unsere Gegenwart wenig mehr ist, als die uns sichtbare Oberfläche eines gewaltigen Ozean, der uns trägt, und in dem, uns unsichtbar, die Schatten und Mahre der Vergangenheit hausen.

 

Inhalt

Die Geschichte beginnt damit, dass Darachel und eine Gruppe anderer Ninrae einen verletzten Menschenmann findet und gleich darauf von einem Monster attackiert wird. Sie bringen den Menschen – Auric – in ihre Festung, wo dieser beginnt, Darachel seine Lebensgeschichte zu erzählen: Bei dem Barbarenvolk der Skrimaren aufgewachsen musste er von seinem vierzehnten Lebensjahr an in ebenso sinnlose wie brutale Kämpfe mit Nachbarstämmen ziehen. Schließlich versucht er, dieses Leben hinter sich zu lassen und zieht in die Hauptstadt des idirischen Imperiums, um dort zu studieren, doch endet schließlich wieder in diversen Truppen, die in endlosen Kämpfen Aufstände in Provinzen niederschlagen oder das Reich gegen das wilde Elfenvolk der Kinphauren zu verteidigen.

Die Elfen sind bei Odenthal einer der Pluspunkte des Buches: Egal ob weltabgewandte Ninrae oder wilde, teilweise zu exotischen, halbmechanischen Monstern gewordene Kinphauren – sie alle haben eine sehr eigene Kultur und Denkweise, die wirkungsvoll und originell beschrieben sind und gerade deshalb so gut funktionieren, weil der Leser sie mit demselben Unverständnis betrachtet wie Auric.

Der Erzählstrang in der Gegenwart wird teilweise aus der Sicht Darachels erzählt und spielt in der Festung der Ninrae, die sich dort auf die sogenannte „Aszension“ vorbereiten und sich auf eine nahezu unverständliche Art und Weise über etwas austauschen, was Magie sein könnte oder nur eine gänzlich andere Wahrnehmung der Welt. Es scheint sich aber auch ein Konflikt zwischen Darachel und seinen Freunden und anderen Ninrae anzubahnen.

Aber es sind Aurics Erzählungen, die das Buch ausmachen, und so ist es primär ein Buch über Krieg. Die Feinde wechseln (wie gesagt sind einige sehr schöne Monster dabei), gelegentlich sterben Verbündete und werden von anderen ersetzt, aber die Sache an sich ändert sich nie. Auric ist auch die meiste Zeit über ein einfacher Soldat, der mitten im Geschehen steckt und zwar die traumatische Realität des Krieges (und deren Auswirkungen auf ihn selbst und seine Kampfgefährten) erfährt, aber wenig über dessen Hintergründe. Auch seine Beziehungen zu anderen Figuren sind eher oberflächlich. Das führt dazu, dass zwar einerseits nahezu ununterbrochene Action herrscht, man sich als Leser aber trotzdem unweigerlich langweilt.

Sowohl in Aurics Rückblenden als auch in der Gegenwart bei den Ninrae passiert relativ wenig wirklich Neues, auch wenn einige Wendungen am Ende darauf hindeuten, dass sich das im Folgeband ändern wird.

 

Figuren

Eigentlich lohnt es sich in dieser Kategorie nicht, andere Figuren als Auric und Darachel zu beschreiben. Darachel ist eine Art Mittlerfigur, da er der Welt zugewandter als andere Ninrae ist und daher für Menschen ein wenig verständlicher. Trotzdem vermittelt seine Denkweise gut die grundsätzliche Fremdheit dieser Spezies.

Auric ist ein von einem harten Leben gezeichneter Charakter. Gebildet und sehr reflektiert sehnt er sich vor allem nach Wissen und Zivilisation, aber letztlich verschlägt es ihn immer wieder in den Krieg und selbst, als er die Chance dazu hat, findet er nicht den Weg in das normale Leben, das er eigentlich wollte.

 

Stil

An sich ist „Ninragon“ (zumindest der intradiegetische Teil) die klassischste Fantasygeschichte, die man sich vorstellen kann: Ein Mann mit Schwert zieht durch die Gegend und bekämpft wechselnde Feinde. Wodurch sich das Buch allerdings abhebt, sind zum einen einige Details des Worldbuilding, zum anderen aber die Sprache: Erzähler und Figuren (es ist immer in der 3. Person geschrieben) bedienen sich langer, komplexer Sätze und teilweise eines beinahe akademisch anmutenden Vokabulars, das sich aber gelegentlich mit Umgangssprache und sogar Anglizismen abwechselt (gelegentlich wirken auch einige der deutschen Sätze wie eins zu eins übersetzte englische Formulierungen), was einen befremdlichen Effekt hat. Es wird nahezu unmöglich, wirklich in die Handlung einzutauchen.

Die Sprache der Ninrae ist wiederum interessant, weil sie häufig mit Begriffen operiert, deren Bedeutung man als Leser nur erahnt oder die einem vollkommen schleierhaft bleibt. Das ist ein netter realistischer Aspekt, denn eigentlich ist es zu erwarten, dass Jahrhunderte lang lebende, seit Jahren abgeschottete und mit sonderbaren Geistwesen beschäftigte Elfen sich anders entwickeln und anders kommunizieren als Menschen.

 

Fazit

Aurics Erzählung wird zwar durch seine Selbstreflektion, die ungewöhnliche Erzählsprache, die man mögen kann oder auch nicht, und seine Begegnungen mit den Kinphauren von einer Standard-Fantasy-Erzählung in etwas deutlich Interessanteres umgewandelt, doch das ändert nichts daran, dass das Buch größtenteils nur aus einer scheinbar sinnlosen Abfolge von Kämpfen besteht, statt eine echte Handlung zu haben.  Der erste Teil der Ninragon-Trilogie scheint wie der Versuch, auszutesten, was man durch die Änderung einiger wichtiger Details aus einem Fantasy-Roman machen kann und fordert einige der ungeschriebenen Regeln des Genres heraus, was den Stil betrifft – ein lobenswertes, aber leider misslungenes Experiment.

Horus W. Odenthal, Juni 2012

ISBN: 1230000544283

Sprache: Deutsch

 

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