Tad Williams: The Dirty Streets of Heaven (Bobby-Dollar-Trilogie, Buch 1)

The+Dirty+Streets+of+HeavenKlappentext

BOBBY DOLLAR ISN’T YOUR AVERAGE ANGEL. Sure, he takes the occasional trip to Heaven, but his job as an advocate – arguing the fate of the recently deceased – keeps him pretty busy on Earth, and he’s more than happy to spend the rest of his time propping up the bar with his fellow immortals. Until the day a soul goes missing, presumed stolen by ‚the other side‘. A new chapter in the war between heaven and hell is about to open. And Bobby is right in the middle of it, with only a desirable but deadly demon to aid him.

 

Inhalt

Nach dem er mit den beiden Tetralogien “Memory, Sorrow and Thorn” und “Shadowmarch” ziemlich überzeugende High Fantasy in der Tradition Tolkiens abgeliefert hat (was nicht heißt, dass er Tolkien kopiert hätte, sondern, dass er viel Zeit auf eine Vielzahl von Charakteren und vor allem komplexes, subtiles Worldbuilding mit jeder Menge Geschichte, Mythologie und verschiedenen, liebevoll gestalteten Spezies und Kulturen verwendet hat), beweist Williams mit „The Dirty Streets of Heaven“, dass er auch in einem Genre schreiben kann, welches grundlegend anders funktioniert.

Im Zentrum steht Bobby Dollar, ein relativ unbedeutender Anwaltsengel. Seine Aufgabe ist es, Verstorbenen beizustehen, wenn ein himmlischer Richter die Wahl zwischen Seligkeit und Verdammnis trifft. Obwohl Bobby seine Rolle ernst nimmt (der zweite Teil der Serie, in dem die Hölle erschöpfend geschildert wird, macht nur zu deutlich, wovor er seine Mandanten zu bewahren versucht), hat er aber auch Erfahrungen gemacht, die sein Vertrauen in seine Vorgesetzten im Himmel erschüttert haben.

Williams nutzt eine chronologisch in der Mitte des Buches verortete, actionreiche Schlüsselszene, um mit einem furiosen Einstieg das Interesse des Lesers zu wecken, und erzählt dann von ihrer Vorgeschichte und ihren gewichtigen Konsequenzen.

Der chronologische Beginn des Buches ist eine Häufung seltsamer Ereignisse: Seelen beginnen spurlos zu verschwinden, ein Dämon wird auf mehr als einer Existenzebene ermordet, ein uraltes Monster macht Jagd auf Bobby und mehrere seltsame Gestalten versuchen ihm ein Artefakt abzukaufen, von dessen Existenz er noch nie gehört hat. Als dann auch noch die Dämonin Caz auf der Bildfläche erscheint, ist das Chaos komplett.

Die Schauplätze des Buches sind die fiktive Stadt St. Jude und der Himmel – beide (und Bobbys – in letzterem Fall ziemlich kompliziertes – Verhältnis zu ihnen) werden sehr atmosphärisch beschrieben. Auch wenn Williams in seinen Beschreibungen von Himmel und Engeln an Vertrautes anknüpft, bringt er, teils durch Worldbuilding-Entscheidungen, teils durch Bobbys trockene, bissige Betrachtungsweise, einiges Neues ein.

 

Figuren

Wie der Klappentext schon sagt, ist Bobby ein eher ungewöhnlicher, sehr menschlicher Engel. Er ist misstrauisch, gelegentlich selbstmörderisch impulsiv und dabei, ein ernsthaftes Alkoholproblem zu entwickeln. Trotzdem handelt es sich bei ihm um eine sehr sympathische Figur. Im Gegensatz zu vielen anderen Engeln neigt er dazu, alles zu hinterfragen. Er ist seinen Freunden gegenüber absolut loyal und vor allem ein unterhaltsamer Erzähler.

Auch die anderen Figuren um ihn herum sind sorgfältig gestaltet. Da sind seine Freunde, andere Anwaltsengel, der Anfänger Harrison Ely (der zu seinem Leidwesen meist mit anderen Namen bedacht wird) und der trotz seine Unbeholfenheit eine eher undurchsichtige Rolle spielt, und vor allem die Dämonin Caz. In ihrer Beziehung mit Bobby gibt es ebenso viel Leidenschaft wie Misstrauen und sie wird später zu einer wichtigen Handlungsmotivation für ihn. Trotzdem ist Caz nicht nur ein Schritt in Bobbys Entwicklung, sondern mit ihrer sonderbaren Mischung aus Verletzlichkeit, Kalkül und allgemeiner Intensität ein markanter, lebendiger Charakter, der eigentlich sein eigenes Buch tragen könnte.

 

Stil

Der gesamte Roman wird aus der Perspektive Bobbys erzählt. Als sarkastischer, immer zu schrägen Vergleichen und zynischen Kommentaren aufgelegter, aber auch introspektiver und nachdenklicher Ich-Erzähler, gelingt es ihm, die Geschichte in umgangssprachlichem, oft betont leichtem Ton zu erzählen. Dabei klingt er aber nie aufgekratzt oder gekünstelt oder nimmt Ereignissen etwas von ihrer emotionalen Wucht.

Die Geschichte schreitet sehr schnell (an einigen Stellen geradezu hektisch) voran, mit jeder Menge Action in allen Formen, aber auch einiger klassischer Ermittlungsarbeit und einsamen Abenden.

 

Fazit

„The Dirty Streets of Heaven“ wartet mit einem Weltentwurf auf, der auf interessante Weise die allerklassischsten Vorstellungen von Himmel und Hölle mit neuen Ideen mischt. Ein rasanter, teilweise ziemlich witziger Urban-Fantasy-Roman mit Krimi-Elementen.

Auf Deutsch als „Die schmutzigen Gassen des Himmels“ erschienen

Hodder & Stoughton, September 2012

Imprint: Hodder & Stoughton

ISBN: 9781444738599

Sprache: Englisch

8,49 Euro auf Kobo

 

 

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