Matthias Matting: Meltworld Shanghai

Meltworld+ShanghaiKlappentext

Shanghai. Eine brodelnde, undurchschaubare Metropole, deren Anziehungskraft sich niemand entziehen kann. Ein Moloch, der sich schleichend verändert: Wer hat alle Schatten verkürzt? Warum weht der Wind ständig auf die Stadt zu? Welche unsichtbaren Fäden ziehen verirrte Seelen in das Straßengewirr? Woher kommt die Welle unmenschlicher Gewalt, deren auf Zeitungspapier getrocknete blutige Gischt die 16-jährige Hannah Harlof seit einiger Zeit in ihrer Facebook-Chronik postet?

Die Berlinerin, die erst seit kurzem mit ihren Eltern in Shanghai lebt, muss sich hier nicht nur einer neuen, komplizierten Sprache stellen. Sie erlebt uralte chinesische Traditionen und seltsame Rituale einer neuen Oberschicht. Sie erforscht düstere Schauplätze wie aus einer Alptraumversion ihrer Heimatstadt. Hannah stürzt in eine unmögliche Liebe, sie verschmilzt mit der „Meltworld Shanghai“ – doch mehr als das: Ahnungslos treibt sie die ewige Vorherrschaft des absolut Bösen in der Welt der Menschen voran.

 

Inhalt

Hannah ist alles andere als glücklich über ihren Umzug nach Shanghai. Und dann fallen ihr auch noch beunruhigende Phänomene auf: Schatten, die ihre Länge ändern; sonderbare schwarze Schmetterlinge; Heuschreckenschwärme, die aus dem nichts zu kommen scheinen; jähe, scheinbar grundlose Explosionen von Gewalt.

In einer alten Bibliothek trifft sie Hiro, einen Dämon aus einer sonderbaren Unterwelt, die mehr und mehr mit dem realen Shanghai verschmilzt. Um die Bedrohung abzuwenden, wurde er losgeschickt, um einen gefährlichen, ebenfalls in einem menschlichen Wirt steckenden Artgenossen töten.

Überraschenderweise nimmt Hannah die Offenbarung, dass er ein Dämon ist, der den bisherigen Besitzer des Körpers getötet hat, nahezu achselzuckend hin und unterstützt ihn bei seinem Auftrag. Die beiden verlieben sich ineinander.

Ein recht unwahrscheinlicher Zufall führt sie zu zwei außergewöhnlichen Gestalten, die ihnen verblüffend schnell ihr Vertrauen schenken und ihnen einen (riskanten) Weg zu ihrem Ziel eröffnen.

Im Laufe der Handlung erfährt man Stück für Stück mehr über Xiadi, die sonderbare Welt der Dämonen, vor allem aber über Shanghai, welches der Autor gut kennt. Die Geschichte selbst wirkt auf das Wesentlichste reduziert: wenige Figuren, ein Handlungsstrang, keine falschen Fährten, viel zusammenfassendes Erzählen. Dafür zeichnen detaillierte, atmosphärische Schilderungen ein schillerndes Bild von Shanghai, seinen vielen Gesichtern und Bewohnern und auch der bewegten Geschichte Chinas. Viele der Figuren, mit denen Hannah und Hiro in Kontakt kommen, sind alt genug, um viele – teilweise sehr schockierende – Geschichten zu erzählen zu haben.

 

Figuren

Hannah ist eine glaubwürdige Jugendliche, die alle möglichen normalen Dinge tut. Als begeisterte Künstlerin nimmt sie ihre Umwelt ungewöhnlich sensibel wahr. Als sie sich in Hiro verliebt und in die Auseinandersetzungen der Dämonen hineingezogen wird, stellt sie sich als tatkräftig und mutig heraus. Vielleicht schenkt sie ihm ein wenig zu schnell Vertrauen.

Hiro beginnt die Geschichte als ein Dämon, dessen Denken und Handeln wenig Menschliches an sich hat, aber das ändert sich sehr schnell. Die Figur, zu der er durch diesen Prozess wird, ist zwar deutlich sympathischer als der Hiro am Anfang des Buches, aber weniger interessant. Trotzdem erlebt man ihn in der Mitte des Buches noch einmal als „Dämon“.

Alles in allem sind aber sowohl er als auch Hannah meist Figuren mit großem Identifikationspotential.

Zwei weitere Gestalten sind „Es“ und die Katze, zwei verirrte Seelen in Tierkörpern, die auch eine Rolle zu spielen haben. Ihre Perspektive trägt sehr zu dem Buch bei, weil sie sich radikal von der der anderen Figuren unterscheidet.

 

Stil

Der Stil wirkt stellenweise eher berichtend und zusammenfassend, als dass er die Ereignisse und das Innenleben der Figuren wirklich zeigt. Die Sprache ist nur dann bemerkenswert, wenn es um die Beschreibung der Orte oder die Übergänge zwischen den Welten und die veränderte (oft synästhetische) Wahrnehmung anschließend geht. Den Charakteren fallen einige Dinge in den Schoß, aber es gibt nichtsdestotrotz auch Momente der Ungewissheit. Ein weiterer Faktor, der die Spannung aufrechterhält, ist die Neugierde auf die Welt, in der die Geschichte spielt.

 

Fazit

Meltworld Shanghai ist eine kurze, unterhaltsame Geschichte mit interessantem Worldbuilding und sympathischen Figuren. Die Handlung selbst wirkt sehr reduziert und weist einige sehr unwahrscheinliche Zufälle auf, aber der gut geschilderte, exotische und facettenreiche Schauplatz gleicht vieles aus und wirkt beinahe selbst wie ein faszinierender Charakter.

AO Edition,

April 2013

ISBN:1230000126330

Sprache:Deutsch

2,99 Euro auf Kobo

 

 

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