Brent Weeks: Am Rande der Schatten (Schatten-Trilogie, Buch 2)

Am+Rande+der+SchattenKlappentext

Die Ausbildung zum Assassinen hat sich für den ehemaligen Gassenjungen Azoth als überaus schmerzhaft erwiesen, denn sein einstiger Lehrer Durzo Blint und sein bester Freund Logan sind den Machenschaften des Gottkönigs von Khalidor zum Opfer gefallen. So ist es kein Wunder, dass Azoth seiner Profession den Rücken gekehrt hat. Doch dann hört er das Gerücht, dass Logan noch am Leben sein soll und sich versteckt. Und so muss Azoth sich der Frage stellen, ob die Schatten einen jemals wieder loslassen, wenn man sich erst einmal in sie hineinbegeben hat …

 

Inhalt

Die Khalidori haben die Hauptstadt Cenarias eingenommen und herrschen dort als rücksichtslose Besatzungsmacht. Etwas entfernt sammeln sich wenigen überlebenden Adligen und ein Rebellenheer, um dem Gottkönig entgegenzutreten, und auch die Sa’Kagé, die Anführer der Banden Cenarias, wollen die Khalidori nicht mehr länger dulden.

Azoth/Kylar aber will mit dem ganzen nichts zu tun haben. Zusammen mit seiner geliebten Elene und dem Mädchen Uly, dass ihnen mehr oder weniger zur Tochter geworden ist, zieht er sich in ein abgelegenes Dorf zurück. Er ist fest entschlossen, weder von seiner Ausbildung zum Attentäter noch von seinen neuen magischen Kräften Gebrauch zu machen.

Aber da taucht ein alter Freund auf und berichtet ihm von der Chance, seinen Freund Logan zu retten. Dieser könnte Anspruch auf den Thron erheben und das Land vielleicht nicht nur von der Herrschaft der Khalidori sondern auch von der bisher allgegenwärtigen Ungerechtigkeit und Korruption befreien. Und natürlich kommt es für Kylar nicht in Frage, seinen Freund im Stich zu lassen.

Doch auch der Gottkönig ist nicht untätig. Er baut nicht nur mächtige militärische und magische Verteidigungslinien auf, sondern schickt auch die Attentäterin Vi aus, um die Schlüsselfiguren des Widerstands auszuschalten. Wie Kylar hasst Vi ihre Profession, aber es ist nicht leicht, sich der Kontrolle des Gottkönigs zu entziehen.

Der Kampf zwischen Cenaria und Khalidor und seine Protagonisten haben die Aufmerksamkeit anderer Mächte geweckt. So gehen der Prophet Dorian und seine Freunde Solon und Feir nun getrennte Wege, um eine schreckliche Vision Dorians abzuwenden. Feir trägt dabei eines der bedeutendsten magischen Artefakte der Welt mit sich, das nicht in falsche Hände fallen darf.

Und auch Ariel, eine Schwester der Chantry, eines einflussreichen Ordens von Zauberinnen, tritt auf den Plan und versucht, Kylars und Vis Schritte im Sinne ihres Ordens zu lenken.

Ariel und die ganze Schwesternschaft der Chantry treten sehr plötzlich auf den Plan, genau wie die Schwertfürsten der Sa’Ceurai und die Vertreter diverser anderer Parteien und Kulturen. Hier sind zwar sehr viele interessante Ideen eingeflossen. Auch werden die verschiedenen Orte und Kulturen durch spärliche, aber geschickt gewählte Details gut zum Leben erweckt, aber diese Ausweitung der Welt kommt sehr plötzlich. Außerdem wirken die Handlungsstränge um Dorian, Feir und Solon wirken ein wenig losgelöst vom Rest der Handlung. Insgesamt fühlt sich „Am Rande der Schatten“, obwohl der Roman genau da ansetzt, wo sein Vorgänger aufhört und die Figuren sich treu bleiben, nicht so an, als wäre er Teil desselben Ganzen wie „Der Weg in die Schatten“.

Darüber hinaus macht es das Buch zwar ein realistisch, aber stellenweise auch frustrierend zu lesen, dass ein Großteil der sehr schweren Verluste, die die Hauptfiguren erleiden, auf Unwissenheit oder Fehlentscheidungen Kylars zurückgehen.

 

Figuren

Kylar, der aufrichtig versucht, ein besserer, friedlicherer Mensch zu werden, zugleich aber nur mit Mühe dem Rausch der Macht, den ihm das Töten bringt, und dem Bedürfnis, die Welt gewaltsam in Ordnung zu bringen, widersteht, ist keine der außergewöhnlichsten Figuren der Fantasy. Dafür ist er mit seiner Mischung aus guten Absichten, coolen Fähigkeiten, Fehlbarkeit und Selbstkritik ein sehr sympathischer Charakter.

Sein Freund Logan ist, obwohl die Ereignisse des Buches ihn an seine Grenzen treiben, noch immer der geborene König: Ehrenhaft, willensstark und altruistisch.

Auch Elene fällt in diese Kategorie, was dazu führt, dass sie über weite Teile des Buches unfähig ist, viele von Kylars Motiven und Gedanken nachzuvollziehen und zu akzeptieren.

Ariel hingegen macht sich keine Illusionen darüber, dass sie gelegentlich gefühlskalt und manipulativ ist, aber die Offenheit, mit der sie sich das eingesteht, macht sie schon wieder sympathisch.

Auch Vi denkt im Laufe des Buches viel über sich selbst nach – und die Katastrophe die ihr Leben (eine nicht enden wollende Abfolge von physischem und emotionalem Missbrauch) ist. Es ist dieses Leben, das sie geformt hat und sie fragt sich, ob sie in der Lage ist, es und sich selbst zu ändern.

Auch Figuren, die kleinere Rollen spielen, wie zum Beispiel Solon, Feir oder Jarl sind mit differenziert geschilderten Charakteren ausgestattet.

Allein Gottkönig Garoth Ursuul und einige seiner Leute sind zu undifferenziert böse (und Logan und Elene ein wenig zu undifferenziert gut und unschuldig).

 

Stil

Die Sprache von „Der Weg in die Schatten“ ist einfach gehalten und nahe an der Redeweise der Charaktere. Es gelingt Weeks gut, jeder Figur ihre eigene Stimme zu geben und dem Leser das Gefühl zu vermitteln, sie gut zu kennen. Die Atmosphäre ist düster und zeitweise hoffnungslos, aber andererseits führt gerade das dazu, dass die Momente, in denen einmal etwas gut läuft oder Figuren das Richtige tun, umso mehr hervortreten.

 

Fazit

Obwohl Weeks wieder beweist, dass er aus einer der klischeehaftesten Ideen der Fantasy eine gute, originelle Geschichte machen kann, ist „Am Rande der Schatten“ der schwächste Teil der Trilogie. Auch, weil viele der deprimierenden Wendungen letztlich sinnlos und vermeidbar sind (realistisch ist nicht gleich angenehm zu lesen).

Nichtsdestotrotz ist es ein spannendes, hochdramatisches Buch, an dem mir besonders das geschickt austarierte Gleichgewicht von Handlung und Selbstreflektion bei den Charakteren aufgefallen ist.

Ursprünglicher Titel: „Shadows Edge – The Nightangel Trilogy, Book 2“, aus dem Englischen übersetzt von Hans Link

Blanvalet Taschenbuch Verlag, August 2010

Imprint: Blanvalet Taschenbuch Verlag

ISBN: 9783641038335

Sprache: Deutsch

 

Rezension zu „Der Weg in die Schatten“ (Schatten-Trilogie, Bd. 1)

Rezension zu „Schwarzes Prisma“ (Lightbringer-Serie, Bd. 1)

Rezension zu „Die blendende Klinge“ (Lightbringer-Serie, Bd. 2)

Rezension zu „The Broken Eye“ (Lightbringer-Serie, Bd. 3)

Rezension zu „The Blood Mirror“ (Lightbringer-Serie, Bd. 4)

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5 Kommentare zu „Brent Weeks: Am Rande der Schatten (Schatten-Trilogie, Buch 2)“

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