Dave Eggers: The Circle

The+CircleKlappentext

When Mae Holland is hired to work for the Circle, the world’s most powerful internet company, she feels she’s been given the opportunity of a lifetime – even as live beyond the campus grows distant, even as a strange encounter with a colleague leaves her shaken, even as her role at the Circle becomes increasingly public. What begins as the captivating story of one woman’s ambition and idealism soon becomes a heart-racing novel of suspense, raising questions about memory, history, privacy, democracy and the limits of human knowledge.

Handlung

“The Circle” ist chronologisch geschrieben und beginnt mit Maes erstem Arbeitstag bei der Internetfirma. Mae ist überwältigt von den ehrgeizigen Projekten, dem Idealismus, der Macht und dem Erfolg der Circler und von ihrem Anspruch, einen Arbeitsplatz zu schaffen, an dem jeder mit jedem vernetzt ist und alles findet, was er braucht. Dieser Anspruch geht so weit, dass es als Beleidigung und Zurückweisung begriffen wird, sich weniger an sozialen Aktivitäten auf dem Campus zu beteiligen. Permanente Rankings sollen die Angestellten dazu bringen, sich sozial einzubringen und natürlich muss jede Aktivität dokumentiert und geteilt werden. Es gibt wenig direkten Zwang, aber doch jede Menge Druck von allen Seiten.

Fest entschlossen, allen Ansprüchen zu genügen, stürzt sich Mae in ihre Arbeit und ihr Online-Sozialleben – tatsächlich fällt es gelegentlich schwer, das eine vom anderen zu unterscheiden. Begegnungen mit ihren Eltern oder ihrem technologiekritischen Ex-Freund zeigen ihre rasch fortschreitende Entfremdung von allen, die ihren Enthusiasmus nicht teilen.

Der „Circle“ führt permanent neue Tools ein, die ihrer großen Vision von Transparenz entsprechen, aber beim Leser in der Totalität von Überwachung, die sie ermöglichen, Unbehagen bereiten. Als Mae schließlich Tag und Nacht mit einer Kamera um den Hals unterwegs ist (schließlich ist Privatheit Diebstahl) wirkt dies wie eine logische Konsequenz. „The Circle“ hat auch den Anspruch, die Demokratie zu ändern, transparenter und direkter zu machen.

Nahezu alle von Maes Beziehungen finden nun auf dem Campus statt – ihr zunehmend enger Kontakt mit den „Wise Men“, den Visionären an der Spitze des Circles, ihre Affäre mit dem Entwickler Francis, ihre enge Freundschaft mit Annie, welche sich jedoch mit der Zeit verändert, aber auch ihre Begegnungen mit dem mysteriösen Kalden, der dort zu arbeiten scheint, ohne jedoch in irgendeinem System auffindbar zu sein.

Es ist geschickt gemacht, dass man über große Teile des Buches ein vages Unbehagen spürt, ohne den Finger darauf legen zu können, an welchem Punkt die mit solcher Begeisterung begrüßten, innovativen Projekte – und tatsächlich lässt sich sehr gut nachvollziehen, was die Figuren fasziniert, und welche großen Vortile diese bringen – in beängstigende Mittel zur Überwachung übergehen und wann Gemeinschaft in Gruppenzwang umschlägt.

Figuren

Das ganze Buch dreht sich um Mae, sich vor allem durch Ehrgeiz und Anpassungsfähigkeit anzeichnet. Dankbar, pflichtbewusst und voller Enthusiasmus stürzt sie sich in ihre Aufgaben und wird nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem permanenten Teilhaben und Teilen zur überzeugtesten Botschafterin des  Circles. Allerdings ist sie als Person ziemlich uninteressant, so dass es manchmal schwer fällt, zu sagen, was die Millionen von Leuten, die sie schließlich beobachten, eigentlich Interessantes an ihr finden. Mae ist, obwohl sie durchaus eigene Gedanken, eine Vergangenheit und komplexe Beziehungen zu den Leuten um sie herum hat, vor allem ein Vehikel, um die dargestellte dystopische Zukunft zu erkunden. Sie saugt die Auffassungen der Leute um sich herum geradezu in sich auf und ist besessen von der Furcht, etwas falsch zu machen. Als in einer Szene drei Prozent der Teilnehmer der Frage, ob sie großartig sei, verneinen, ist sie am Boden zerstört. Der Leser beobachtet – häufig mit wenig Sympathie, aber immer mit Interesse – welches Gefühl der Macht ihre Verbindungen ihr geben, wie enthusiastisch sie darüber ist, wie Vernetzung das Leben unzähliger Menschen ändert und wie fassungslos sie schließlich auf Weigerungen reagiert, Informationen über sich zu teilen und sich helfen zu lassen. In einer Szene blickt sie sogar auf eine träumende Freundin herab und fühlt sich um die Möglichkeit betrogen, zu sehen, was im Schlaf in deren Kopf vorgeht.

Im Verlauf des Buches ändert sich auch ihre Beziehung zu ihrer Freundin Annie. Diese, ein Mitglied des inneren Zirkels im Circle, beginnt zunächst als eine geradezu verehrte Mentorin, der Mae unbedingt beweisen will, wie gut es war, sie einzustellen. Doch schließlich wird sie zur Konkurrentin und, als der Druck der permanenten Öffentlichkeit an ihr zu nagen beginnt und sie schließlich zusammenbrechen lässt, zu jemandem, den Mae nicht länger verstehen kann.

Maes Ex-Freund Mercer und ihre Eltern scheinen in ihrer Ablehnung der neuen Technologien Relikte aus einer anderen Zeit zu sein und der Leser fühlt gleichzeitig Maes Unverständnis und Ärger darüber nach, aber auch das Gefühl der drei, in die Enge getrieben zu sein.

Es war eine gute Entscheidung Eggers, nicht, wie so oft in Dystopien, die Gegner des Systems als lässige Rebellen darzustellen. Tatsächlich sieht man Mercer, Maes Eltern und schließlich auch Kalden als traurige Gestalten, im letzten Jahrhundert festgefahrene Verschwörungstheoretiker – denn genau so nimmt die Masse sie wahr und macht dies auch sehr deutlich.

Was beim Lesen immer wieder ein wenig lästig ist, ist der nahezu religiöse, völlig ironiefreie Eifer vieler Circler, der anstrengend zu lesen und nachzuvollziehen ist. Natürlich ist es nur zu verständlich, wenn sie sich über neue Technologien und Möglichkeiten freuen, aber müssen sie gleich einen Kult daraus machen?

Stil

Das Buch ist in der dritten Person geschrieben, die einzige Perspektive ist die Maes. Der Roman beginnt eher gemächlich, mit ausführlichen Beschreibungen von Maes Arbeitsalltag, aber nimmt dann rasch Tempo auf, bis man das Buch schließlich nicht mehr weglegen kann. Gerade am Anfang ist die Lektüre jedoch dadurch ein wenig mühsam, dass man stellvertretend für Mae von all den Figuren genervt ist, die permanent beachtet werden wollen und absolute Offenheit verlangen.

Fazit

„The Circle“ ist ein spannender, hellsichtiger Roman, der die in vielen anderen Rezensionen erwähnten Fragen nach Demokratie, Transparenz, Privatheit und Entscheidungsfreiheit im digitalen Zeitalter stellt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es sich um ein sehr gutes Buch handelt oder lediglich ein gutes Buch, das genau zur richtigen Zeit erschienen ist.

Unter dem Titel „Der Circle“ auf Deutsch erschienen, übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

Penguin Books Ltd,

Oktober 2013

Imprint: Penguin

ISBN: 9780241967553

Sprache: Englisch

8, 49 Euro bei Kobo

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Ein Kommentar zu “Dave Eggers: The Circle”

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