Interview mit Stefanie Konstanze Völker, Lektorin beim Wenz-Verlag


voelkerWussten Sie schon immer, dass sie Lektorin werden wollen, oder haben Sie eher auf Umwegen zu dem Beruf gefunden?

Auf Umwegen. Ich habe zwar als Kind schon immer viel gelesen und sogar den Traum gehabt, selbst einmal Schriftstellerin zu werden, aber eigentlich wollte ich ursprünglich einmal Grundschullehramt studieren. Tatsächlich studierte ich dann Germanistik, Buchwissenschaft und Komparatistik in Mainz und landete nach mehreren Praktika bei anderen Medien im Wenz-Verlag. Und ich wusste sofort: Hier gehöre ich hin.

Man stellt sich den Beruf des Lektors ja vor allem als das Prüfen und Verbessern von Manuskripten vor. Stimmt das? Was für andere Aufgaben sind noch damit verbunden?

Zuallererst kommt das Prüfen, sicher. Welche Qualität hat das Buch? Was gibt es noch daran zu verbessern? Aber bei aller Begeisterung ist es auch wichtig sich zu fragen: Welche Chancen hat das Buch auf dem Markt? Schließlich kann man sich vor allem als kleiner Verlag keine großen Fehlgriffe leisten.

Viele unterschätzen aber nicht nur den ökonomischen, sondern auch den menschlichen Aspekt. Als Lektor ist man oft der engste Vertraute des Autors im Verlag. Empathie und ein offenes Ohr gehören ebenso zu den Schlüsselkompetenzen wie gute Orthographiekenntnisse.

Woran erkennen sie, ob ein Buch Potenzial hat?

Man stellt sich verschiedene Fragen, wenn man ein Manuskript auf den Tisch bekommt:

  • Qualität: Ist es handwerklich gut gemacht? Beherrscht der Autor sein Genre oder bricht er mit ihm gekonnt?
  • Markt: Gibt es bereits schon viele ähnliche Bücher in dem Segment, mit denen man konkurrieren muss (besonders von großen Verlagen). Und wenn ja: Hat man trotzdem eine realistische Chance auch ohne Vitamin B mitzuhalten?
  • Autor: Ist der Autor bekannt? Hat er sich schon einen Namen gemacht? Ist er erfahren oder Anfänger? Kann man ihn auch als Nobody gut am Markt platzieren?

Was sind die Besonderheiten des Verlags, bei dem Sie arbeiten?

download (1)Wir sind ein kleiner Verlag, der aber ein breites Spektrum an Genres abdeckt: Romane, Biografien, Sachbücher, Lyrik, Kinderbücher. Daher haben wir auch noch den Imprint MEDU gegründet.download

Es wurde uns oft zum Vorwurf gemacht, dass wir kein klares Profil haben, aber wir wollten uns nicht in ein starres Schema pressen lassen, sondern die Bücher verlegen, die wir auch gerne selbst lesen würden.

Was lesen sie am liebsten in ihrer Freizeit?

Wenn man den ganzen Tag beruflich liest, kommt man immer weniger dazu privat zu lesen. Wenn ich mir es aber dann doch mal in meinem Ohrensessel gemütlich mache, lese ich am liebsten Krimis (wenn es etwas Leichtes sein soll), sonst gerne atmosphärisch dichte Romane, wobei mir eine reiche Bildsprache wichtig ist.

Worauf sollte man sich einstellen, wenn man LektorIn werden möchte?

Auf einen unkalkulierbaren Alltag. Lektor ist kein Nine-to-Five-Job, den man einfach abstreifen kann. Solange man im Büro ist, telefoniert und organisiert man mehr. Lesen kann man meistens erst in Ruhe zu Hause, abends oder am Wochenende. Daher braucht man auch eine verständnisvolle Familie, die damit umgehen kann, dass Privatleben und Beruf nie genau zu trennen sind.

 

VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW

http://www.wenz-verlag.de/

http://www.medu-verlag.de/

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