Emily Brontë: Die Sturmhöhe

KlappentextDie+Sturmhöhe

„Wuthering Heights“, Sturmhöhe heißt Mr. Heathcliffs Besitztum. „Wuthering“ ist ein trefflicher mundartlicher Ausdruck, um den Aufruhr der Lüfte zu beschreiben, dem dieser Ort bei stürmischem Wetter ausgesetzt ist. Die Leute dort oben müssen zu allen Zeiten kräftig durchgeblasen werden.

Inhalt

Als Mr. Lockwood nach Wuthering Heights kommt, um bei dessen verschlossenen Besitzer Heathcliff das Nachbargut zu pachten, findet er eine Familie von Menschen vor, die einander und den Rest der Welt zu hassen scheinen. Wenig später wird er schwer krank. Während seiner wochenlangen Erholungszeit erzählt ihm Ellen Dean, die ehemalige Haushälterin von Wuthering Heights, die mehrere Generationen umspannende Geschichte des Gutes und seiner Bewohner.

Die beiden Geschwister Hindley und Catherine Earnshaw hatten sehr verschieden darauf reagiert, als ihr Vater aus einer Laune heraus den Waisenjungen Heathcliff adoptierte. Während Catherine rasch nahezu besessen von ihm war, was Heathcliff erwiderte, brachte Hindley ihm immer nur Hass und Eifersucht entgegen. Auch diese erwiderte der grimmige, verschlossene Heathcliff aus vollem Herzen. Ebenso hasste er Edgar Linton, den seine geliebte Catherine schließlich heiratete und obwohl seine Obsession für Catherine nie endete, schwor er sich, sich an Hindley, Edgar und ihren Nachkommen zu rächen. Hierzu spannte er Edgars Schwester, Hindleys Sohn und schließlich sogar seinen eigenen rücksichtslos ein und es entspann sich eine Geschichte von zwei Familien, deren Angehörige – durch die Abgelegenheit ihrer Wohnsitze klaustrophobisch zusammengesperrt – Jahre damit verbrachten, einander und indirekt sich selbst zu verletzen.

Figuren

Der eigenbrötlerische, aber recht sympathische Erzähler der Rahmenhandlung, Mr. Lockwood, bleibt weitestgehend im Hintergrund und die eigentliche Erzählerin ist Ellen. Ihre Perspektive ist gut gewählt, denn sie hat nicht nur über Jahre lang engsten Kontakt mit der ersten Generation der Earnshaws, sondern auch später mit Catherines Tochter Cathy. Sie ist eine gute Beobachterin und macht sich keine Illusionen über den Charakter ihrer Arbeitgeber.

Heathcliff ist tatsächlich keine sehr sympathische Figur und ruiniert in seiner Rachsucht und Rücksichtslosigkeit das Leben vieler anderer Figuren. Trotzdem liefert die Geschichte eine gute Erklärung dafür, wieso er so geworden ist.

Hindley wirkt unsympathisch, schwach und engstirnig und auch die egozentrische Catherine ist alles andere als ein Engel. Für sie sind die Gefühle aller anderen Menschen niedrig, egoistisch und irrelevant. Ihr Mann Edgar und seine Schwester Isabelle sind – auch, weil sie im Gegensatz zu den Earnshaws auf eine unüberschattete Kindheit zurückblicken – vergleichsweise sympathisch, aber auch naiv und Isabellas Schwärmerei für Heathcliffe ebenso dumm wie selbstzerstörerisch.

Auch die nächste Generation ist – größtenteils nicht durch eigenes Verschulden – ziemlich verkorkst. Cathy wächst extrem isoliert und umsorgt auf und verhält sich oft nicht ihrem Alter entsprechend, aber man merkt ihr an, dass sie im Grunde genommen ein guter Mensch ist. Das gleiche gilt für ihren Cousin Hareton, Hindleys Sohn, der von Heathcliff in Unwissenheit und Abhängigkeit gehalten wird. Der kränkliche, selbstbezogene Sohn Heathcliffs, Linton, lebt in permanenter Angst vor seinem Vater und möchte Cathy bloß ausnutzen. Und im Hintergrund wuselt der mürrische, abergläubische Bedienstete Joseph herum.

Alles in allem hat man oft das Gefühl, dass Ellen, die vernünftige, pragmatische Erzählerin die einzige Figur ist, die halbwegs klar denkt.

Brontë hat die Figuren, ihre Entwicklungen und Beziehungen über Jahre hinweg detailliert beschrieben und schafft es daher, ihre zum Teil sehr extremen Handlungen glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Stil

Die Atmosphäre von „Sturmhöhe“ ist der Handlung entsprechend düster und entweder eskaliert gerade ein Konflikt oder aber der Leser ahnt das Eskalieren eines Konflikts voraus. Doch man gibt bis zum Schluss die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann einige Charaktere den Teufelskreis aus Hass und Rachsucht durchbrechen können. Ellens und Mr. Lookwoods Stimmen sind gut gewählt und getroffen und Brontë beweist ein Talent für eindringliche Figurenportraits.

Fazit

„Sturmhöhe“ erzählt über Jahrzehnte hinweg das Schicksal einiger weniger Figuren und beleuchtet gnadenlos, wie sie einander zerstören. Obwohl das Buch 1847 erschienen ist, ist es auch für einen modernen Leser ein ebenso spannender wie beklemmender Roman.

Auf Englisch als „Wuthering Heights“ erschienen, übersetzt von Grete Rambach

Insel Verlag, November 2010

Imprint: Insel Verlag

ISBN: 9783458733003

 

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