Brent Weeks: Der Weg in die Schatten (Schatten-Trilogie, Buch 1)

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In den Schatten wirst du deine Seele verlieren!

Durzo Blint ist ein gefährlicher Mann, ein unübertroffener Meister in der Kunst des Tötens. Für den Gassenjungen Azoth ist der gefürchtete Attentäter allerdings die einzige Chance, am Leben zu bleiben – denn nur als Lehrling des Blutjungen kann Azoth dem sicheren Tod auf der Straße entkommen. Doch Durzo Blint ist in der Auswahl seiner Lehrlinge äußerst wählerisch – und es ist gut möglich, dass der Weg in die Schatten einen weit höheren Preis fordert, als Azoth es sich je vorstellen konnte…

Handlung

Als Waise in den von Armut und Gewalt geprägten Armenvierteln Cenaria-Stadts aufgewachsen erfährt Azoth immer wieder auf schmerzhafte Weise seine eigene Hilflosigkeit. Von Durzo Blint als Lehrling angenommen zu werden scheint seine einzige Chance auf ein Leben ohne Furcht zu sein. Und schließlich gelingt es ihm, den Attentäter zu überzeugen, ihn auszubilden. In den folgenden Jahren wird er zu einem tödlichen Kämpfer, auch wenn er nicht die magischen Kräfte seines Meisters hat. Er baut sich auch eine Identität als der Adelige Kylar Stern auf, so dass er sich am Königshof Cenarias bewegen kann. Er findet echte Freunde und weigert sich, seine Schwärmerei für seine Jugendliebe Elene aufzugeben, auch wenn ihm der verbitterte Durzo Blint ihm immer wieder eintrichtert, dass Liebe Schwäche sei und bloß zu Katastrophen führe. Und tatsächlich sieht es am Ende so aus, als müsste Kylar alle verlieren, an denen ihm je gelegen hat.

Parallel zur Geschichte von Kylars Ausbildung wird die verschiedener cenarischer Adeliger erzählt. Sie versuchen, dass von einem schwachen, unfähigen König beherrschte und von Korruption zerfressene Land zusammenzuhalten und gegen eine Invasion des Nachbarstaates Khalidor zu verteidigen.

Aber die schlimmsten Feinde des Landes befinden sich in dessen Inneren: Die Sa’Kagé, die Herrscher der Unterwelt Cenarias, halten mehr Macht in den Händen als der König selbst. Es stellt sich heraus, dass selbst auf ihre eigene sonderbare Art und Weise aufrechte Gestalten wie Blint oder Momma K. (eine weitere wichtige Figur mit bewegter Vergangenheit) erpressbar sind.

Ein geheimnisvolles magisches Artefakt, jahrzehntelange Fehden und eine Gruppe fremdländischer Magier mit einer ganz eigenen, Jahrzehnte umspannenden Agenda machen die Handlung noch komplexer. Am Ende werden alle Handlungsstränge in einem Höhepunkt zusammengeführt, der einerseits befriedigend ist, den Leser allerdings auch mit Fragen über die Bedeutung der Ereignisse und das Schicksal der Figuren zurücklässt.

Figuren

In der Gestalt von Azoth/Kylar hat Weeks versucht, eine Figur zu schreiben, die sich trotz der bewussten Entscheidung für eine Laufbahn als Attentäter so etwas wie moralische Integrität und die Sympathien des Lesers bewahrt. Das ist ihm auch gelungen (auch wenn er es sich etwas leicht macht: abgesehen vom Ende des Buches, wo Azoth für Menschen kämpft, an denen ihm etwas liegt, sieht man ihn nur ein einziges Mal töten) und man fühlt intensiv mit Azoth mit, der an seinen Entscheidungen zu zerbrechen droht. Es ist auch interessant zu lesen, wie sich Azoths Lehrverhältnis mit dem zynischen Blint allmählich gegen dessen Willen zu einer Art bizarrer Vater-Sohn-Beziehung entwickelt.

Blint selbst ist eine interessante, durch ein langes, bitteres Leben geformte Figur, über deren Vergangenheit man einiges erfährt, aber nicht annähernd alles, was es da zu erfahren gäbe. Sein Charakter ist einer der Pluspunkte der Serie.

Kylars Freund Logan – klug, willensstark und ehrenhaft – ist der geborene Herrscher, was ihn in den Augen des Königs zu einem gefährlichen Mann macht. Wie auch die mitfühlende, prinzipientreue Elene, die einen angesichts ihrer Biographie überraschenden Glauben an die Menschheit an den Tag nimmt, scheint er eher Ideal als Mensch zu sein.

Es gibt einige Figuren, die den Polen von extrem gut und extrem böse zu nahe sind, aber dafür auch andere, die sich dazwischen bewegen oder Wandlungen durchlaufen haben.

Immer wieder kommen überraschende Informationen über die Vergangenheit verschiedener Charaktere ans Tageslicht.

Teilweise ist es fast ein wenig unglaubwürdig, wie jeder jeden zu kennen scheint oder wie Figuren immer wieder auftauchen, aber andererseits hätte sich sonst die bereits ziemlich große Zahl der handelnden Figuren ins Unübersichtliche gesteigert.

 

Stil

„Der Weg in die Schatten“ berichtet aus wechselnden, in der dritten Person geschriebenen Perspektiven chronologisch von den Ereignissen. Sehr große Zeitsprünge lassen den Leser in wenigen, einprägsamen Bildern Kylar über zehn Jahre begleiten und parallel das allmähliche Reifen einer großangelegten Machtübernahme mitverfolgen.

Der Stil ist flüssig und sehr gut zu lesen, die Balance zwischen Handlung und der Beschreibung von Charakteren und Beziehungen gut gelungen. „Der Weg in die Schatten“ lebt von den extremen Kontrasten zwischen einer ungerechten, zutiefst verdorbenen Welt und Figuren, die gegen alle Widerstände versuchen, das Richtige zu tun.

Trotzdem wird (in den Folgebänden noch mehr) die geschilderte Düsternis manchmal so extrem, dass sie den Leser herunterzuziehen droht.

 

Fazit

„Der Weg in die Schatten“ ist noch nicht so ausgereift und originell wie Weeks ausgezeichnete „Lightbringer-Trilogie“, aber trotzdem ein gutes Buch, das eine Standard-Idee (Straßenkind wird Meister-Attentäter und kämpft schließlich auf der Seite des Guten) mit neuen Ideen und interessanten Figuren anreichert und einem komplexen, politischen und persönlichen Geschehen über Jahre folgt. Der Roman liest sich schnell, mühelos und sehr unterhaltsam.

Übersetzt von Hans Link, englischer Original-Titel: „The Way of Shadows – Book One of the Nightangel Trilogy“

Blanvalet Taschenbuch Verlag, März 2010

Imprint:Blanvalet Taschenbuch Verlag

ISBN:9783641038342

 

Brent Weeks: Am Rande der Schatten (Schatten-Trilogie, Buch 2)

Brent Weeks: Schwarzes Prisma (Lightbringer-Serie, Buch 1)

Brent Weeks: Die blendende Klinge (Lightbringer-Serie, Buch 2)

Brent Weeks: The Broken Eye (Lightbringer-Serie, Buch 3)

Brent Weeks: The Blood Mirror (Lightbringer-Serie, Buch 4)

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5 Kommentare zu „Brent Weeks: Der Weg in die Schatten (Schatten-Trilogie, Buch 1)“

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