David Kirk: Rōnin – Das Buch der Vergeltung

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Kämpfer

Sein Name ist Bennosuke. Seine Bestimmung: ein großer Samurai zu werden, bewundert und gefürchtet im japanischen Reich

Legende

Furchtlos kämpft er im Duell – und siegt. Doch den schändlichen Mord an seinem Vater kannn er nicht verhindern. Bennosuke muss fliehen.

Samurai

Fortan hat er nur noch ein Ziel: unter dem Kämpfernamen Musashi Miyamoto den Tod seines Vaters zu rächen…

Inhalt

Der Klappentext, der eine relativ simple Rachegeschichte um einen Vorzeige-Samurai erwarten lässt, ist (glücklicherweise) irreführend.

Über vielleicht ein Drittel des Buches geht es vielmehr darum, wie Bennosukes Vater Munisai nach acht Jahren zu seinem Sohn zurückkehrt. Munisai trägt schwer an einer Schuld. Die Umstände des Todes seiner Frau haben ihn für immer von seinem Sohn entfremdet. So haben Munisai und Bennosuke eine eher komplizierte Beziehung. Über allem schwebt der Schatten Yoshikos, Munisais toter Frau. Ähnlich schwierig ist Munisais Beziehung zu seinem Bruder, dem Mönch Dorinbo, der für Bennosuke eine Zukunft als Priester sieht und nur ungern zulässt, dass der Junge eher unter den Einfluss seines Vaters und der Ideale der Samurai gerät.  Angenehmerweise wird immer wieder nicht nur geschildert, wie die Figuren zu Bennosuke stehen, es geht auch viel um ihre Beziehungen zueinander und ihnen wird ein Leben jenseits der Haupthandlung zugestanden.

Schließlich setzt sich eine Kette von Ereignissen in Gang, an deren Ende Munisai tot, Bennosuke auf der Flucht und der Adelige Hayato Nakata sein unversöhnlicher Feind ist, dem Bennosuke Rache geschworen hat.

Es folgen Jahre der Wanderschaft, auf denen Bennosuke zwar Hayato Nakata verfolgt, aber sich auch immer wieder Fragen nach seinem Platz in der Welt und dem Sinn von Vergeltung stellt. Dies findet vor dem Hintergrund des Krieges statt, den verschiedene Fürsten um den Titel des Shoguns ausfechten und in den auch Bennosuke verwickelt wird.

Figuren

Kirk konzentriert sich auf wenige, ausführlich geschilderte Figuren und ihre Beziehungen zueinander. Bennosuke wird als ein willensstarker, junger Mann geschildert. Von seinem Vater verlassen und den Bewohnern seines Dorfes gemieden, wächst er mit quälenden Unzulänglichkeitsgefühlen auf. Obwohl er sich nie etwas anderes vorstellen kann, als Samurai zu werden, ist er für die kritischen Bemerkungen seines Onkels Dorinbo offen. Dieser ermutigt ihn, die starre Hierarchie und Todesverliebtheit der Samurai-Kultur zu hinterfragen. Bennosuke bleibt das ganze Buch über ein Außenseiter, nicht nur, während er schließlich allein mit seiner Rachemission durch das Land zieht, sondern auch, als er sich für zwei Jahre einer Truppe Soldaten anschließt. Auf seinen Wanderungen lernt er viele Aspekte seines Landes kennen und auch, es aus der Perspektive der Beherrschten zu betrachten.

Munisai dagegen ist eher der klassische Samurai: Stolz, kämpferisch, zu Extremen neigend und sich seiner Stellung sehr bewusst. Er ist eine wenig sympathische, aber überzeugende Figur.

Dorinbo hingegen ist ein friedlicher, nachdenklicher Mann, der trotzdem entschieden für seine Meinung und seine ungewöhnlichen Werte eintritt.

Während Dorinbo und Bennosuke eher außerhalb stehen, repräsentieren Figuren wie Fürst Shinmen, der junge Samurai Kazuteru und Bennosukes (leider einseitig unausstehlicher) Feind Hayato Nakata die blinde Treue der Samurai und die Bereitschaft ihrer Fürsten, diese auszunutzen.

Stil

Der Stil ist schnörkellos, gut lesbar, und verflechtet elegant die Überlegungen der Figuren – welche einen großen Teil des Buches einnehmen und für es essentiell sind – mit der äußeren Handlung. Es gibt vergleichsweise wenige, dafür aber eindringlich und ohne jede Idealisierung geschilderte Kämpfe.

Das Verhalten der Figuren in der Gegenwart wird teilweise durch Rückblenden erklärt, welche meist wichtige Informationen über die Figuren enthalten, aber nicht optisch gekennzeichnet sind und daher manchmal ein wenig irritieren.

Fazit

Statt ein Buch über ein exotisches Panorama und Leute mit Schwertern und einer Mission zu schreiben, hat Kirk über Figuren geschrieben, über ihre Beziehungen und die Auseinandersetzung mit den Ideen ihrer Zeit. Das Ergebnis ist ein nachdenkliches und zum Nachdenken anregendes Buch.

Man merkt eindeutig, dass es das Buch eines westlichen Autors ist, da die Denk-, Sprech- und Handlungsweise der Figuren oft stärker an moderne Europäer erinnert, als man es bei einem solchen Setting erwarten würde, aber andererseits erleichtert dies das Lesen.

Übersetzt von Jochen Schwarzer, englischer Originaltitel: „Child of Vengeance“

Rowohlt E-Book, September 2013 ISBN:9783644490918 Sprache:Deutsch

9,99 Euro bei Kobo

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