Conn Iggulden: Sturmvogel (Die Rosenkriege, Buch 1)

KlappentextSturmvogel

Ein Königreich

Zwei Familien

Drei Jahrzehnte Krieg

England, 1437: König Henry VI. ist krank und unfähig zu regieren, das Königshaus gerät ins Wanken. Zudem droht ein Konflikt mit Frankreich, der England in eine Katastrophe reißen könnte. Die Vermählung Henrys mit der französischen Adeligen Margaret von Anjou soll die Macht des Reiches sichern. Doch das Bündnis mit den verhassten Franzosen ruft bei der Bevölkerung Empörung hervor. Richard, Duke von York, nutzt den Hass gegen den König und seine willensstarke Gemahlin zu seinen Zwecken – die Rosenkriege beginnen…

Handlung

Die Handlung beginnt damit, dass zwei sehr verschiedene Männer – William de la Pole, ein älterer Earl, und Meisterspion Derry Brewer – sich einer vernichtenden Erkenntnis stellen müssen: Henry VI ist weit davon entfernt, das Erbe seines kriegerischen Vaters antreten zu können. Die noch nicht ausreichend gefestigte englische Herrschaft über die eroberten Gebiete in Frankreich ist ebenso in Gefahr wie der innere Frieden in England selbst.

Da keine Aussicht besteht, gegen die Franzosen zu gewinnen, schmiedet Brewer einen ehrgeizigen Plan: Für die Rückgabe seiner einstigen Besitztümer soll der Herzog von Anjou seine Tochter Margaret, eine Verwandte des französischen Königs, mit Henry verheiraten und so einen zwanzigjährigen Waffenstillstand besiegeln.

Der Plan scheint aufzugehen, hat aber einen entscheidenden Makel: Englische Soldaten haben sich als Bauern auf dem eroberten Land niedergelassen und sind alles andere als glücklich damit, es wieder räumen zu müssen.

Richard, der Herzog von York, ist verbittert, da er fest davon überzeugt ist, einen besseren Thronanspruch als der König zu haben. Dass die Vertriebenen sich mit aufständigen Bauern in England zusammenschließen und gegen den König rebellieren, ist ihm nur recht. Allerdings bleibt er eher im Hintergrund und so sind es der Verlust der französischen Gebiete, der Aufstand und schließlich die Verleumdung de la Poles durch die yorkistische Fraktion, die den königstreuen Protagonisten Probleme bereiten.

Margaret heiratet Henry und wächst allmählich in ihre Rolle als Königin hinein. Zusammen mit Derry Brewer und William de la Pole versucht sie, den kranken, schwachen König zu schützen und seine Schwäche zu verbergen. Die Ereignisse wirken, obwohl alles zusammenhängt, teilweise wenig verknüpft und es ist leicht deprimierend zu lesen, wie die Ordnung in England und die Unterstützung für den König allmählich zusammenfällt und jenes Chaos entsteht, vor dessen Hintergrund die Rosenkriege möglich wurden. Vor allem de la Pole muss einen hohen Preis für die Unterstützung Henrys zahlen.

Relativ untypisch für einen historischen Roman umspannt die Handlung weniger als ein Jahr.

 

Figuren

Derry Brewer ist ein ehemaliger englischer Soldat und nun Spion und Ränkeschmied für die Sache des Königs, auch wenn unerklärt bleibt, wieso er treu auf der Seite des schwachen Monarchen steht. Obwohl sein Status gering ist, legt er sich erfolgreich mit so mächtigen Männern wie Richard of York an. Listig, tatkräftig, risikobereit und mit einem tiefen Verständnis für die Probleme des Reiches ausgestattet ist er die Sorte Figur, der man eher zusieht, als dass man sich mit ihr identifiziert.

Der verantwortungsbewusste, nachdenkliche de la Pole hat mehr Identifikationspotential, aber die wahrscheinlich sympathischste Figur ist Margaret. Gerade einmal vierzehnjährig wird sie mit Henry verheiratet und nimmt sich seiner und ihrer neuen Rolle mit Tatkraft und Mut an.

Durch die Perspektive des ehemaligen Bogenschützen Thomas Woodchurch  und seines Sohnes Rowan erfährt der Leser, wie die scheinbar so sauberen Pläne der Adeligen sich auf die einfache Bevölkerung auswirken. Es ist leicht, zu vergessen, dass Woodchurch und seine Mitstreiter das Land, von dem sie vertrieben werden, selbst von den Franzosen erobert haben. Der jähzornige Bogenschütze und einige Gefährten leisten wilden und vergeblichen Widerstand. Es ist zwar folgerichtig, aber auch gelegentlich ärgerlich, wie sie tendenziell erst töten und sich dann überlegen, welche weitreichenden politischen Konsequenzen das haben kann. Der Rebellenführer Jack Cade lässt sie jedoch geradezu besonnen aussehen und ist eine eher anstrengende Figur.

Richard von York tritt, wie gesagt, kaum in Erscheinung, und wenn, dann als ein gefühlskalter Intrigant, der seiner Frau selbstzufrieden von seinen Plänen erzählt.

Stil

„Die Rosenkriege“ ist aus wechselnden Perspektiven in der dritten Person geschrieben. Perspektivwechsel finden auch innerhalb von Kapiteln statt und sind nicht durch Unterbrechungen im Text gekennzeichnet.

Es ist ein wenig überraschend, dass gerade der König, der der Grund für all die Probleme ist, erst sehr spät wirklich auftaucht und erst noch später als Point-of-View-Charakter in Erscheinung tritt.

Die gewählte Sprache ist leicht und rasch zu lesen. Gelegentlich stolpert man über Wortwiederholungen oder Formulierungen, die eleganter hätten sein können, aber da es sich bei „Die Rosenkriege“ um einen Roman handelt, der eher zum schnell Weiterlesen als zum Innehalten anregt, fällt dies nicht wirklich ins Gewicht.

Leider gibt es einige Kämpfe und Hinrichtungen, die ein wenig unmotiviert wirken, als hätte Iggulden Angst gehabt, dass der Leser ansonsten das Interesse verliert.

Fazit

„Die Rosenkriege“ liest sich schnell und mühelos. Der Wechsel der Perspektiven zeigt, wie verschieden eine politische Entscheidung aus der Sicht derjenigen, die sie treffen, und derjenigen, die die Folgen tragen, aussehen kann. Nicht alle Figuren sind sympathisch und letztlich wird der beginnende Kollaps eines Reiches geschrieben, aber dadurch, dass alle Figuren permanent Handeln statt ihre Situation zu reflektieren, gewinnt die Handlung ein Tempo, dass das Buch trotzdem Spaß machen lässt. Nicht zu 100% überzeugend, aber solide Unterhaltung.

Anmerkung

Es gibt auch ein umfassendes, lesenswertes Nachwort, indem Iggulden Fakten und Fiktion trennt und über die historischen Hintergründe und weiteren Entwicklungen schreibt.

Das Personenverzeichnis ist ebenfalls hilfreich, aber man ist nicht so sehr darauf angewiesen wie bei anderen historischen Romanen, weil das Personal von „Die Rosenkriege“ nicht die monströsen Ausmaße annimmt, die man oft bei Jahre umspannenden Romanen findet.

Aus dem Englischen übersetzt von Christine Naegele

Heyne Verlag, August 2014

Imprint:Heyne Verlag

ISBN:9783641145576

Sprache:Deutsch

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