Mark Lawrence: Prince of Fools (Red Queens War, Buch 1)

KlappentextPrince+of+Fools+(Red+Queen’s+War,+Book+1)

“I’m a liar and a cheat and a coward, but I will never, ever, let a friend down. Unless of course not letting them down requires honesty, fair play or bravery.”

The Red Queen is dreaded by the kings of the Broken Empire as they dread no other. Her grandson Jalan Kendeth – womaniser, gambler and all-out cad – is tenth in line to the throne. While his grandmother shapes the destiny of millions, Prince Jalan pursues his debauched pleasures. Until, that is, he gets entangled with Snorri ver Snagason, a huge Norse axeman and dragged against his will to the icy north…

 

Handlung

„Prince of Fools“ spielt in einer Zukunft, in der die menschliche Zivilisation wieder ins Mittelalter zurückgefallen ist. So ist das „Broken Empire“ entstanden, in dem zahlreiche Kleinkönige einander bekriegen, teilweise unterstützt von der rätselhaften, unheimlichen Magie ihrer Welt.

Jalan, Nummer 10 in der Thronfolge der „Red March“ ist nicht besonders interessiert an seiner Verantwortung. Gerüchten über den Toten König, der im Westen seine Armeen sammelt und auf der Suche nach einem mythischen Artefakt ist, schenkt er keine Beachtung. Er hat drängendere Probleme, schuldet er doch einem der gefährlicheren Männer der Stadt jede Menge Geld.

Doch plötzlich erwidert in einer Oper ein „Unborn“, eine Kreatur aus dem Reich der Toten, seinen Blick, er entkommt nur knapp einem Feuer und trägt schließlich eine Hälfte eines zerstörerischen Fluches mit sich.

Die andere Hälfte trägt der Wikinger Snorri und so ist Jalan gezwungen, ihn auf einer Rachemission zu begleiten, die ihn hoch in den Norden führt. Unterwegs erfahren sie mehr über den Fluch, mehr über den Toten König und seine Armeen aus lebenden Toten und die mächtigen Magier, die hinter den Königen des Broken Empire stehen, und ein undurchsichtiges Spiel spielen.

Figuren

Wie bereits in „Prince of Thorns“ stellt Lawrence einen Antihelden ins Zentrum seiner Erzählung. Doch Jalan könnte nicht weiter von Jorgs Entschlossenheit und Ehrgeiz entfernt sein. Während Jorg der Welt kurzerhand die Form gibt, in der er sie haben will, wird Jalan permanent von den Ereignissen überrollt. Alles, wovon er träumt, ist ein banales Leben in Luxus, möglichst frei von Gefahren – letzteres ist besonders wichtig, denn Jalan bekennt sich offen zu seiner Feigheit. Ein Großteil seiner Gedanken kreist darum, wie er unangenehmen Problemen entkommen kann, aber auch um eine Art „Theorie“ der Feigheit, darum, welche Eigenschaften der erfolgreiche Feigling haben muss, und um die Frage, was sich hinter dem scheinbaren Mut anderer verbirgt.

Jalans Panik angesichts von Menschen mit scharfen Waffen und übernatürlichen Schreckgestalten ist nur zu nachvollziehbar. Seine Prioritätenliste, die mit seinem eigenen Wohlergehen beginnt und aufhört, weniger. Auch seine bewusste Blindheit gegenüber allem, was nicht direkt mit ihm zu tun hat oder auch nur entfernt unangenehm ist, strapaziert gelegentlich die Geduld des Lesers.

Trotzdem ist Jalan eine Figur, die man gerne über 320 Seiten begleitet, mit einer eigenen, prägnanten Stimme und Gedanken, die man gerne nachvollzieht. Gerade die Eigenschaften, die Jalan eigentlich die Sympathie des Lesers hätten nehmen müssen – Egoismus, Verantwortungslosigkeit und kleinliche Rachsucht ohne das Format und die Würde des echten Bösen – machen ihn, weil sie so konsequent und gelungen dargestellt sind, real. Vor allem aber gelingt es Lawrence wieder, eine überzeugende Entwicklung schreiben. Mit der Zeit erkennen sowohl der Leser als auch Jalan selbst, dass mehr in ihm steckt, als sich am Anfang abzeichnet.

Jalan werden im Laufe des Buches gewaltsam die Augen für alles geöffnet, was er bisher ignoriert hat – eine Erfahrung, die nicht spurlos an ihm vorbeigeht. Im Lauf der Geschichte reift Jalan und verliert etwas von seiner Oberflächlichkeit – und bleibt am Ende doch sehr er selbst.

Sein Begleiter Snorri erscheint zunächst wie das Klischee des Wikingers: Ein starker, unmöglich guter Kämpfer, besessen von seinem Ziel und der Idee eines sagawürdigen Todes. Aber er ist auch ein kluger, gebildeter Mann und begabter Geschichtenerzähler und die geschickt in Jalans…. nun ja, jalanzentriertes Narrativ eingewobenen Stellen, in denen er von seiner Familie, die er an die Invasion der Diener des Toten Königs mit der Unterstützung eines abtrünnigen Wikingers, mit dem Snorri noch eine Rechnung offen hat, erzählt, lassen den Leser  Anteil an seinem Verlust nehmen.

Auch viele der Figuren, die nur kurz auftauchen, sind präzise gezeichnet.

Stil

Irgendwie ist es Lawrence gelungen, Atmosphäre und Spannung, Reflektion und Humor in seinem Roman zu einem vielseitigen, doch perfekt stimmigen Ganzen zu verbinden. Die düstere, brutale Welt, in der „Prince of Fools“ spielt, ist eindringlich und ohne Beschönigungen beschrieben. Jalans Bemerkungen sind entweder ebenso bösartig wie treffend oder aber amüsant, weil sie eher ihn als das Ziel seine Spotts charakterisieren, seine Überlegungen ungewöhnlich. Provozierende Ideen, seien sie die des Charakters oder Teil der Handlung, werden weder relativierend noch trotzig geäußert, Buch und Charakter sind was sie sind und machen keine Anstalten, sich dafür zu entschuldigen.

Darüber hinaus hat Lawrence eine ganz eigene, teilweise überraschend poetische Sprache für seine Bücher gefunden und sie zieht den Leser unweigerlich in ihren Bann.

Fazit

Ich habe zugegebenermaßen eine Weile gebraucht, um in das Buch hineinzufinden, überrascht, dass Lawrence, nachdem er mit seiner ersten Trilogie den Konventionen des Genres beiläufige Missachtung bekundet hat, nun eine Geschichte erzählt, die auf den ersten Blick Fantasy-Standard zu sein scheint: Der Held wider Willen und sein klassisch-heroischer Begleiter sind auf einer Quest, von der mehr abhängt, als sie zunächst ahnen. Unterwegs kämpfen gegen Untote und Verfolger, die von einer Art dunklem Herrscher ausgeschickt werden, welcher eine schattenhafte, bösartige Figur in der Distanz bleibt. Auch die Ziellosigkeit, mit der Jalan anfangs durch die Geschichte taumelt, hat mich zunächst skeptisch gemacht.

Doch im Verlauf des Buches kommen immer mehr neue Ideen, immer mehr faszinierende Figuren oder Enthüllungen über die Hauptfigur hinzu, Lawrence‘ Stil entfaltet seine ganze Wirkung und „Prince of Fools“ wird zu der Sorte Buch, die einen auch nach dem Lesen noch eine Weile beschäftigt.

Anmerkung

Leser der „Thorns“-Reihe werden in „Prince of Fools“ zahlreiche Verbindungen zu dieser Trilogie finden (Orte, Figuren, eine Begegnung, den Toten König). Beide Figuren sind Teil des Spiels der Magier und ihrer Absichten, beide haben einen Einfluss auf weltbewegende Ereignisse und damit indirekt aufeinander. Trotzdem ist Jalans Geschichte eine völlig andere und kann ausgezeichnet für sich selbst stehen. Vielleicht lohnt es sich sogar, „Red Queens War“ als Erstes zu lesen, wenn man beide Trilogien lesen will, einfach, um dem permanenten Vergleichen der Bücher zu entkommen.

HarperCollins Publishers, Juni 2014

Harper Voyager

ISBN:9780007531554

 

Noch nicht auf Deutsch erschienen

Mark Lawrence: The Liar’s Key (Red Queen’s War, Buch 2)

Mark Lawrence: The Wheel of Osheim (Red Queen’s War, Buch 3)

Mark Lawrence: Prince of Thorns

Mark Lawrence: Red Sister (First Book of the Ancestor)

Advertisements

4 Kommentare zu „Mark Lawrence: Prince of Fools (Red Queens War, Buch 1)“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s