Edward W. Robertson: The Great Rift (The Cycle of Arawn, Buch 2)

KlappentextThe+Great+Rift

Five years ago, young sorcerer Dante Galand and his friend Blays averted war against their new home, the city of Narashtovik. Ever since, they’ve been repaying their debts, arming and training the nomadic norren people in preparation for rebellion against the empire that enslaves them.

When Dante hears a nearby norren clan is in possession of the Quivering Bow–a legendary artifact that can strike down walls with a single arrow–his course is clear. With such a weapon, he can secure independence for both the norren and Narashtovik. But the bow has been taken by the enemy. Following a trail of pirates and slavers, Dante, Blays, and a clan of norren warriors strike deep into enemy lands.

Until now, their rebellion’s been kept secret. But their quest for the bow leads Dante and Blays to an all-out assault on the personal manor of powerful lord Cassinder. Enraged, Cassinder will have his revenge on norren and Narashtovik alike–and this time, there will be no stopping the engines of war.

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Over 600 pages long, The Great Rift is the second book in the epic fantasy trilogy the Cycle of Arawn.

Handlung

“The Great Rift” setzt ganze fünf Jahre nach den Ereignissen des Vorgängerbandes „The White Tree“. Dante, der Magier, der im ersten Teil gelernt hat, die Magie des „Nether“ zu nutzen, hat sich von einem mächtigen, doch unsicheren Jugendlichen zu einem entschlossenen, selbstsicheren Mann entwickelt. Er hat in Narashtovik, der Stadt der Arawniten, ein Zuhause gefunden.

Im Auftrag des Rates von Narashtovik unterstützt er die Norren, ein menschenähnliches, nomadisches Volk dabei, sich gegen einen König zu wehren, in dessen Reich ihre Versklavung gängige Praxis ist. Dieser Konflikt zieht sich durch das ganze Buch und rasch findet Dante in Cassinder auch einen persönlichen Feind, der für die Dauer des Buches gewissermaßen an die Stelle des feindlichen Königs tritt, der selbst wenig mehr als ein Name bleibt. Um die Norren zu vereinigen und die Versorgung ihrer Truppen sicherzustellen, ist Dante im Laufe des Buches auf einer Vielzahl von Missionen unterwegs. Seine Aufgaben reichen von Diplomatie über Attentate bis dahin, den Verlauf offener Schlachten zu wenden.

Dabei steht ihm weiterhin Blays, sein Kampfgefährte und engster Freund zur Seite. Mit dem klugen Norren Mourn und der Schwertkämpferin Lira, die Dante, nach dem er ihr das Leben gerettet hat, schwört, ihn unter dem Einsatz des Ihrigen zu verteidigen, wächst diese Kerngruppe noch einmal.

Die Norren sind sehr jäh in den Fokus des Buches gerückt. Im ersten Teil erfährt der Leser gerade mal von ihrer Existenz, im Zweiten lernt er zum ersten Mal etwas über ihre Kultur und Situation.

Ihre Darstellung ist jedoch gut gelungen. Sie werden zwar als unübersehbar anders, aber den Menschen nichtsdestotrotz ebenbürtig dargestellt. Die Norren sind Philosophen, Künstler, Handwerker und Heerführer, die eindeutig mehr beizusteuern haben als lediglich die Entschlossenheit, für ihr Land zu kämpfen, und innerhalb ihrer Reihen gibt es eine Vielzahl von Meinungen und Persönlichkeiten.

Da das Buch ausschließlich aus Dantes Perspektive geschrieben ist, stellt sich der Krieg – abgesehen von Dantes persönlicher Fehde – weitgehend als Kampf gegen Massen gesichtsloser Soldaten dar und auch sein Feind erscheint als einseitig negativ dargestellter, selbstgerechter Fanatiker, was aber wahrscheinlich Dantes Sichtweise entspricht.

Gerade am Ende des Buches sind die Figuren auch gezwungen, dramatische Entwicklungen hinzunehmen und Entscheidungen zu treffen, die die Situation und ihre Beziehungen zueinander radikal verändern.

Figuren

Der Sprung von dem Dante aus dem ersten Teil zu dem Mann, der dem Leser in „The Great Rift“ begegnet, ist groß genug, um zunächst zu irritieren. Während der sechzehnjährige Dante noch unsicher war, wer – und ob überhaupt jemand – seine Loyalität verdient, steht er nun voll hinter der Sache der Norren und verfolgt sein Ziel auf erfindungsreiche Weise und unter großen persönlichen Risiken. Er ist sich auch seines Platzes in und seiner Meinung über die Welt entweder sicherer, oder aber es beschäftigt ihn einfach nicht so sehr, wie im ersten Teil.

Trotzdem ist noch sehr viel von dem Dante aus „The White Tree“ übrig, sei es seine Ausdrucksweise, die Besessenheit, mit der er sich in die Erforschung neuer magischer Techniken stürzt oder auch seine enge Beziehung zu Blays.

Letztlich ist es nicht unplausibel, dass sich Dante in den sechs Jahren, die zwischen den Büchern liegen, in den kompromisslosen Mann aus dem zweiten Teil verwandelt hat, es ist nur ein wenig überraschend, eine Figur zu verlassen, die gerade erst dabei ist, sich zu entwickeln und zu orientieren, und dann, wenn die Geschichte weitergeht, festzustellen, dass ein Großteil dieser Prozesse nahezu abgeschlossen ist.

Nichtsdestotrotz ist Dante ein Protagonist, über den man gerne liest: intelligent und unterhaltsam, mit einer Begabung dafür, ungewöhnliche Lösungen zu finden, jemand, der gleichzeitig herausragt, aber auch ganz gewöhnliche, menschliche Schwächen hat. Dantes Philosophie geht eher in die Richtung, dass der Zweck die Mittel heiligt, was ihm auch eine gewisse moralische Flexibilität gibt, die sein Handlungsspielräume erweitert und ihn als Figur interessanter macht.

Vielleicht hätte genau das auch dem dritten Mitglied der Expedition, Lira, gutgetan. Später im Buch gewinnt die Schwertkämpferin an Charakter und wird mehr Teil der Gruppe, bis sie schließlich für Dante und Blays eine wichtige Rolle spielt, aber leider ersetzt ihr starrer Ehrenkodex gerade zu Anfang hin und wieder eine tatsächliche Persönlichkeit. Vielleicht war sie zunächst vor allem als Kontrastfolie zu Dantes und Blays‘ eher von pragmatischen Überlegungen geleitetem Vorgehen gedacht.

Blays hat sich seit dem ersten Band kaum geändert. Er ist nach wie vor absolut loyal zu Dante, mag Schwerter, Alkohol, witzige Bemerkungen und einfache Lösungen und lässt sich kaum anmerken, wenn – oder ob – ihn darüber hinaus Dinge beschäftigen. Er ist eine der Schwachstellen des Buches. Vielleicht ist er wie Lira eine Figur, die vor allem zu einem bestimmten Zweck eingeführt wurde, in seinem Fall vielleicht der Repräsentation von Dantes menschlicher Seite, seinem Wunsch nach Gemeinschaft und Normalität und damit von dem, was er auf dem Weg zu einem großen Magier überwinden muss. Trotzdem wäre es durchaus möglich gewesen, ihn als einen interessanteren, realistischeren Charakter zu schreiben.

Das vierte Mitglied der Gruppe ist der Norren Mourn, durch den Dante mehr über die Kultur der Norren lernt und der im Laufe des Buches auch unabhängig von Dante eine Entwicklung durchläuft.

Robertson hat auch die gute Entscheidung getroffen, Callimandicus, dem Oberhaupt Narashtoviks, eine größere Rolle einzuräumen. Der exzentrische, aber geniale Alte aus dem ersten Teil stellt wieder einmal unter Beweis, dass er weit mehr als das ist und dass seine Rolle noch lange nicht beendet ist.

Stil

Während es auf den ersten Seiten von „The White Tree“ noch wirkte, als suche Robertson nach einem Stil für seine Geschichte, schreibt er seitdem in einem homogenen, stimmigen Ton. Die teilweise ungewöhnliche Wortwahl passt zu Dante, weil sie den lernbegierigen, nachdenklichen Aspekt seines Charakters unterstreicht, der in seinen Handlungen in diesem Teil nicht so viel Ausdruck findet.

Das Einzige, worüber der Leser noch stolpert, ist Robertsons Angewohnheit, Zahlen nicht auszuschreiben, sondern noch so kleine Summen als Ziffern erscheinen zu lassen.

Robertson hat auch seine Dialoge perfektioniert. Es gibt kaum eine Figur, die je um eine geistreiche Antwort verlegen ist. Der Humor ist gelegentlich albern (wie von den Hauptfiguren nicht anders zu erwarten), manchmal klug und häufig ziemlich schwarz, aber passt dadurch zur Situation. Das Einzige, was man vielleicht kritisieren könnte, ist, dass sich die Figuren in ihrer Sprechweise zum Teil relativ wenig unterscheiden.

„The Great Rift“ fehlen die langen, nachdenklichen Passagen und – trotz der in viele Teilmissionen aufgebrochenen Handlung – das leicht offene, ziellose Gefühl von „The White Tree“. Das Buch wirkt weniger ehrgeizig, man hat eher den Eindruck, dass der Autor einen Fantasy-Roman schreiben wollte, der vor allem Spaß machen soll, und dies auch gut realisiert. Einige kämpferische Fähigkeiten von Figuren oder ihre extremen Handlungen sind vielleicht ein wenig unrealistisch, aber das stört nicht wirklich, weil man es von dieser Art Geschichte erwartet und es den Lesespaß nicht im Geringsten hemmt.

Fazit

Ich persönlich hätte mir bei der Zeichnung von Charakteren wie Blays und Lira mehr Detail und Tiefe gewünscht und vermisse den nachdenklichen, zweifelnden Dante aus dem ersten Teil, aber andererseits ist es ebenso notwendig wie glaubwürdig, dass er sich schließlich entscheidet, was er will. Die Charakterisierung der Norren ist eindeutig ein Pluspunkt für das Buch. „The Great Rift“ ist gradlinig und stimmig erzählt und zeichnet sich vor allem durch Spannung und den ungezwungenen, präzisen Humor in den Dialogen aus. Solide High Fantasy.

Februar 2013

ISBN:1230000107123

 

bisher nur auf Englisch erschienen

Edward W. Robertson: The White Tree (The Cycle of Arawn, Book One)

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