Edward W. Robertson: The White Tree (The Cycle of Arawn, Book One)

The+White+TreeKlappentext

Sixteen-year-old Dante is obsessed with learning to wield the nether, the powerful magic of the death god Arawn. There’s just one problem: a century ago, Arawn’s followers were scoured from the kingdom of Mallon. Their temples smashed. Their secrets lost.

When Dante tracks down a copy of their holiest book, he throws himself into its study–and finds himself under siege in the city streets. Arawn’s believers aren’t dead. They’re in hiding, and they want back their book. With the help of the nether and a loudmouthed bodyguard named Blays, Dante escapes into the wilds. But Arawn’s army is ready to march from the shadows. As they move against Mallon, they hunt Dante relentlessly, in search of the book.

And with his powers growing by the day, Dante finds himself used as a tool in the war against them. He and Blays are dispatched on a thousand-mile journey to assassinate the Arawnites‘ leader. If they fail, their homeland will fall.

„The White Tree” is the first book in the epic fantasy trilogy the “Cycle of Arawn”.

Die Handlung

Die Grundidee von „The White Tree“ ist ein bekanntes Topos der High Fantasy: Ein Junge von niederer Herkunft entdeckt uralte Magie und findet heraus, dass er zu Großem bestimmt ist. Im folgenden Buch lernt er, seine Kräfte immer weiter zu meistern und schlägt sich nebenbei mit den Problemen des Erwachsenwerdens herum, bis er schließlich seine wie auch immer geartete Mission erfüllt hat… zumindest würde man das erwarten.

Allerdings weicht „The White Tree“ in mehreren Punkten vom üblichen Schema ab. Einer der wichtigsten Punkte ist die Hauptfigur: Während die Helden anderer Fantasyromane meist durch äußere Einflüsse gezwungen werden, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen, ist es Dante seine Besessenheit von Magie Antrieb genug. Sie führt ihn schließlich zu dem mysteriösen „Cycle of Arawn“.

Der „Cycle“ erweist sich als eine an die Bibel erinnernde Sammlung religiöser Texte rund um den Gott Arawn, historische Gestalten und deren übernatürliche Kräfte. Die Lektüre dieses Buches erlaubt es Dante auf sonderbare Weise, das Nether, eine Form magischer Energie, zu sehen und zu formen.

Als die alles andere als ausgelöschten Arawniten Dante Verfolger nachschicken, ist er gezwungen, schnell zu lernen. In dem jungen Schwertkämpfer Blays findet er bald einen treuen Gefährten und schließlich sind sie gemeinsam unterwegs, um sich Dantes Verfolgern, aufgebrachten Dorfbewohnern und schließlich Verwicklungen in arawnitische Politik zu stellen.

Es gibt keinen echten zentralen Konflikt, vielmehr ist die erste Hälfte des Buches davon geprägt, dass Dante versucht, zu lernen und am Leben zu bleiben, in der zweiten wird er in die Auseinandersetzungen anderer hineingezogen.

Der Grundton des Buches ist untypisch nihilistisch: Dante zieht aus seinen Erlebnissen den naheliegenden Schluss, dass Glaube Heuchelei ist, es keine Gerechtigkeit gibt und fängt schließlich an, den Tod von Menschen achselzuckend abzutun (immerhin ist das Leben bedeutungslos).

Ein durchgängiges Thema ist die Auseinandersetzung mit Religion, mit einigen offensichtlichen Anspielungen auf die reale Welt und einigen sehr zitattauglichen, pointierten Textstellen und Dialogen.

Das Problem mit den Namen

Anmerkung und Kritikpunkt: Der Arawn aus „The White Tree“ hat abgesehen von seiner Funktion nichts mit dem keltischen Totengott Arawn zu tun, sondern ist in ein frei erfundenes Pantheon eingegliedert. Robertson hatte keine glückliche Hand mit Namen. Bei „Dante“ denkt man automatisch an die italienische Rennaissance und den Autor der Göttlichen Komödie – was überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun hat. In einer frei erfunden Welt wie der Robertsons hätte es sich eher angeboten, sich konnotationsfreier Namen zu bedienen. Darüber hinaus passt „Dante“ nicht wirklich zu den mehrheitlich eher englisch anmutenden Namen anderer Figuren.

Figuren und Perspektive

„The White Tree“ ist ausschließlich aus Dantes Sicht geschrieben (3. Person) und gibt reichlich Einsicht in seine Gedanken.

Dante ist außergewöhnlich reflektiert und grübelt viel über sich, die Welt und Religion nach. Er schwankt zwischen Selbstzweifeln und Größenwahn, dem Wunsch, sich über alle anderen Menschen zu erheben und zugleich, von ihnen (vor allem von seinem Freund Blays) als ihresgleichen akzeptiert zu werden. Einerseits ist er absolut besessen von seinen Zielen, zugleich aber voller Zweifel und obwohl er ständig über die moralischen Dimensionen seines Handelns nachdenkt, verhält er sich oft inkonsequent, manchmal leider bis zu einem Punkt, an dem seine Glaubwürdigkeit als Figur bedroht ist. Diese Inkonsistenz ist einer von mehreren kleinen „Makeln“, die umso bedauerlicher sind, da Figur und Geschichte eigentlich Potenzial haben.

Zwar begegnen Dante im Buch immer wieder Figuren, die kurzzeitig so wirken, als könne er in ihnen einen Lehrer oder ein Vorbild gefunden haben, nur, um ihn kurz darauf wieder zu verlassen oder sich als wenig vertrauenswürdig zu erweisen.

Dante ist also ohne einen Lehrer oder eine große Mission, die ihm Orientierung geben würde, gezwungen, sich in einer chaotischen, gewalttätigen Welt zurechtzufinden. Gerade Dantes Zweifel, seine Unreife und seine Suche nach Halt und Vorbildern, die sich immer wieder als trügerisch erweisen, machen ihn menschlich. Zugleich machen seine Intelligenz, Tatkraft, Schlagfertigkeit und nicht zuletzt seine magische Macht und besessene Hingabe an was auch immer er gerade tut ihn zu einer sehr dynamischen Hauptfigur. Das Problem ist nur gelegentlich, dass die Dinge, die er mit großer Effektivität tut, manchmal nicht so recht zusammenpassen wollen.

Die Nebenfiguren im Buch sind teilweise sehr interessant gestaltet (z.B. Larrimore) zugleich gibt es hier und da aber auch Klischees, wie z.B. den komischen Alten oder die heuchlerische Demagogin. Auch erhalten Figuren wie Blays oder Robert – ein temporärer Begleiter des Duos – relativ wenig Tiefe und liefern lediglich Unterstützung im Kampf und Comic Relief. Die Hintergründe der Figuren bleiben im Dunkeln und alle scheinen sie kaum Beziehungen zu haben, die sie an einen Ort oder eine Person binden würden, was teilweise ihre Glaubwürdigkeit strapaziert.

Stil

Der ständige, temporeiche Hickhack zwischen Dante und seinen Begleitern lockert die Geschichte auf und nötigt dem Leser das eine oder andere Lächeln ab. Allerdings wollen die Dialoge manchmal nicht so recht zu Situation und Setting passen.

Dasselbe lässt sich, gerade in den ersten Kapiteln, auch vom Stil sagen, der zunächst ein wenig heterogen daher kommt: Philosophisch angehauchte Passagen und bedeutungsschwangere, sehr offensichtliche Vorausdeutungen eines allwissenden Erzählers – er schwenkt eher den ganzen Zaun als einen Pfahl – wechseln mit schnörkelloser Handlungsbeschreibung und beinahe ironischen Textstellen. Aber im Laufe des Buches glättet sich der Stil (und ich muss zugeben, dass dieVorausdeutungen zwar sehr offensichtlich sind, aber ihren Zweck nicht verfehlen).

Mein Fazit

„The White Tree“  hätte von einigen, kleinen Änderungen profitiert. Dante könnte konsequenter handeln, einige Nebenfiguren mehr Tiefe haben, der Stil homogener und die religiös-philosophischen Überlegungen eleganter mit dem Text verwoben sein…

Dennoch hat das Buch eine ungewöhnliche Hauptfigur, die am Ende des Buches noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung steht. Im Laufe der nächsten beiden Bände könnte Dante sich zum Erzbösewicht, Weltretter oder zurückgezogenen Gelehrten entwickeln und irgendwie bin ich gespannt welche (wahrscheinlich extreme) Richtung er einschlägt. Ich zolle dem Autor Respekt dafür, dass sein Buch handlungsmäßig geschlossen genug ist, dass es allein das Interesse an Dante ist, das einen Leser dazu bringen kann, zum nächsten Teil zu greifen.

Darüber hinaus wartet „The White Tree“ mit guten Ideen auf. Es könnte sich lohnen, Robertson weiter im Auge zu behalten, da er vielleicht in einem späteren Buch sein Potential vollends ausschöpfen wird.

The White Tree – The Cycle of Arawn, Book 1

Edward W. Robertson

2011

(momentan nur auf Englisch erschienen)

Rezension zu Edward W. Robertson: The Great Rift (The Cycle of Arawn, Buch 2)

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